Sebastian Rudy (l.) war zuletzt an 1899 Hoffenheim ausgeliehen. © dpa
S04-Kommentar

Der „Fall Rudy“ und die Ohnmacht der Vereine

Sebastian Rudy irritiert mit seinem Verhalten. Juristisch mag er sogar im Recht sein, moralisch ist er ein Paradebeispiel für eine Branche, die immer mehr Kredit verspielt. Ein Kommentar.

Beweisen kann man es nicht, aber Rouven Schröder hätte ganz sicher andere Worte gewählt als diejenigen in den Schalker Vereinsmedien, als er zum „Streik“ von Sebastian Rudy Stellung nahm. Die Wortwahl blieb moderat, weil der Sportdirektor das Vereinswohl im Auge hat.

Schalke muss Rudy angesichts der prekären Finanzlage von der Gehaltsliste bekommen. Deshalb durfte Schröder nicht das sagen, was eigentlich angebracht wäre: Rudy taugt nicht zum Vorbild, sondern entpuppt sich wie so viele seiner Kollegen als egoistischer Raffzahn, der seine starke Stellung im Vertragspoker bis zum Letzten ausreizt.

Ein fatales Signal

Das ist eigentlich sogar legitim, weil Schalke ja nicht gezwungen wurde, ihm diesen Vierjahres-Vertrag zu geben, der ihm jährlich sechs Millionen Euro einbringt.

Rudy beruft sich zudem darauf, dass er vertraglich bis zum Ende des Monats Spieler von 1899 Hoffenheim ist. Auch das ist sein gutes Recht, aber gleichzeitig sendet er damit das fatale Signal, dass ihm Schalke herzlich egal ist.

Sünden der Vergangenheit

Hier kommt die moralische Seite ins Spiel. Auf Schalke sollen zukünftig nur noch Kicker spielen, die alles für den Verein geben. Dass Rudy unter diese Kategorie fällt, wird niemand mehr bei klarem Verstand behaupten können.

Schröder muss bei Rudy für die Sünden der Vergangenheit in der Transferpolitik büßen. Die Schalker Ohnmacht wird hier besonders deutlich. Es bleibt der Vereinsführung bis auf weiteres nichts anders übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, solange keine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden ist.

Marktwert rapide gesunken

Am 1. Juli ist Rudy wieder Spieler des FC Schalke 04. Er könne sich gut vorstellen, auch in der 2. Liga für Schalke zu spielen, soll Rudy kürzlich sogar gesagt haben. Das wäre eine königsblaue Horror-Vorstellung, die die Kaderplanung enorm erschweren und erhebliche Unruhe provozieren würde, die Schalke absolut nicht gebrauchen kann.

Rudy scheint das egal zu sein. Sein Marktwert ist übrigens auf drei Millionen Euro abgestürzt. 2018 war er noch bei 15 Millionen Euro. Aber auch dieser Absturz braucht ihn nicht zu stören. Seine Kasse stimmt.

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