Gehen wohl bald getrennte Wege: Michael Reschke (l.) und Jochen Schneider. © dpa
Schalke 04

Das Versagen der Schalker Bosse

Der FC Schalke 04 steht offenbar kurz vor einem königsblauen Beben. Es brennt an allen Ecken und Enden beim Tabellenletzten. Das hängt mit dem Versagen der Bosse zusammen.

Die Lage hat sich so dramatisch entwickelt, dass ein Aufsichtsratsmitglied im Gespräch mit dieser Zeitung sagte: „Es geht die nackte Angst um“. Mittlerweile schätzt auch das Kontrollgremium der Königsblauen die sportliche Situation so prekär ein, dass der Klassenerhalt in dieser Saison schon als Erfolg bewertet wird. So weit ist es mit einem Verein gekommen, der 2019 noch in der Champions League spielte. Wie konnte das passieren? Die Bosse haben versagt.

Sportvorstand Jochen Schneider: Sein größter Fehler war das Festhalten an Trainer David Wagner. So konnte sich nach einer desaströsen Rückrunde nicht der Hauch von Aufbruchstimmung in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit entwickeln.

In den drei Transferperioden, die Schneider mit zu verantworten hat, wurden so viele Fehleinschätzungen getroffen, die Schalkes Absturz eminent beschleunigten. Der Hinweis auf einen engeren Finanzrahmen kann keine Entschuldigung sein. Andere Vereine wirtschaften mit erheblich geringerem Budget wesentlich erfolgreicher.

Ausgliederungspläne spalten den Verein

Marketingvorstand Alexander Jobst: Ob gewollt oder ungewollt, mit dem ständigen Schwadronieren über eine veränderte Rechtsform des Vereins hat Jobst große Teile der Fans so gegen sich aufgebracht, dass der Fußball teilweise in den Hintergrund geraten ist. Das Thema Ausgliederung polarisiert und spaltet die Mitglieder. Dieses Klima ist Gift für einen Verein, der ums sportliche Überleben kämpfen muss.

Kaderplaner Michael Reschke: Was soll man über ihn sagen? Wer es nicht einmal fertig bringt, bei einem verlängerten Transferfenster einen Rechtsverteidiger zu verpflichten, muss sich fragen lassen, was er eigentlich beruflich macht. Dass auf den letzten Drücker wenigstens der junge Kilian Ludewig ausgeliehen werden konnte, war einzig und allein nach Informationen dieser Zeitung der Initiative von Trainer Manuel Baum zu verdanken. Wäre Baum nicht gewesen, stünde kein etatmäßiger Rechtsverteidiger im Schalker Kader. Mit einer vorausschauenden Planung hat das rein gar nichts zu tun.

Reschke vor dem Aus?

Deshalb verwundert es nicht, dass Reschke nach Sport1-Informationen vor dem Aus stehen soll.

Manuel Baum: Der Nachfolger von David Wagner hat noch nicht bewiesen, dass er Schalke in die Spur bringen kann. Ein seriöses Urteil ist nach sechs Spielen unter seiner Regie natürlich noch nicht möglich. Aber Baum muss jetzt unbedingt sein Profil auch gegenüber der eigenen Mannschaft schärfen. Der von Sky berichtete Kabinenzoff mit einigen Spielern entspricht nach Informationen dieser Zeitung den Tatsachen. Baum bleibt wohl keine Wahl, er muss hart durchgreifen und nur noch auf die Spieler setzen, die hundertprozentigen Einsatz für Schalke 04 bringen.

Die Führungsspieler: Welche Führungsspieler könnte man ketzerisch fragen? Hat Schalke überhaupt noch welche? Die historische Negativserie von 24 Bundesligapartien ohne Sieg lässt eher den Schluss zu, dass die Mannschaft sich viel zu oft in ihr Schicksal ergeben hat. Wer sich sportlich so abschlachten lässt wie zum Beispiel beim 0:8 in München, der muss sich Fragen nach seiner Berufsauffassung gefallen lassen.

Den Trainingszoff zwischen Naldo und Vedad Ibisevic sollte man dagegen nicht überbewerten, das gibt es auch bei anderen Bundesligisten, aber er passt in die desaströse Außendarstellung des Vereins, die seit Monaten anhält. Anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und gemeinsam in eine Richtung zu gehen, gibt es in diesem Club zu viele Egomanen, die nur ihr eigenes Süppchen kochen. Zum Leidwesen der Schalker Fans, die dem Ganzen nur noch in einer Mischung aus Entsetzen und Resignation zuschauen.

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