Nach gegnerischen Ecken ist der BVB chronisch anfällig - wie hier gegen Hoffenheim. © imago / Team 2
Borussia Dortmund

Von der Balance zum Pressing: Kurskorrektur der BVB-Defensive dauert an

Sechs Gegentore - so viele Treffer kassierte der BVB seit der Saison 2007/08 nicht an den ersten drei Spieltagen. Wie bekommt Trainer Marco Rose Borussia Dortmund dicht?

Auf diese Antwort kam Thomas Meunier sofort. „Wir bekommen zu viele Gegentore“, fiel dem BVB-Verteidiger ein, als er aufzählen wollte, was seine Mannschaft verbessern könne. Oder besser: verbessern müsse. „Wir kennen das aus der letzten Saison. Das abzustellen, benötigt Zeit.“ Fehlendes Personal wegen Verletzungen und EM-Nachwirkungen, dazu eine neue Spielphilosophie – dass es ruckeln würde zu Saisonbeginn, überrasche beim BVB niemanden. „Wir wussten, dass der August kompliziert wird“, sagte Michael Zorc. Soll heißen: Im September muss es besser werden.

Das gesamte BVB-Gebilde weist noch zu viele Lücken auf

Sollte sich Rose vor Saisonbeginn Gedanken gemacht haben über seine ideale Abwehrformation, waren seine bisherigen Besetzungen weit davon entfernt. Mats Hummels und Emre Can konnten kein Spiel von Beginn an bestreiten, zumindest Can fällt noch wochenlang aus (Muskelfaserriss). Abwehrchef Hummels hofft auch ein Comeback nächsten Samstag (15.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen. Als angestammter Mittelfeldspieler musste Axel Witsel in die Viererkette rücken. Dort machte er seine Sache zwar ordentlich. Stabil und ausbalanciert wirkten jedoch weder die Abwehrreihe noch die Mannschaftsteile davor. Das gesamte schwarzgelbe Gebilde allerdings weist noch zu viele Lücken auf.

Wahr ist: In der Entstehung der Gegentore zeigen sich altbekannte Muster. Noch ist auch der „neue BVB“ konteranfällig, er kassierte so den zweiten Treffer in Freiburg und bot der TSG Hoffenheim mehrmals große Räume für Gegenstöße. Bei zwei Gegentoren nach Ecken machte sich das Fehlen von Hummels als Herrn der Lüfte bemerkbar, was andere Mitspieler jedoch nicht aus der Verantwortung entlässt, ihre Gegenspieler zu decken. Gegen Frankfurt und die TSG fiel je ein Tor nach einer Ecke, die per Kopf verlängert wurde, diese Varianten haben alle Gegner der Borussia auf dem Zettel, weil die Schwarzgelben dabei chronisch anfällig sind.

BVB-Trainer Rose: „Daran können und wollen wir noch arbeiten“

Der Spielidee von Trainer Marco Rose folgend, sollen die Gelegenheiten für die Gegner viel früher unterbunden werden. Nicht aus einer tiefen, akademisch strukturierten Grundordnung heraus, sondern mit aggressivem Pressing. „Mit Ball das Spiel zu kontrollieren ist das eine“, sagte Rose. „Aber auch gegen den Ball das Geschehen im Griff zu haben, das ist eine Sache, an der wir noch arbeiten können und wollen.“

Rose fordert, dass bereits die Positionierung im Ballbesitz die Möglichkeiten für ein schnelles Umschalten auf aktives Verteidigen ausgelegt sein soll. Er verwies nach dem Hoffenheim-Spiel auf „Positionen, wo es gefährlich war bei Ballverlust“. Ihm geht es um eine Vororientierung, sprich darum, auch bei Ballbesitz im Hinterkopf zu haben, wie man schnell auf Verteidigen umschalten könne.

Rose hat durch Pongracic mehr Optionen in der BVB-Defensive

Bis nach Jahren mit Sicherheit und Balance als Maßgabe (Lucien Favre: „Geduld“) die taktischen Vorgaben für ein flüssiges Spiel mit und ohne Ball in Fleisch und Blut übergehen, braucht es Zeit. Favre wollte jede Grundsituation für sich bis zur Perfektion einüben. Bei Rose gehören die Übergangsphasen zwischen Abwehr und Angriff, Ballbesitz und Spiel gegen den Ball, elementar dazu. Die klare Marschroute für den Sicherheitsdienst lautet: Immer aktiv sein, pressen. Das Gegenteil dessen, was vor einem Jahr als Credo galt. Die Kurskorrektur dauert. „Wir arbeiten sehr viel im taktischen Bereich“, erklärte Meunier. Sein Landsmann Witsel meint: „Wir sind auf einem guten Weg, werden Woche für Woche besser.“ Neuzugang Marin Pongracic wird ihn vor weiteren Aushilfsjobs in der Abwehrkette bewahren.

Weil es wenig gemeinsame Rasenzeit gibt (Rose: „Wir haben einen Tag zusammen bis zum Leverkusen-Spiel, danach geht es schon nach Istanbul“), helfen Taktikschulungen in der Theorie und beim Videostudium. Bis Dortmund dicht ist. „Nach der Länderspielpause“, blickt Zorc voraus, „ist jeder Einzelne und auch die Mannschaft ein großes Stück weiter.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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