Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis (hier mit Freiburgs Trainer Christian Streich): Er soll Teil der Lösung sein, nicht des Problems. © dpa
Schalke 04/Kommentar

0,5 Punkte pro Spiel: Zweifel an Schalkes Trainer Grammozis wachsen

Den Klassenerhalt hatte wohl niemand von ihm erwartet. Aber ein bisschen mehr hätte es schon sein können. Schalke entwickelt sich nicht weiter. Und dafür ist auch der Trainer verantwortlich.

Die Frage stellte sich direkt bei seinem Amtsantritt: Tut sich Dimitrios Grammozis einen Gefallen damit, im letzten Saisonviertel auf Schalke anzuheuern und damit einen fast sicheren Absteiger zu übernehmen? Stand heute lässt sich diese Frage relativ klar beantworten: Hat er nicht.

Zwar hatte wohl niemand von ihm ernsthaft erwartet, dass er das fast schon untergegangene Schalker Erstliga-Schiff noch einmal auf Kurs Richtung Klassenerhalt bringen würde. Aber ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen. 0,5 Punkte im Schnitt hat Grammozis bislang geholt, das ist in etwas das Niveau seiner Vorgänger Manuel Baum und Christian Gross. Noch schlimmer: Fortschritte sind nicht zu erkennen. Und das liegt natürlich auch im Verantwortungsbereich des Trainers.

Der richtige Mann?

Das 2:4 in Hoffenheim war ein Parade-Beispiel dafür, dass Schalke in dieser Saison nicht dazu in der Lage ist, über 90 Minuten lang konkurrenzfähig zu sein. Gute Phasen gab es zwischendurch immer mal, so auch in Sinsheim, als Schalke 2:0 führte. Danach brachen aber wieder einmal alle Dämme – und auch Grammozis wirkte recht fantasielos bei dem Bemühen, diesen Dammbruch zu verhindern.

Dabei steht gerade er jetzt unter besonderer Beobachtung: Denn die Mannschaft ist in dieser Saison so oft und heftig kritisiert worden, dass – salopp formuliert – dieser Gaul jetzt totgeritten ist. Es geht jetzt nur noch um den Blick nach vorn. Und da stellen sich viele Fans natürlich die Frage: Ist Grammozis für die Mission Wiederaufstieg der richtige Trainer? Viele Argumente, um diese Frage mit einem klaren „Ja“ zu beantworten, konnte der Fußball-Lehrer noch nicht liefern.

An Worten messen lassen

Wobei berücksichtigt werden muss, dass jede Mannschaft, die er seit dem feststehenden Abstieg aufs Rasen-Rechteck schickt, sich deutlich unterscheiden wird von dem Spieler-Material, das er in der Zweiten Liga zur Verfügung hat. Im Prinzip ist es jetzt nur noch ein Schaulaufen eines mehr oder weniger zusammen gewürfelten Aufgebotes – die einen wollen sich für Schalke empfehlen, die anderen für einen neuen Verein. Aber wenn Grammozis vorher ankündigt, er würde nur nach dem Gesichtspunkt aufstellen, welcher Mannschaft er die größten Siegchance einräumt, dann muss er sich auch an diesen Worten messen lassen.

Im Rückblick auf diese fürchterliche Saison werden immer die Namen anderer Verantwortlicher fallen: Jochen Schneider, die diversen Trainer (Huub Stevens mal ausgenommen), der Aufsichtsrat natürlich, wahrscheinlich auch noch Clemens Tönnies, Peter Peters oder sogar Christian Heidel. Dimitrios Grammozis muss nun aufpassen, dass er nicht selbst noch mit dieser Spielzeit in Verbindung gebracht wird. Schließlich soll er ja Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein. Kickt die Mannschaft – wen auch immer er aufstellt – so weiter, wird auch der ohnehin schon sperrige Rucksack, den Grammozis mit in die nächste Saison schleppt, immer schwerer.

Abrücken wäre zu früh

Mitten in einer Trainer-Diskussion steckt Schalke schon jetzt, ob der Verein das nun will oder nicht. Als Peter Knäbel bei „Sky“ zum gefühlt 100. Mal gefragt wurde, ob Schalke denn mit Grammozis in die neue Saison gehen werde, antwortete Schalkes Sportvorstand, dass das „definitiv so geplant sei“. Vor ein paar Tagen hatte Knäbel die gleiche Frage noch mit einem zackigen „Ja“ gekontert. Die daraus nun abgeleitete Spekulation, Knäbel sei von Grammozis abgerückt, geht dann aber wohl doch ein bisschen zu weit. Und es wäre auch ein bisschen früh. So schnell sollten die Trainer-Uhren dann nicht mal auf Schalke ticken. Oder ablaufen.

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