Huub Stevens (hier ein Foto aus dem Jahr 2001): Ein Trainer, der perfekt zum FC Schalke 04 passte - und nach wie vor passt. © dpa
Schalke 04

23 Schalker Cheftrainer: Eine ganz persönliche Top-Ten-Liste

Norbert Neubaum berichtet seit 1987 über den FC Schalke 04. Christian Gross ist der 23. Cheftrainer (ohne Interimslösungen), den er auf Schalke erlebt. Eine ganz persönliche Top-Ten-Liste:

1. Huub Stevens: Vom Gesamtpaket her aus meiner Sicht der bislang beste Schalke-Trainer in meiner beruflichen Laufbahn. Weil er Schalke wie kein anderer verstanden hat, weil er perfekt zu diesem Klub passt, weil seine sportliche Bilanz mit dem UEFA-Cup-Sieg 1997 und zwei DFB-Pokalsiegen sowie der Vize-Meisterschaft 2001 und der Rettungs-Mission 2019 hervorragend ist und weil vor allem seine erste Amtszeit zwischen 1996 und 2002 die Blaupause dafür war, wie ein Manager (Rudi Assauer) und ein Trainer zusammen arbeiten sollten, auch wenn es mal Widerstände – die gab es in mageren Bundesliga-Jahren auch gegen Stevens durchaus – gibt.

Und natürlich auch, weil der „Knurrer von Kerkrade“ im Laufe der Zeit dann auch im Umgang mit Journalisten ein wenig entspannter wurde. Nicht immer, aber immer öfter… Die klare Nummer eins. Auch weil er als Trainer wesentlich mehr zu bieten hat als das ihm oft unterstellte Credo „Die Null muss stehen“.

2. Ralf Rangnick: Kam im September 2004 als „Rolf“ – so nannte ihn Rudi Assauer bei Rangnicks Präsentation beharrlich – und verabschiedete sich mit einer noch heute legendären Ehrenrunde. Allerdings schon vor dem Spiel gegen Mainz im Dezember 2005. Dazwischen lagen aufregende Monate, in denen Rangnick zum Teil begeisternden Fußball spielen ließ, mit Schalke Vizemeister wurde und ins Pokalfinale kam. Monate, in denen er durch seine Umtriebigkeit auf vielen Ebenen allerdings auch schon klarmachte, dass er den Trainer-Job anders interpretiert, als eine Mannschaft „nur“ auf die Spiele vorzubereiten.

Bester Punkte-Schnitt

„Der würde am liebsten noch den Mannschaftsbus fahren“, spottete Rudi Assauer. Weil Rangnick die Kombination aus erfolgreichem und „schönem“ Fußball gelang, weil er mit einem Punkteschnitt von 2,0 noch immer der beste Schalker Trainer seit der ersten Stevens-Ära ist und weil er mit seiner Begeisterungsfähigkeit auch Journalisten „anstecken“ konnte, landet er auf Platz zwei.

3. Jörg Berger: Er übernahm Schalke im Oktober 1993 im tiefen Tabellenkeller, schaffte mit den Königsblauen den Klassenerhalt und dann nach 18 Jahren Europapokal-Abstinenz sogar die Rückkehr auf die europäische Bühne. Fast genau drei Jahre lang war Berger auf Schalke tätig, in dieser Zeit legte der Verein den Grundstein für seine weitere Entwicklung, die ihn ab den 2000-er Jahren zu einem regelmäßigen Teilnehmer in der Champions League machten.

Berger hat daran seinen großen Anteil. Am Schluss stimmte die Chemie mit der Mannschaft nicht mehr, Bergers Entlassung schlug hohe Wellen. Im Spiel eins nach Berger musste die Mannschaft die Katakomben des Parkstadions unter Polizeischutz verlassen, weil draußen wütende Fans warteten. Seinen Erfolg, Schalke zunächst gerettet und dann auch noch fit für Europa gemacht zu haben, konnte Berger niemand mehr nehmen: Platz drei.

4. Peter Neururer: Kaum taucht sein Name (und das tut er regelmäßig) als möglicher Schalker Retter auf, kriegen viele S04-Fans Schnappatmung. Neururer polarisiert. Die einen halten ihn für genau den Richtigen, die anderen für völlig untragbar. Unstrittig ist, dass Peter Neururer Schalke vor dem bislang schlimmsten Absturz der Vereinsgeschichte bewahrt hat. Denn die Königsblauen standen im April 1989 kurz vor dem Abstieg. Allerdings nicht aus Liga eins, sondern aus der Zweiten Liga. Es drohte der Absturz ins Amateurlager.

