Muss erneut improvisieren: BVB-Trainer Marco Rose. © Inderlied / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

Verletzte, Corona und die Unsicherheit: Für den BVB kommt es knüppeldick

Zahlreiche Verletzte, eine zerstückelte Vorbereitung und jetzt auch noch zwei Corona-Fälle. Für den BVB kommt es wenige Tage vor dem Saisonstart knüppeldick. Marco Rose muss erneut improvisieren.

Die Vorfreude war riesig, die Enttäuschung ebenso. Knapp 300 Fans hatten Tickets ergattert für das erste öffentliche Training des BVB seit dem 25. Februar 2020, also seit fast eineinhalb Jahren, das am Dienstagabend in Brackel stattfinden sollte. Dafür hatten die Anhänger bisweilen weite Wege auf sich genommen. Doch als die Mannschaft auch um 16.50 Uhr – 35 Minuten nach dem geplanten Beginn – noch auf sich warten ließ, machte die schlechte Kunde die Runde: Nach Thomas Meunier, dessen Befunde bereits am Dienstagmittag bekannt wurde, ist auch bei Julian Brandt der obligatorische Corona-Test positiv ausgefallen. Beide befinden sich in häuslicher Isolation.

BVB-Stadionsprecher Dickel überbringt die schlechte Nachricht

Kurzerhand musste der BVB die Übungseinheit vor Publikum absagen. „Da kann man nichts machen, das ist höhere Gewalt. Traurig ist es schon, aber zumindest haben wir mal das Trainingsgelände aus nächster Nähe gesehen“, sagte Thomas Mali. Er hatte sich gemeinsam mit Susanne Weidig mittags aus Mönchengladbach auf den Weg nach Dortmund gemacht, um erstmals ein Training live mitzuerleben.

Vorab hatten sich die beiden auf der kleinen Sitzplatztribüne im Jugendstadion noch die Wartezeit versüßt und für Stimmung gesorgt, indem sie auf dem Handy „You’ll never walk alone“ abgespielt und kräftig mitgesungen hatten. Die ausgelassene Stimmung war wenig später verflogen. Die BVB-Fans zogen nach einer kurzen Ansprache von Norbert Dickel am späten Nachmittag bedröppelt von dannen. „Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür, dass wir die Veranstaltung so nicht durchführen können. Es tut uns wirklich leid“, richtete Dickel seine Worte an die Menge. Der BVB-Stadionsprecher versprach allen, dass der Verein sich zeitnah bei ihnen melden werde, um sie abermals für ein öffentliches Training einzuladen.

Die BVB-Profis trainieren unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Trainiert wurde dennoch bei den Schwarzgelben, aber nach Genehmigung des Gesundheitsamtes eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem eigentlichen Haupttrainingsplatz. Cheftrainer Marco Rose setzte angesichts der Ereignisse auf eine kurze und kontaktarme Einheit. „Thomas Meunier hatte vor dem Trainingslager in der Schweiz zwei Tests und vor dem Abflug aus Bad Ragaz einen weiteren Test absolviert. Alle Tests fielen negativ aus. Nach den freien Tagen fiel der Test vor dem Einstieg in die Trainingswoche nun positiv aus. Thomas Meunier befindet sich seither in Isolation“, hatte der Verein am Dienstagmittag bekanntgegeben. Dasselbe gilt nun auch für (den aktuell symptomlosen) Julian Brandt. Wie lange die zwei BVB-Profis nun in der Isolation bleiben müssen, ist offen.

BVB-Torjäger Erling Haaland verlässt am Dienstagabend das Trainingsgelände in Brackel. © Groeger © Groeger

Glück im Unglück: Da die Testungen individuell durchgeführt wurden, hatten weder Meunier (Testung am Montag) noch Brandt (Testtung am Dienstag) in den vergangenen Tagen Kontakt zu ihren Mannschaftskollegen. Deshalb haben die Corona-Fälle aktuell keine direkten Auswirkungen, der Trainingsbetrieb bei den Schwarzgelben kann fortgesetzt werden. Und auch das für Samstag geplante DFB-Pokalspiel beim SV Wehen Wiesbaden steht nach aktuellem Stand nicht auf der Kippe. Der BVB steht diesbezüglich in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt der Stadt, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Stunden zuvor war die Erstrunden-Partie des FC Bayern München beim Bremer SV wegen zwei positiven Corona-Fällen bei den Norddeutschen abgesagt worden.

BVB mit massiven Personalproblemen in der Defensive

Dieses Szenario wünscht sich in Dortmund niemand. Vier Tage vor dem ersten Pflichtspiel der neuen Saison verschärft sich bei der Borussia allerdings die ohnehin angespannte Personalsituation nochmals deutlich. Insbesondere die Defensive weist große Lücken auf: Raphael Guerreiro und Emre Can klagen über muskuläre Probleme. Mats Hummels zwickt seit Monaten die Patellasehne. Marius Wolf ist mit einer Sprunggelenksverletzung ebenso außer Gefecht gesetzt wie Nnamdi Collins, der sich im Testspiel in Duisburg am Knie verletzt hatte.

Hinzu kommen die langzeitverletzten Dan-Axel Zagadou, Soumaila Coulibaly und Mateu Morey, die sich nach ihren Knie-Operationen allesamt noch in der Reha befinden. Einzig dem Fehlen von Reinier lässt sich derzeit etwas Positives abgewinnen. Der 19-Jährige ebnete der brasilianischen Olympia-Auswahl am Dienstag mit seinem Tor zum 4:1-Sieg im Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Mexiko den Weg ins Endspiel bei den Olympischen Spielen. Dort geht es am Samstag (13.30 Uhr) in Tokio gegen Spanien.

Die Corona-Fälle Nummer fünf und sechs beim BVB

Vor dem Spiel am Samstag dürften Spieler und Staff des BVB nun in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt täglich getestet werden. Nach Manuel Akanji, Emre Can, Reinier und Axel Witsel sind Thomas Meunier und Julian Brandt die Spieler Nummer fünf und sechs, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Während Akanji, Can und Reinier nahezu symptomfrei blieben und einen leichten Krankheitsverlauf hatten, klagte Witsel über Fieber und starke Müdigkeit.

Die Defensive dürfte sich nach den neuerlichen Ausfällen gegen Wehen Wiesbaden von selbst aufstellen. Als Linksverteidiger kommt Nico Schulz in Frage, als Rechtsverteidiger dürfte Felix Passlack gesetzt sein. In der Innenverteidigung dürfte Manuel Akanji das Mandat erhalten, auch wenn er sich erst seit wenigen Tagen wieder im Training befindet. An seiner Seite spielen dann entweder Antonios Papadopoulos oder Lennard Maloney. Die beiden Innenverteidiger aus der U23 haben im Trainingslager in der Schweiz und besonders im Testspiel gegen den FC Bologna (3:0) einen guten Eindruck hinterlassen.

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