Borussia Dortmund

Zum Ende der Auswärtstorregel: Vier unvergessene BVB-Spiele

Die UEFA schafft die Auswärtstorregel ab. In der Vergangenheit hat der BVB davon profitiert, sie brachte ihn aber auch in die Bredouille. Die letzte Erinnerung ist jedenfalls keine gute.
Im Achtelfinale des UEFa-Pokals brauchte der BVB 1994 zwei Tore in der Verlängerung, um gegen Deportivo La Coruna weiterzukommen. Eins davon machte Karlheinz Riedle. © imago / Werek

Die Regel, die Fußballfans bislang bei internationalen Spielen kannten, war diese: „Auswärtstore zählen doppelt“. Bei Torgleichheit nach zwei Partien sollte bisher möglichst ohne Verlängerung oder Elfmeterschießen ein Sieger ermittelt werden. Nun hat die UEFA die Auswärtstorregel zur neuen Saison abgeschafft.

In den vergangenen Jahren sorgte sie für historische Spielverläufe, für Drama und Tränen auf der einen, für Jubel und Ekstase auf der anderen Seite. Auch den BVB hat sie getroffen – vier Beispiele:

Als der Stern von Lars Ricken im Westfalenstadion aufging

BVB – Deportivo La Coruna (3:1): Bis heute fest verankert im Gedächtnis vieler Borussen ist der 6. Dezember 1994, der Tag an dem der Stern von Lars Ricken endgültig aufging. Im Achtelfinal-Hinspiel des UEFA-Cups hatte der BVB mit 0:1 bei Deportivo La Coruna verloren, die Spanier waren damals einer der aufstrebendsten Klubs in ganz Europa. Im Rückspiel in Dortmund rettete sich die Borussia unter Trainer Ottmar Hitzfeld durch einen Treffer des heutigen Sportdirektors Michael Zorc in die Verlängerung. Diese ging dem Ende der ersten Hälfte entgegen, als Alfredo Santaelena für Madrid ausglich.

Die Auswärtstorregel setzte die Borussia mächtig unter Druck. Gut 20 Minuten waren noch zu absolvieren und zwei Tore mussten her, um doch die Runde der letzten Acht zu erreichen. Als Karlheinz Riedle in der 116. Minuten zum 2:1 traf, brachen schon fast alle Dämme. Als Lars Ricken drei Minuten später das entscheidende Tor machte, gab es kein Halten mehr. Im Westfalenstadion lagen sich die Menschen in den Armen, es war ein für die Mannschaft und den Verein ganz besonderer Moment.

Gegen Malaga brauchte der BVB plötzlich zwei Tore in zehn Minuten

OSC Lille – BVB (1:1): Deutlich weniger spektakulär verliefen die Begegnungen mit dem OSC Lille. Im gleichen Wettbewerb, allerdings in der Saison 2001/02, trennten beide Team in Dortmund torlos. In Frankreich war es dann der Brasilianer Ewerthon, der den BVB in Führung schoss (68.). Zwar glich Salaheddine Bassir für die Hausherren fast umgehend aus, das 1:1 reichte aber zum Weiterkommen und ebnete den Weg ins Finale von Rotterdam, das mit 2:3 gegen Feyenoord verloren ging.

Ewerthon machte gegen den OSC Lille den einzigen, aber wichtigen BVB-Treffer. © imago © imago

BVB – FC Malaga (3:2): Ein absoluter Klassiker ist bis heute das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League aus dem Jahr 2013. Beim FC Malaga schoss der BVB kein Tor, die Spanier aber auch nicht. Im Rückspiel traf zunächst Joaquin für die Andalusier, vor der Pause glich Robert Lewandowski aus. Als dann Eliseu aus Abseitsposition auf 1:2 stellte (82.), verließen die Ersten bereits das Stadion.

Eine schwarzgelbe Jubeltraube nach dem verrückten Sieg über Malaga im Viertelfinale der Champions League 2013. © imago / Fotostand © imago / Fotostand

Die Borussen brauchten jetzt zwei Tore – in gut zehn Minuten. Aufgrund besagter Auswärtstorregel hätte ein Unentschieden nicht gereicht. Das erschien vielen Fans unmöglich. Was aber folgte, war die verrückteste Nachspielzeit der BVB-Historie. Erst Marco Reus (90.+1.) und dann Felipe Santana (90.+2.), der sich ebenfalls im Abseits befand, sorgten für ein Tollhaus und den Sprung ins Halbfinale. Am Ende der Königsklassen-Saison stand sogar das Finale, das der BVB aber in Wembley 1:2 gegen Bayern München verlor.

Als Klopp den BVB aus der Europa League warf

FC Liverpool – BVB (4:3): Nicht minder einprägsam war das Duell mit dem FC Liverpool 2016 im Viertelfinale der Europa League. Es war das Wiedersehen mit Ex-Coach Jürgen Klopp, dem Liebling der Massen. In Dortmund trennte man sich 1:1. Es war eine zähe Begegnung, die dem Hype und der Erwartung nicht im Ansatz gerecht wurde. Das Rückspiel in Liverpool jedoch war eines für die Geschichtsbücher. Für den BVB – unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel – ging es richtig gut los, denn Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang hatten bereits nach neun Minuten für eine 2:0-Führung gesorgt.

Enttäuschte Borussen nach einer Niederlage gegen Liverpool in letzter Minute. © imago / Fotostand © imago / Fotostand

Bei den Reds keimte wieder etwas Hoffnung auf, als Divock Origi kurz nach dem Seitenwechsel den Anschlusstreffer markierte. Doch als wenig später Marco Reus das 3:1 aus Sicht der Schwarzgelben gelang, schien die Messe gelesen – eigentlich. Denn es wurde aus englischer Sicht noch eine magische Nacht an der Anfield Road, denn nach Toren von Philippe Coutinho (66.) und Mamadou Sakho (78.) blieb genügend Zeit, um die Partie komplett zu drehen.

Liverpool musste gegen den BVB alles auf eine Karte setzen

Das war nötig, denn die Auswärtstorregel zwang Liverpool, alles auf eine Karte zu setzen, bei einem Remis wären die Engländer ausgeschieden, die Borussia hätte im Halbfinale gestanden. Dann landete der wuchtige Kopfball von Dejan Lovren in den ersten Sekunden der Nachspielzeit nach einem Eckball im Tor (90.+1.). Die Tribünen im Stadion bebten – und Dortmund war ausgeschieden.

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