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Topklubs gründen Super League: BVB bezieht klar Stellung

Kurz vor der Reform der Champions League sorgt die Super League für zahlreiche Diskussionen. BVB-Boss Hans Joachim Watzke bezieht erneut Stellung zu dem Vorhaben.
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke lehnt die Pläne zur Gründung einer Super League ab. © picture alliance/dpa

Update vom 19. April, 11.24 Uhr: Die neu gegründete Super League sorgt für Diskussionen. Der Vorstoß von zwölf europäischen Topklubs wird dabei von den deutschen Verein weiterhin abgelehnt. Am Montagmorgen folgte eine offizielle Stellungnahme des BVB.

Super League: BVB und FC Bayern München positionieren sich klar

„Die Mitglieder des Boards der European Club Association (ECA) haben sich am Sonntagabend zu einer virtuellen Konferenz zusammengeschlossen und bekräftigt, dass der Board-Beschluss vom vergangenen Freitag nach wie vor Gültigkeit hat“, sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und fügte hinzu: „Dieser Beschluss besagt, dass die Klubs die geplante Reform der UEFA Champions League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt.“

Watzke betont obendrein, dass „beide deutsche Klubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten haben“.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke spricht sich klar gegen die Super League aus. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Topklubs gründen Super League: Der BVB spielt nicht mit – die UEFA bedankt sich

Erstmeldung vom 18. April, 21.57 Uhr: Kurz vor dem Beschluss einer tiefgreifenden Reform für die Champions League kommt es erneut zum großen Machtkampf um eine Superliga. Klubs aus Italien, Spanien und England bauten zum wiederholten Male die Drohkulisse einer internationalen Abspaltung auf. In der Nacht zu Montag folgte dann die offizielle Bestätigung. Die Europäische Fußball-Union UEFA und die nationalen Ligen reagierten mit einer scharfen Drohung. Die Vereine würden von allen weiteren Wettbewerben ausgeschlossen, ihre Spieler dürften nicht mehr für Nationalteams auflaufen, teilte die UEFA mit. Dies hatten in der Vergangenheit bereits auch der Weltverband FIFA und die weiteren Kontinentalverbände angekündigt.

Super League mit zahlreichen Topklubs: Der BVB ist nicht dabei

“Zwölf von Europas führenden Fußballvereinen haben sich darauf verständigt, einen neuen Wettbewerb zu etablieren, die Super League“, heißt es in einem von allen zwölf Klubs verbreiteten Schreiben. Dabei handelt es sich um den FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, den FC Arsenal, den FC Chelsea, Real Madrid, Atletico Madrid, den FC Barcelona, Juventus Turin, Inter Mailand und die AC Mailand.

Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München und Borussia Dortmund sind dem Vernehmen nach hingegen nicht an den Plänen beteiligt – wie auch der französische Champion Paris Saint-Germain. „Wir danken den Klubs in anderen Ländern, insbesondere den französischen und deutschen Klubs, die sich geweigert haben, sich dem anzuschließen“, hieß es in einer UEFA-Mitteilung am Sonntagabend.

Super League: BVB-Boss Watzke stellt sich gegen die Pläne

BVB-Klubchef Hans-Joachim Watzke hatte wiederholt betont, eine geschlossene Liga widerspräche jeglichem Wettbewerbsgedanken. Vor einem Monat schloss er im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten eine Teilnahme an einer exklusiven Superliga kategorisch aus. „Ich werde niemals einen Wettbewerb unterstützen, zu dem es keine offenen Zugänge gibt. Eine geschlossene Gesellschaft wie in der amerikanischen NFL, NHL oder NBA, das ist nicht unser Fußball – und das kann es meines Erachtens nach auch nicht sein.“

Damit begründete Watzke auch seine Zustimmung für eine Champions-League-Reform als dem kleineren, wenngleich sehr lukrativen Übel. Die Änderungen, die am Montag (19. April) beschlossen werden sollen, erfordern mehr Spiele, bescheren allerdings auch höhere Einnahmen. Gespielt würde in einer 36 Klubs umfassenden Liga, ehe es in die K.o.-Runde geht. „Der entscheidende Punkt, warum ich für das Schweizer Modell eintrete, ist, dass es in meinen Augen der einzige Weg ist, um eine Super League der internationalen Topklubs zu verhindern“, erklärte Watzke hierzu auf Anfrage. Für ihn sei „immer die Integrität eines Wettbewerbs ein ganz entscheidender Faktor“.