Vor Amateur-Absturz bewahrt

Beim Gelsenkirchener Klub SC Hassel, der damals in der Oberliga (zu dieser Zeit die höchste Amateurklasse) spielte, dachte man schon über ein Sicherheitskonzept für das Schalker Gastspiel auf der Sportanlage Lüttinghof nach. Aber Neururer kriegte mit Schalke noch die Kurve und schaffte den Klassenerhalt. Daher – und auch, weil es mit ihm danach niemals langweilig wurde und es oft genug auch was zum Lachen gab – belegt er in dieser Liste Platz vier.

5. Jupp Heynckes: Als er im Juni 2003 kam, wurde er auf Schalke gefeiert wie der Messias. Als er im September 2004 schon wieder gehen musste, verabschiedete Manager Rudi Assauer ihn mit dem Urteil, Heynckes sei „ein Trainer der alten Schule“. Tatsächlich war die Erfolgsbilanz von „Don Jupp“ auf Schalke überschaubar. Trotzdem: Es gehört zu den Vorzügen des Berufs des Sportjournalisten, mit Menschen wie Jupp Heynckes zusammenarbeiten zu dürfen. Heynckes ließ sich auf Schalke trotz der vielen Kritik im menschlichen Umgang nichts zuschulden kommen, umgangssprachlich könnte man von einem „feinen Kerl“ sprechen, dem man auch die späteren großen Erfolge (auch wenn er sie mit den Bayern erreichte) gönnte.

Heynckes und der Flachpass

Heynckes bestach durch seinen respektvollen Umgang, der in dieser Branche nicht immer selbstverständlich ist. Zwar ließ er in Fußball-Fachgesprächen verlässlich durchblicken, dass er derjenige ist, der mehr Ahnung hat (was ja wahrscheinlich auch stimmt), auf dem Trainingsplatz beeindruckte er allerdings auch durch seine Basis-Arbeit. Die Profis trieb er mit Anekdoten aus „meiner Zeit bei Real Madrid“ und dem ständigen Üben des scheinbar einfachen Flachpasses zur Verzweiflung. Weil er auch ähnlich akribisch beim Überprüfen der Inhalte der Mini-Bars der Spieler in den Hotels bei Auswärtsreisen agiert haben soll, wuchs der Widerstand. Heynckes und Schalke – irgendwie hat es nicht gepasst. Vom „Don Jupp“ zum „Don Flop“. Aber nicht auf dieser Liste: Platz fünf!

6. Diethelm (Didi) Ferner: Hatte sein ganz großes Spiel mit Schalke (das 6:6 im DFB-Pokal gegen die Bayern 1984) schon hinter sich, als er 1988 zum zweiten Mal in Gelsenkirchen anheuerte. Schalke war unter Horst Franz gerade abgestiegen, Ferner sollte den Umschwung mit dem Ziel Wiederaufstieg einleiten. Als damals noch junger Journalist war man für einen Trainer wie Didi Ferner dankbar, auch wenn er einen mit seinen Zigarillos manchmal einnebelte… Menschlich nahbar, jederzeit gesprächsbereit, völlig unkompliziert im Umgang, bodenständig. Seine Beurlaubung im April 1989, als Schalke dem Abstieg entgegentrudelte, war wohl notwendig, tat einem aber irgendwie auch persönlich leid.

7. Felix Magath: Keinen Stein auf dem anderen sollte er lassen – so lautete der Auftrag von Clemens Tönnies an Magath, der 2009 als Meistermacher aus Wolfsburg nach Schalke kam, wo es nach der Trennung von Andreas Müller und Fred Rutten weder einen Manager noch einen Cheftrainer gab. Magath nahm den Auftrag etwas zu wörtlich, wollte alles umkrempeln und prallte schließlich im März 2011 am offenbar noch robusteren Tönnies ab, der Magath beurlaubte. Mit ein Grund war die – höflich formuliert – unübersichtliche Transferpolitik von Felix Magath. „Für Auswärtsspiele braucht die Mannschaft bald einen Knick-Bus“, hatte Tönnies gelästert.

Fakt ist: In der ersten Magath-Saison wurde Schalke Vize-Meister, dann ging es in der Bundesliga zwar abwärts, aber Magath führte die Blau-Weißen immerhin noch ins Pokalfinale, das Schalke (dann schon trainiert von Ralf Rangnick) gegen den damaligen Zweitligisten MSV Duisburg gewann. Das war 2011 – bis heute ist es Schalkes letzter Titelgewinn. Magath wird wohl für immer eine der umstrittensten Figuren auf Schalke bleiben. Unstrittig ist, dass er sich aber etwas traute. Dass ein Raul einmal auf Schalke spielen würde, und sei es im Spätherbst seiner großen Karriere, war eine der besten Ideen, die Magath in seiner Funktion als Manager hatte. Daher Ranglisten-Platz sieben!

