Zwei Freunde, die am Samstag Gegner sind: Edin Terzic (BVB) und Hannes Wolf (Leverkusen). © Klose
Borussia Dortmund

Ziemlich beste BVB-Freunde: Besonderes Duell zwischen Terzic und Wolf

Edin Terzic und Hannes Wolf verbindet eine lange BVB-Freundschaft. Am Samstag treffen die beiden erstmals als Cheftrainer in der Bundesliga aufeinander. Und beide wollen unbedingt gewinnen.

Warum Hannes Wolf seinen Freund Edin Terzic damals zu Borussia Dortmund lotste? „Ich habe Edin im Studium an der Uni in Bochum kennengelernt und erlebt. Ein super Typ, ein Fußball-Fachmann, extrem fleißig. Und eine starke Ansprache vor der Gruppe“, erinnert sich Wolf. Terzic sagte „Ja“ und kam als Assistent Wolfs zu den U19-Junioren des BVB. Mit halber Stelle. In der zweiten Hälfte seiner Arbeitszeit für Schwarzgelb kümmerte sich Terzic ums Scouting. Lang ist es her. Die enge Freundschaft der beiden aber ist geblieben. Sie telefonieren häufig, ihre Familien verbringen viel Zeit miteinander, es geht gemeinsam in den Urlaub.

Und deshalb ist es auch ein ganz besonderes Duell, das da heute Nachmittag (15.30 Uhr, live bei Sky) zum Saisonkehraus in der Fußball-Bundesliga in Dortmund ansteht. Terzics BVB empfängt Wolfs Bayer Leverkusen. Ein Duell enger Freunde. Die Cheftrainer Hannes Wolf (40) und Edin Terzic (38), sie wissen quasi alles voneinander. „Hannes ist ein ganz toller Mensch. Er steht für die Werte, die auch mir wichtig sind“, sagt Edin Terzic. „Edin ist verlässlich, hilfsbereit, witzig. Er ist ein Mensch, den man gerne um sich hat“, sagt Hannes Wolf im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Edin Terzic und Hannes Wolf eint die große Liebe zum Fußball

Gewachsen ist die Freundschaft vor mehr als 15 Jahren an der Ruhr-Universität Bochum. Die beiden stürmten als Kommilitonen nebeneinander im Uni-Team. Wurden zweimal Deutscher Meister. „Das schweißt zusammen“, weiß Terzic, „Hannes war der eiskalte Vollstrecker, ich eher der Arbeiter, die fleißige Biene.“ Bei gegnerischen Ecken habe stets er zur Verteidigung zurück gemusst. Wolf sei vorne geblieben. „Und Hannes sagte nach der sechsten Ecke trotzdem: Jetzt gehst du aber nach hinten“, behauptet Terzic – und lacht.

Beide eint die große Liebe zum Fußball. Sogar in gemeinsamen Urlauben sprachen die beiden über fast nichts anderes. „Hannes hat mir mal fünf Tage lang vorgeschwärmt, welche tollen Spieler er bei der Dortmunder U19 hat, so fokussiert war er schon immer auf seinen Job. Er legt eine unglaubliche Energie hinein“, betont Terzic und gesteht: „Ich war immer ein Fan seiner Arbeitsweise und seiner Teams.“

Wolf über Terzics Zukunftspläne: „Er geht entspannt damit um“

Am Samstag wird das erstmals nicht so sein. Wolf und Terzic – beide wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen. Geschenke soll es keine geben. „Es ist eine Bundesliga-Partie, sportlicher Wettkampf, das wollen wir noch einmal möglichst gut machen“, verspricht Hannes Wolf. Für ihn ist es das letzte Spiel als Bayers Cheftrainer, der frühere Meistermacher der BVB-Junioren geht zurück zum DFB, wird künftig als U19-Bundestrainer fungieren. „Wir haben in Leverkusen unsere Ziele erreicht, es war eine gute Zeit“, bilanziert Wolf, der als Nachfolger Peter Bosz eine am Boden liegende Mannschaft aufweckte und trotz immensen Verletzungspechs letztlich noch in die Europa League führte.

Edin Terzics BVB-Mission mündete ebenfalls im Erfolg: Pokalsieg, Champions-League-Platz. Auch für ihn kommen nun die finalen 90 Minuten auf der Cheftrainer-Bank. Ob er danach unter Coach Marco Rose zurückkehrt in die Assistenten-Rolle in Dortmund oder als erster Mann an anderer Stelle sein Glück sucht, ist nach wie vor offen. „Ich weiß aus vielen Gesprächen mit ihm, dass Edin wirklich total entspannt mit der Situation umgeht“, sagt Wolf. „Er ist erst 38 Jahre alt, hat noch viel Zeit.“ Und er habe quasi die ganze Trainerkarriere noch vor sich.

Terzic und Wolf wollen das Spiel in Dortmund einfach nur genießen

„Als Hannes Trainer in Leverkusen wurde und uns klar war, dass wir am 34. Spieltag gegeneinander antreten müssen, da haben wir uns geschworen: Wir geben vorher alles, damit es in diesem Spiel nicht mehr um den ultimativen Druck geht“, erinnert sich Terzic. Es gelang. Der BVB und Bayer haben ihre Ziele vor einer Woche erreicht.

Und so wollen die beiden Freunde dieses Spiel am Samstag einfach nur genießen. Jeden einzelnen Moment. „Ich freue mich total auf den Anpfiff“, sagt Hannes Wolf. „Ich freue mich, wenn ich ihn schlagen kann“, sagt Edin Terzic und lacht. Noch schöner wäre es zwar, wenn die Familien der beiden Freunde diesen besonderen Tag im Stadion mit ihnen teilen könnten. Aber dieser Wunsch bleibt aufgrund der Corona-Einschränkungen unerfüllt. Genau wie zwei andere Erfahrungen, die Terzic als BVB-Coach unbedingt machen wollte, aber eben noch nicht durfte: „Wie fühlt es sich an, wenn das Stadion jubelt? Und wie fühlt es sich an, wenn das Stadion pfeift?“ Vielleicht wird er diese vermissten Gefühle später einmal in Dortmund nachholen können.

Edin Terzic fühlt sich noch nicht wie eine BVB-Legende

Apropos Gefühle. Wie es sich anfühle, in Dortmund binnen weniger Monate Legenden-Status erreicht zu haben – das will Hannes Wolf von seinem Freund noch wissen. Schließlich habe dieser, einst selbst als BVB-Fan im Stadion, den Fans nun einen Titel beschert. Edin Terzic lächelt. „Legendenstatus?“, fragt er, „den fühle ich nicht.“ Es gebe „nur einen, der gerade in Dortmund das Wort Legende verdient: Piszu!“ Lukasz Piszczek (35) wird am Samstag nach elf Jahren im BVB-Trikot und herausragenden Leistungen verabschiedet.

Nach dem Abpfiff am Samstagabend wird vieles anders sein. Nicht nur für Piszczek. Auch für Wolf und Terzic. Ihre enge Freundschaft aber, sie wird bleiben. Und die Erinnerung daran, was durch diese einst in Gang kam. „Hannes hatte eine super Idee damals, mich zum BVB dazuzuholen“, sagt Edin Terzic schmunzelnd. Widerspruch dürfte es im schwarzgelben Lager nicht geben.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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