Thomas Delaney muss über seine Zukunft beim BVB entscheiden. © imago / Simon
Borussia Dortmund

Verlängern oder wechseln: Thomas Delaney muss seine BVB-Zukunft klären

Thomas Delaney hat mit Dänemark eine überzeugende EM gespielt. Nach seinem Urlaub muss der 29-Jährige seine sportliche Zukunft mit dem BVB klären. Der Däne liebäugelt mit der Premier League.

Während der EM hat Thomas Delaney einen hohen Schutzwall um sich herum errichtet. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt und der richtige Ort, um über seine Zukunft zu reden, hat er gesagt. Den drängelnden Fragen der dänischen Journalisten ist er geschickt ausgewichen. Delaney ist immer freundlich und kommunikativ, aber zu diesem Thema? Nein, da wolle er nichts sagen.

Delaney Vertrag beim BVB läuft 2022 aus

Der Wissensdurst um seine Zukunftsplanungen ist auch in Dortmund groß. Delaney ist einer der Spieler, deren Verträge 2022 auslaufen. Noch ist keine Verlängerung in Sicht, was automatisch die Spekulationen aufkommen ließen, dass sich seine Zeit beim BVB dem Ende zuneigen könnte.

Dazu gibt es auch nach dem Ende der EM aus dem Delaney-Lager keinen Kommentar. Es gibt aber mehrere Faktoren, die diesen Schluss tatsächlich nahelegen. Baldiges Vertragsende, im September wird der Däne 30 Jahre alt, was auch bedeutet, dass er nicht mehr viele Chancen bekommen wird, etwas Neues zu beginnen. Dazu der große Jugendwunsch, der nach wie vor lebt: einmal in England spielen.

Den Wechsel zum BVB hat Delaney nie bereut

Vor drei Jahren war das schon einmal ein Thema, als sich Werder Bremen damit auseinandersetzen musste, dass eine der Schlüsselfiguren der Mannschaft einen Wechsel favorisierte. Schon damals gab Delaney frank und frei zu, dass es ihn nach England ziehen würde, dann aber meldete sich Borussia Dortmund. Noch vor der WM in Russland, die eine Bühne für ihn hätte werden können, griff Delaney zu und unterschrieb für vier Jahre.

Den Schritt hat er nie bereut. Auch wenn bislang zu seiner durchaus ansehnlichen Trophäensammlung (Delaney ist fünf Mal dänischer Meister und vier Mal Pokalsieger geworden) nur der Gewinn des DFB-Pokals im Mai gekommen ist, kann er auf eine erfolgreiche Zeit in Dortmund blicken. Regelmäßig in der Champions League zu spielen, hat sein Standing auch in der Nationalmannschaft noch weiter gestärkt. Dort wie beim BVB schätzen alle den 29-Jährigen, weil er seine große Stärke relativ zuverlässig einbringt: Thomas Delaney ist nicht der Mann fürs Filigrane, aber er ist derjenige, der diesen Spielern den Rücken frei hält.

Delaney hat die Erwartungen des BVB bislang immer erfüllt

Schon bei seiner Verpflichtung sagte Sportdirektor Michael Zorc: „Er wird unser Spiel mit seiner körperlichen Präsenz bereichern.“ Delaney erfüllte diese Erwartungen, wenn er auch nicht immer gesetzt war und sich vor Beginn einer Transferperiode regelmäßig der Diskussion ausgesetzt sah, dass Dortmund ja Ausschau nach Verstärkungen für seine Position suchen würde und seine Perspektive damit schlechter werden würde.

Mit seiner lockeren Art und dem dänischen Humor hat er sämtliche Gerüchte weggelächelt – und am Ende meistens gespielt. 38 Pflichtspiele waren im ersten Jahr, 14 nur im zweiten, was an zwei langwierigen Verletzungen lag, 34 Pflichtspiele in der abgelaufenen Spielzeit. Seinen Stellenwert hat er immer nachgewiesen.

Delaney hat seine Leaderqualitäten bei der EM unter Beweis gestellt

Anders als vor drei Jahren, als dem Vernehmen nach das Interesse aus England sich auf ein Angebot von Brighton&Hove Albion beschränkte, dürfte Thomas Delaney in diesem Sommer deutlich mehr Begehrlichkeiten wecken. Mit einer Ablöse im Rücken, die unterhalb der 20 Millionen Euro liegen dürfte, die der BVB seinerzeit bezahlte, und noch auf dem Zenit seines Leistungsvermögens ist die Perspektive ohnehin gut.

Bei der EM hat er zudem seine Leaderqualitäten unter Beweis gestellt. Delaney war es, der nach dem Zusammenbruch von Christian Eriksen die Mitspieler um den bewusstlosen Mannschaftskameraden zusammenrief, um einen Schutzwall vor den Kameras der Fotografen zu bilden. Er war derjenige, der mit seiner emotionalen Art die Mannschaft nach dem Schock wachrüttelte und die „Jetzt-erst-Recht-Mentalität“ im Team weckte.

Bellingham ist für Delaney zum großen Konkurrenten beim BVB geworden

Noch ist es sehr still auf dem Transfermarkt, gerade was die Aktionen der englischen Klubs betrifft. Traditionell nimmt das Karussell dort erst Mitte Juli Fahrt auf, für Spieler vom Kaliber Delaney dürfte es angesichts knapper Kassen durchaus einen Markt geben auf der Insel. Und anders als vor drei Jahren hat sich Thomas Delaney entschieden, über seine Zukunft erst nach der EM zu entscheiden.

Von Sportdirektor Zorc ist daher nur zu erfahren, dass der Spieler gerade im Urlaub weile, was wohl heißen soll, dass es hinter den Kulissen noch ruhig ist. Borussia Dortmund hat im vergangenen Jahr Jude Bellingham verpflichtet, der sich erstaunlich schnell als echter Konkurrent etablierte und dem die Zukunft in Dortmund gehört. Das Gedränge um die Plätze ist gerade im Zentrum vor der Abwehr groß beim BVB, der Klub wird alsbald auf eine Entscheidung in der Personalie drängen – Verträge auslaufen zu lassen bei Spielern, die eine namhafte Ablöse bringen könnten, ist angesichts der weiter bestehenden Ungewissheit über den weiteren Fortgang der Corona-Pandemie ausgeschlossen.

Wechselgerüchte zum VfL Wolfsburg sind nur heiße Luft

Delaney wird sich also erklären müssen. Verlängern oder wechseln, andere Alternativen gibt es wohl nicht. Am Wochenende aufgekommene Spekulationen über eine Anfrage des VfL Wolfsburg sind nach Informationen der Ruhr Nachrichten nur heiße Luft. Auch in Dänemark rechnet man mit starkem Interesse an Thomas Delaney aus der Premier League.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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