Schalke 04

Der Rotstift kreist: Was der Baustopp Berger Feld für Schalke bedeutet

Finanzverbindlichkeiten der Königsblauen sollen nicht noch weiter steigen. Daher muss der Verein Verzicht lernen. Das „Tor auf Schalke“ und das neue Verwaltungsgebäude werden nicht gebaut.
Schalkes Vereinsgelände rund um die Arena: Der „Baustopp Berger Feld“ sorgt dafür, dass der Klub nicht mit zusätzlichen Verbindlichkeiten belastet wird. © dpa

Alles war angerichtet, zur Präsentation der Pläne hatte Schalke zahlreiche prominente Gäste geladen. Der Verein stellte sein Projekt „Berger Feld II“ vor, die großflächige Weiterentwicklung des Vereinsgeländes rund um die Arena. Mit neuen Trainingsplätzen, einer Spielstätte für die Jugendteams und für die zweite Mannschaft, neuen Parkhäusern, das pompöse „Tor auf Schalke“ mit langer Flaniermeile für die Fans und ein neues großes Verwaltungsgebäude, in dem alle relevanten Schalker Abteilungen von kurzen Wegen profitieren sollten. Das war, als Schalke noch europäisch spielte und dachte.

Finanziert werden sollte das alles „auf Pump“. Ein Banken-Konsortium hatte dafür Kredite in Höhe von ca. 100 Millionen Euro bewilligt, feierlich gemeinsam unterzeichnet bei einer Pressekonferenz mit anschließender Baustellen-Besichtigung. Nun hat Schalkes Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers einen offiziellen Baustopp für „Berger Feld II“ verhängt. Das bedeutet: Da die Trainingsplätze, das Regionalliga-Stadion (das zurückgebaute alte Parkstadion) und Parkhäuer bereits stehen, bleiben die Vorzeige-Gebäude auf der Strecke. Es wird kein „Tor auf Schalke“, keine Flaniermeile und auch kein neues Verwaltungsgebäude geben.

Eine von drei Säulen

Bei der Präsentation der Schalker Geschäftszahlen des Jahres 2020 nannte Rühl-Hamers, die Nachfolgerin des langjährigen Schalker Finanzchefs Peter Peters, den Baustopp Berger Feld als eine der drei Säulen des künftigen Schalker Finanz-Programms: Außerdem hofft Schalke auf finanzielle Entlastung, in dem bei einer im Sommer auslaufenden und fälligen Anleihe ein Umtausch-Angebot, also ein Angebot zur Verlängerung der Anleihe, gemacht wird. Und als dritte Säule, quasi der Kontrapunkt zu den ersten beiden Spar-Modellen: Als einziger Etat im gesamten Verein wird nur der der Knappenschmiede nicht verringert, im Idealfall soll er sogar leicht erhöht werden.

Die Eckdaten der Schalker Bilanz 2020 belegen die Notwendigkeit dieser Schritte: Schalke schreibt, vor allem (aber nicht nur) corona-bedingt, einen Jahresverlust in Höhe von 52,6 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten sind vor allem wegen des durch eine Landesbürgschaft abgesicherten Betriebsmittel-Darlehen in Höhe von ca. 30 Millionen Euro von ca. 198 Millionen Euro auf knapp 217 Millionen Euro gestiegen. Sparmaßnahmen wie Gehaltseinsparungen etc. verhinderten hier ein noch höheres Ergebnis. Auch beim Umsatz ließ Schalke 2020 kräftig Federn, er schrumpfte von 275 Mio. Euro auf 175 Mio. Euro. Für 2021 erwartet Rühl-Hamers einen Jahresverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

50 Mio. Euro Kredit bleiben unberührt

Durch den Baustopp Berger Feld sollen zwei Effekte erzielt werden: Schalke als Verein und die Belegschaft im Speziellen sollen sich wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren können. Das heißt Fußball, und der findet für die Königsblauen in der kommenden Saison aller Voraussicht nach in der Zweiten Liga statt. Und: Von den ca. 100 Millionen Euro bewilligten Krediten für die Baumaßnahmen wurden erst ungefähr die Hälfte in Anspruch genommen und verbaut. Erfolgreiche Gespräche mit den Banken vorausgesetzt spart sich Schalke also ca. 50 Millionen an neuen Verbindlichkeiten, die im Fall der Inanspruchnahme dann in der Bilanz als zusätzliche Finanzverbindlichkeiten auftauchen würde. Und davon hat Schalke tatsächlich schon genug bzw. zu viele.

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