Auf die Schalker Abwehr war in Berlin Verlass. © dpa
Schalke 04

Bedrückte Stimmung in der Schalker Kabine

Null-Nummer bei Union Berlin bringt Königsblau im Abstiegskampf

Alle Schalker Spieler wussten es, aber der herben Enttäuschung, die sich nach dem 0:0 bei Union Berlin in ihren Gesichtern widerspiegelte, ließen sie danach in ihren Aussagen keinen freien Lauf. Ralf Fährmann und Co. griffen zum bewährten Mittel der Durchhalteparolen. Was bleibt ihnen in dieser Lage auch anderes übrig?

Schalke hatte zwar erstmals seit fast einem Jahr auswärts kein Gegentor kassiert, aber die Punkteteilung konnte nicht als Signal des Schlusslichts für die dringend notwendige Aufholjagd am Tabellenende bewertet werden. Das gab nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Spielverlauf nicht her, weil Union Berlin die besseren Chancen in einer größtenteils zerfahrenen Partie hatte.

Struktur mit Bentaleb

„Wir brauchen natürlich Punkte. Einer ist einer, aber in Zukunft brauchen wir das ganze Paket. Die Stimmung in der Kabine war bedrückt“, bilanzierte Schalke-Trainer Christian Gross, der nun auch schon wieder sechs Bundesligaspiele in Folge unter seiner Regie auf einen Sieg wartet.

Die Entscheidung von Gross, dem mehrfach suspendierten Nabil Bentaleb zum Comeback in die Startelf zu verhelfen, brachte zwar in der ersten Halbzeit eine bessere Spielstruktur in das Schalker Mittelfeld. Doch Bentaleb taugt nicht zum kurzfristigen Hoffnungsträger, weil ihm die konditionelle Basis und der Spielrhythmus fehlen, sodass er nach 64 Minuten ausgewechselt wurde.

Es fehlt die Torgefahr

Danach begann die Phase, in der die Königsblauen mehr und mehr ihre spielerische Linie verloren. Entlastung für die größtenteils stabile Abwehr gab es kaum noch. „Wir müssen mehr Torgefahr entwickeln“, forderte Schlussmann Fährmann. Doch wie soll das kurzfristig gehen, wenn Stürmer wie Mark Uth und Klaas-Jan Huntelaar auf unbestimmte Zeit ausfallen?

Von fünf Schüssen der Schalker ging gerade mal einer auf das Tor der „Eisernen“. Damit baute Schalke den negativen Vereinsrekord auf 21 Bundesliga-Auswärtsspiele in Serie ohne Sieg aus. Davon gingen 13 verloren. Noch schlimmer sind die nur neun Punkte nach 21 Spieltagen. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/1996 war in dieser Phase keine Bundesliga-Mannschaft so schlecht wie Schalke.

Schneider im Mittelpunkt

Doch nicht nur auf dem Platz fehlt seit Monaten eine Initialzündung, die eine Trendwende einleiten könnte. Die seit Wochen geführte Diskussion um eine Ablösung des glücklosen und bei vielen Entscheidungen falsch liegenden Sportvorstands Jochen Schneider verzögern die dringend notwendigen Weichenstellungen für die Zukunft.

Nicht nur wegen der Fan-Demo am Freitag, die gegen Schneider gerichtet war, scheinen die Tage des Sportvorstands längst gezählt. Schneider mochte sich am Sonntag auf Anfrage dieser Zeitung nicht äußern. Dass ihm die Kritik nahe geht, ist mehr als eine Vermutung. Der 50-Jährige duckte sich jedoch nicht weg, sondern hatte am Freitag sein Büro verlassen und das Gespräch mit den Fans gesucht.

Jetzt kommt das Derby

Solche Unruhe bleibt auch den Fußballern nicht verborgen. Fährmann: „Wir Spieler stecken da genauso drin. Deswegen ist das für uns alle eine schwierige, bittere und harte Situation, aber es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken oder Trübsal zu blasen.“

Das kann sich die Schalker Mannschaft am Samstag ohnehin nicht leisten. Dann kommt der BVB zum Derby, der auch nicht gerade einen stabilen Eindruck macht. Das kann Schalke in seiner schwierigen Lage nur recht sein. Wenigstens etwas Hoffnung in diesen trüben Zeiten.

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