BVB ist nicht dabei: Auch die DFL sperrt sich gegen die Super League

Auch Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, sagte der UEFA am Sonntagabend Unterstützung zu im Kampf gegen die Verfechter einer Superliga. „Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Top-Klubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im gesamten europäischen Fußball zur Folge haben“, äußerte Seifert. „Es wäre insbesondere unverantwortlich, die nationalen Ligen als Basis des europäischen Profifußballs auf die Weise irreparabel zu beschädigen.“

Dem pflichtete DFB-Vize Roland Koch bei: „Genug ist genug. Ich unterstütze zu 100 Prozent die Position der UEFA. Viel zu lange ist dem Treiben einiger weniger europäischer Großklubs zugesehen worden“, schrieb Koch als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees in einer Stellungnahme. Fußball basiere auf offenen sportlichen Wettbewerben. „Wer das nicht anerkennt, wird mit seinen Fans, Spielern und Teams aus allen Stockwerken des Weltfußballhauses ausziehen müssen“, so Koch.

DFB nimmt Stellung zur Super League

Beim DFB hieß es: „Jeder Verein wird sich entscheiden müssen, ob er Teil des solidarisch organisierten Gesamtfußballs bleiben oder ausschließlich egoistische Eigeninteressen außerhalb der UEFA und der nationalen Fußballverbände verfolgen möchte.“

Die englische Premier League warnte am Sonntag ihre Klubs vor dem Beitritt in eine Superliga und verwies auf die Statuten, die genau das verhindern sollen. Die Führungsspitze der italienischen Serie A sollte am Sonntag zu einer Notfallsitzung zusammengekommen sein.

BVB ist nicht dabei: Super League erntet viel Kritik

Scharfe Kritik gab es vom europäischen Fan-Netzwerk Football Supporters Europe (FSE). „Dieser geschlossene Wettbewerb wird der letzte Nagel im Sarg des europäischen Fußballs sein und alles zerstören, was ihn so beliebt und erfolgreich gemacht hat“, heißt es in einer Erklärung am Sonntag. „Diese Pläne sind von Grund auf illegitim, unverantwortlich und gegen jeglichen Wettbewerb. Mehr noch, sie werden ausschließlich aus Gier vorangetrieben.“

Das UEFA-Exekutivkomitee will während seiner Sitzung am Montag die Aufstockung der Königsklasse von 32 auf 36 Teilnehmer und die Einführung eines neuen Modus beschließen. Dieser soll von der Saison 2024/25 an gelten. Zwei der vier neuen Plätze sollen dabei nicht mehr wie bislang üblich aufgrund von Leistungen aus der vorigen Saison vergeben werden. Stattdessen sollen die Platzierungen der Vereine in der UEFA-Fünfjahreswertung ausschlaggebend sein. Dies war ein Wunsch der mächtigen Klub-Vereinigung ECA gewesen, die mit zwei Vertretern in der Exekutive des Kontinentalverbands sitzt.

Super League: Es geht ums Geld

Am Freitag war von einem Konsens zwischen der ECA und der UEFA-Kommission für Clubwettbewerbe (CCC) über die Details berichtet worden. Der Beschluss schien deshalb Formsache. Die Gründung einer Superliga war in den vergangenen Jahren immer dann ins Gespräch gebracht worden, wenn es um die Verteilung der TV-Gelder im Europapokal ging.

Die „Super League“ ist allen Protesten zum Trotz nun aber Realität geworden. Insgesamt sollen 20 Vereine teilnehmen, die 15 Gründerklubs sowie fünf externe Klubs über einen nicht näher definierten Qualifikationsmodus. Die potenziellen Qualifikanten würden „jährlich für die Leistungen der vorangegangenen Saison“ belohnt. Geplant sind Termine unter der Woche, um „das Herz des Vereinsfußballs“ – sprich die nationalen Ligen – nicht zu beeinträchtigen.

Somit ist die Super League wohl als Konkurrenz zur Champions League zu verstehen. „Die Gründerklubs freuen sich darauf, Gespräche mit der UEFA und der FIFA zu führen und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die besten Ergebnisse für die neue Liga und den gesamten Fußball“, heißt es in dem Statement weiter. Das letzte Wort dürfte hier noch nicht gesprochen sein.

Wir haben diesen Text aktualisiert.

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