Ein unvergessener Satz

8. Aleksandar Ristic: Schalkes letzter Aufstiegstrainer. Übernahm im Januar 1991, ein halbes Jahr später war Schalke wieder erstklassig – die Diskussion, ob das nicht auch Vorgänger Peter Neururer zu Ende hätte bringen können, wird für immer spekulativ bleiben. Ristic war sicherlich einer der speziellsten Trainer-Typen, die auf Schalke tätig waren. Seine Launen schwankten zwischen mal lustig, mal frech, mal autoritär, mal total freundlich. Ristic war einer der ersten Trainer, die misstrauisch dreinschauten, wenn ein Spieler einem Journalisten spontan ein Interview gab. Damit war er eine Art „Pionier“ der heute üblichen Vereins-Hoheit über öffentliche Äußerungen ihrer Angestellten.

Vielleicht – kurzer Ausflug in die Hobby-Psychologie – hatte Ristic aber auch einen Schutzschirm um sich gebaut aus Verunsicherung, weil er als Nachfolger des bei den Fans beliebten Neururer einen schweren Stand in der Schalker Öffentlichkeit hatte. Unvergessen aus persönlicher Sicht ein Satz von Ristic, der bis heute Bestand hat und den Unterschied beider Berufsgruppen deutlich aufzeigt: „Kannst du als Journalist immer hinterher schlauer sein. Muss ich als Trainer vorher schlauer sein!“ Eine solche – völlig ironiefrei gemeint – Lebensweisheit katapultiert Aleksandar Ristic auf Platz acht.

9. Domenico Tedesco: Was hätte das für eine Erfolgsgeschichte werden können. Da der junge Trainer, da der ehrgeizige Manager, der bei Mainz 05 aus wenig viel gemacht hatte. Domenico Tedesco und Christian Heidel – das roch zunächst nach einer fast schon märchenhaften Verbindung wie Huub Stevens und Rudi Assauer. Und mit der völlig überraschenden Vize-Meisterschaft 2018 ging ja auch alles ganz gut los, vielleicht zu gut. Denn dann kam der Bruch.

4:4 nach 0:4 – Listenplatz garantiert

Weil Platz zwei mit einem eher defensiven Stil erarbeitet wurde, sollte nun offenbar „schöner Fußball“ her, was auch immer damit gemeint sein sollte. Aber es passte nicht mehr. Tedesco verlor den Faden und Schalke verhaspelte sich zwischen der erfolgreichen Realität der Vorsaison und dem neuen nicht erfüllbaren Anspruchsdenken. Heidel trat zurück, Tedesco konnte Schalkes Absturz nicht mehr aufhalten. Nach einer happigen Heimniederlage gegen Düsseldorf war das Publikum erbost. Heidel war weg, Nachfolger Schneider saß mit Clemens Tönnies auf der Tribüne und sah zu, wie sich Tedesco tapfer den wütenden Fans stellte. Gehen musste der beliebte Trainer kurz danach dann trotzdem. Comeback auf Schalke aber irgendwie und irgendwann nicht ausgeschlossen.

Und wer mit Schalke in Dortmund als Trainer aus einem 0:4 in der Halbzeit noch ein 4:4 macht, gehört ohnehin in jede Schalker Top-Ten-Liste. Wegen des schwachen zweiten Jahres und der prominenten Konkurrenz hier allerdings nur auf Platz neun.

Unterschätzt mit Top-Quote

10. Jens Keller: Vielleicht der am meisten unterschätzte Schalker Trainer – was seine Erfolgsbilanz betrifft. Keller trainierte Schalke von Dezember 2012 bis Oktober 2014. In dieser Zeit stand der vom B-Jugend-Trainer der Königsblauen zum Cheftrainer beförderte Jens Keller eigentlich permanent in der Kritik. Dabei schaffte Schalke unter Keller zweimal den Sprung in die Champions League. Eine Top-Quote. Die sichert Keller Rang zehn in dieser Top-Ten-Liste. Denn von der Champions League kann Schalke derzeit nur träumen. Christian Gross, der 23. Cheftrainer seit 1987, hat nur eine Mission: Klassenerhalt.

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