BVB-Coach Edin Terzic redet auf die Mannschaft ein. © imago / firo
Borussia Dortmund

Trainer-Impuls bleibt aus: Der BVB und das lange Warten auf die Wende

Als Lucien Favre entlassen wurde, rangierte der BVB auf Platz fünf. Jetzt ist Dortmund Sechster. Der erhoffte Impuls ist ausgeblieben. Gelingt Edin Terzic trotzdem noch die Wende?

Edin Terzics Innenleben in diesem Moment zu deuten, fiel schwer. Vielleicht irgendwo zwischen Wut und Leere? Ein bisschen was von beidem? Was der BVB-Trainer sagte, ließ durchaus tiefer blicken, und eigentlich muss da zumindest ein wenig Wut gewesen sein.

BVB-Trainer Edin Terzic: „Wir sind auch sauer“

„Wir sind sehr enttäuscht. Und wir sind auch sauer auf das, was heute hier passiert ist“, sagte Terzic. Es helfe nicht weiter, darauf zu schauen, wie die Konkurrenz spiele, meinte der 38-Jährige. „Es geht darum, auf uns zu gucken, in den Spiegel zu gucken, um das schleunigst wieder abzustellen. Es bringt nichts, darüber zu philosophieren, was hätte sein können, sondern es geht darum, den Blick nach vorne zu richten, weiterzumachen, positiv zu bleiben und den Extra-Meter zu machen – und zwar von Beginn und nicht erst, wenn man in Rückstand liegt. Das ist der einzige Weg, wie man wieder um drei Punkte kämpfen kann.“

Wie er seine Worte sprach, ruhig, sachlich und nüchtern, sprach eher für eine Menge Leere (oder gute Selbstbeherrschung) so kurz nach dem Spiel.

Ein Spiel, das Borussia Dortmund mal wieder verloren hatte. Das 1:2 (0:0) beim SC Freiburg bedeutete am 20. Spieltag bereits die achte Niederlage des BVB in dieser Saison. Vier dieser Niederlagen kassierten die Schwarzgelben an den ersten elf Spieltagen unter Trainer Lucien Favre, die anderen vier unter Terzic in den vergangenen neun Partien. In den neun Bundesliga-Spielen seit dem Trainerwechsel sammelte Borussia Dortmund lediglich 13 von 27 möglichen Punkten, aus den jüngsten fünf Spielen sogar nur 4 von 15 erreichbaren Zählern.

Die nackten Zahlen sprechen ein vernichtendes Urteil. Der erhoffte Impuls, den sich die Dortmunder Verantwortlichen von Favres Entlassung am 12. Dezember erhofft haben, ist ausgeblieben. Nach dem 11. Spieltag belegte der BVB in der Tabelle Rang fünf, nach dem 20. Spieltag Rang sechs. Es ist aktuell nicht die eigene Stärke, die Borussia Dortmund im Kampf um die Champions-League-Plätze noch im Rennen hält, es ist vielmehr die Schwäche der anderen.

BVB-Verantwortliche geben Terzic Rückendeckung

Von den Verantwortlichen gab es am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten trotz der fehlenden Erfolgserlebnisse Rückendeckung für Terzic. „Es gibt keinen Vorwurf an Edin Terzic“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Man sei weiter überzeugt, mit Terzic die Qualifikation für die Königsklasse zu schaffen, meinte Zorc. Die Spieler stünden in der Pflicht, endlich Punkte und Ergebnisse zu liefern. „Die Leistung muss die Mannschaft bringen. Edin hat heute sehr deutliche Worte gefunden, die Spieler direkt angesprochen und sie in die Pflicht genommen. Ich hoffe, dass allen die Augen aufgehen. Ich erwarte allen voran von den etablierten Spielern deutlich mehr Leistung.“

Und Sebastian Kehl, der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, sagte: „Wir sehen jeden Tag, wie Edin Terzic sowohl in fachlicher als auch in emotionaler Hinsicht mit den Spielern arbeitet, wie akribisch er dabei zu Werke geht und wie klar er Problempunkte offen und ehrlich anspricht. Es gibt deshalb von uns überhaupt keine Kritik an seiner Arbeit. Wir trauen ihm absolut zu, dass er mit der Mannschaft die Qualifikation zur Champions League erreicht.“

Borussia Dortmund in der Krise: Die Spieler sind gefordert

Die Spieler sind also gefordert. Und Besserung wird schleunigst vonnöten sein. Denn das erklärte Minimalziel Champions-League-Qualifikation gerät immer mehr in Gefahr. In Freiburg gab der BVB das Spiel kurz nach der Halbzeit innerhalb von drei Minuten aus der Hand. Woo-Yeong Jeong und Jonathan Schmid trafen nach 49 und 52 Minuten jeweils aus der Distanz, bei Schmids Treffer vom Strafraum-Eck patzte BVB-Schlussmann Marwin Hitz (RN-Note: 5,5) schwer. Dem eingewechselten und auffälligsten Dortmunder, dem erst 16-jährigen Youssoufa Moukoko, gelang eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff nur noch der Anschlusstreffer.

Im Dortmunder Lager haderten die Spieler nach dem nächsten Rückschlag in der Liga mehr mit dem Pech als mit sich selbst. Emre Can, der nach fünf Minuten nur die Latte des Freiburger Tores getroffen hatte, sagte: „Wenn wir mal das Glück auf unserer Seite haben, können wir auch so ein Spiel gewinnen.“ Und Mats Hummels klang ähnlich, als er erklärte: „Natürlich müssen wir besser spielen. Trotzdem muss man nicht so tun, als ob unsere Gegner besser gewesen wären. Beide Seiten haben gut gearbeitet“. Der Dortmunder Abwehrchef schloss mit einer Frage: „Wenn die Fernschüsse reingehen – ist das dann Können oder Spielglück?“ Die Frage, die sich indes die BVB-Profis nach dem bisherigen Saisonverlauf gefallen lassen müssen, lautet wohl, ob es wirklich so einfach ist.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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