Erst der „Co“, dann der Chef: Bevor Dimitrios Grammozis (l.) als Cheftrainer verpflichtet wurde, stand Mike Büskens als neuer Schalker Co-Trainer schon fest. © dpa
Schalke 04

„Die Welt ist nicht ideal“: Posten-Besetzung in umgekehrter Reihenfolge

Erst Co-Trainer (Mike Büskens), dann Cheftrainer (Dimitrios Grammozis), bald vielleicht ein neuer Sportvorstand: „Normal“ wäre genau andersrum. Aber was ist in diesen Zeiten schon „normal“?

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete, und Dimitrios Grammozis ist gut vorbereitet. Auf einem großen Zettel hat er sich die Namen der verletzten Schalker Spieler notiert, und bei der digitalen Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz 05 (Freitag, 20.30 Uhr/DAZN) gelingt es ihm auch, sie fehler- und verwechslungsfrei auszusprechen. Das war dem am Sonntag beurlaubten Christian Gross nicht immer geglückt, was einen Teil der Mannschaft dann offenbar doch sehr geärgert hatte.

Nun also Dimitrios Grammozis: Wieder ein Neu-Start, der so etwas wie Aufbruchstimmung erzeugen soll – was aber nichts daran ändert, dass auch Grammozis eine schwere Hypothek seiner Vorgänger übernehmen muss.

Denn die Liste der Verletzten ist noch genau so lang wie vorher: Ralf Fährmann, Matija Nastasic, Nassim Boujellab, Salif Sané, Steven Skrzybski, Mark Uth, Kilian Ludewig, Klaas-Jan Huntelaar und auch Nabil Bentaleb – sie alle sind entweder verletzt, bei der Reha oder im Aufbautraining.

Rönnow vor Rückkehr

Einziger möglicher Rückkehrer ist Frederik Rönnow – der Torhüter hat zwar noch leichte Probleme an den Adduktoren, ist gegen Mainz aber möglicherweise wieder einsatzfähig.

Am Spieltag wird Grammozis vormittags noch einmal trainieren lassen. Schwerpunkt: Standardsituationen – gegnerische. Hier hat Schalke große Probleme, das Spiel in Stuttgart, als drei Gegentore direkt oder im Anschluss an Ecken fielen, war dafür ein negatives Paradebeispiel. Der Erstliga-Trainer-Debütant ist guter Dinge, dass er schon für das Mainz-Spiel in dieser Hinsicht Änderungen bewirken kann: „Ich habe meine ganz bestimmten Vorstellungen, wie meine Mannschaft in solchen Situationen agieren soll. Wir haben nichts abzuschenken – also können wir nicht sagen: Das wird schon irgendwie funktionieren.“

„Keiner lässt Kopf hängen“

Es funktionierte zu oft nicht, nicht nur bei gegnerischen Standards – dass Schalke nach 23 Bundesliga-Spielen mit neun Punkte abgeschlagen am Tabellenende steht, hat auch viele andere Ursachen. Grammozis hat schon in die Mannschaft hinein gehorcht und freut sich, dass die Spieler sich intensiv an dem Austausch beteiligen: „Hier lässt keiner den Kopf hängen.“

Diese optimistische Einstellung versuchte auch Gross bis zu seinem Rauswurf gebetsmühlenartig zu vermitteln – Grammozis startet nun einen neuen Versuch. Die Ausgangslage ist ja klar: Gewinnt Schalke, darf wieder ein bisschen spekuliert werden. Bei einer Niederlage würden auch die „Solange-es-rechnerisch-noch-möglich-ist“-Gläubigen so langsam ins Reich der Lächerlichkeit abtauchen.

Ein Trainer für zwei Ligen

Grammozis ist ein Mann für beide Fälle/für beide Ligen: Steigt er mit Schalke ab, wird man es nicht ihm ankreiden, und er kann das Projekt Zweite Liga angehen; gelingt ihm das Wunder, wird er Modell für ein Denkmal stehen müssen.

Es sind halt ungewöhnliche Zeiten, die Schalke dazu zwangen, bei der Posten-Neubesetzung übliche Reihenfolgen zu umgehen: Erst Co-Trainer (Mike Büskens), dann Cheftrainer (Grammozis), und bald vielleicht ein neuer Sportvorstand. „In einer idealen Welt“, so Aufsichtsratschef Dr. Jens Buchta in der digitalen Mitglieder-Fragerunde „Mitgeredet“, „wäre die Reihenfolge genau andersrum gewesen. Aber die Welt ist im Moment halt nicht ideal.“

Mainz-Aufschwung dank Heidel

In Mainz übrigens auch nicht. Aber da hat Schalkes umstrittener Ex-Sportvorstand Christian Heidel durch personelle Veränderungen dafür gesorgt, dass wieder gehofft und gerechnet werden darf. Schalkes Hoffnungsträger heißt nun Dimitrios Grammozis. Gut vorbereitet auf seine neue Aufgabe ist er jedenfalls.

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