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Meinung

Terzic stärkt seine BVB-Position – und vollzieht bemerkenswerten Schritt

Frühlingsgefühle bei Borussia Dortmund. Das 3:2 in Sevilla stärkt vor allem die Position des Trainers: Edin Terzic sieht die beste BVB-Leistung seiner Amtszeit - und vollzieht einen bemerkenswerten Schritt.

In der Mitte einer Englischen Woche, die für Borussia Dortmund wie für Edin Terzic im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf eine eminent wichtige Bedeutung hat, bekam der junge Trainer der Borussia nur das bestätigt, was er ohnehin schon wusste – auch aus seiner Zeit als Co-Trainer unter Lucien Favre. Wenn diese Elf einen guten Tag hat, so wie am Mittwochabend in Sevilla, dann kann sie beinahe jede Mannschaft besiegen. Dann kann sie auch auswärts drei Tore schießen bei einem Gegner, der in den sieben Pflichtspielen davor nicht eins kassiert und alle diese Partien gewonnen hat. Und dann ist diese Mannschaft auch in der Lage, ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen.

Diese Pole-Position darf sich der BVB nicht mehr nehmen lassen

Es sei erst Halbzeit, hat Terzic nach diesem Spiel gesagt. Das ist die üblich defensive Herangehensweise eines Trainers, der dafür sorgen will, dass die ausgesprochen gute Ausgangslage bei seiner Mannschaft vor dem Rückspiel in knapp drei Wochen nicht noch zu einem fahrlässigen Leichtsinn führt. Terzic hat diesen Satz aber natürlich auch gesagt, weil er weiß, dass es diesen extremen Leistungsausschlag jederzeit auch in die andere Richtung geben kann. Beispiele hat ihm seine Mannschaft schließlich dafür schon in ausreichender Zahl geliefert. Unterm Strich bleibt es allerdings der Fakt, dass sich der BVB diese Pole-Position nun nicht mehr nehmen lassen darf. Alles andere wäre nur Wasser auf die Mühlen derer, die in dieser Elf die Wankelmütigkeit als hervorstechendstes Charaktermerkmal sehen.

Ein paar wenige Stunden lang kann Borussia Dortmund dieses schöne Gefühl nach einer reifen und guten Leistung nun genießen. Der Frühling in Andalusien hat Frühlingsgefühle beim BVB geweckt, er hat auch eine lange vermisste Stimmung zurückgebracht: Dass diese Saison noch zu einem guten und versöhnlichen Ende geführt werden kann.

Gegen Schalke muss Borussia Dortmund zwingend nachlegen

Terzic hat mit dem Sieg auch seine Position gestärkt. Ob eine nachhaltige Beruhigung der Situation eintreten wird, hängt nun maßgeblich vom Samstag ab. Das Derby auf Schalke war bis zum Abpfiff in Spanien allenfalls im Hinterkopf aller ein Thema, nun wird es voll in den Fokus rücken. In Sevilla gewonnen zu haben, war ein Ausrufezeichen, aber es hat an der angespannten Lage in der Bundesliga erst einmal nichts verändert. Gewinnt Dortmund am Samstag nicht in einem Derby gegen einen Nachbarn, der von einer Horrorbilanz zur nächsten stolpert, der auf allen Ebenen das Bild eines verdienten Absteigers abgibt, dann würde es mit der Hochstimmung am Borsigplatz sofort wieder vorbei sein.

Terzic hat am späten Mittwochsabend, sichtlich erleichtert und froh nach einer der besten Leistungen unter seiner Führung, die Attribute schon genannt, die maßgebend sein müssen für die kommenden Wochen: Intensität, Begeisterung, Teamgeist. Das sei das, was seine Mannschaft nun täglich abrufen müsse, damit die Ziele in erreichbarer Nähe bleiben.

Glaube an Terzics Entwicklungsfähigkeit ist beim BVB ungebrochen

Bemerkenswertes passierte in Sevilla nicht erst mit dem Anpfiff dieses Achtelfinal-Hinspiels. Dass Terzic auch nach Saisonende im Trainerstab der Borussia verbleiben wird, dann erneut als Co-Trainer, verkündete Sportdirektor Michael Zorc vor der Partie nicht ohne Genugtuung. Denn damit war nicht unbedingt zu rechnen. Der Glaube an die Entwicklungsfähigkeit und an das Potenzial des 38-jährigen Terzic ist in Dortmund aber ungebrochen. Das Stahlbad, durch das er gerade geht, wird diesen Prozess eher noch beschleunigen.

Bemerkenswert ist die Personalie auch aus Sicht des neuen Trainers, der ab dem 1. Juli das Kommando haben wird. Dass Marco Rose bereit ist, einen Vorgänger unter sich arbeiten zu lassen, ist durchaus eine pikante Personalie und könnte bei unterschiedlichen Auffassungen auch Konfliktpotenzial bieten – wohl nicht aber in diesem konkreten Fall, denn über die Loyalität dem Cheftrainer gegenüber gibt es in der Dortmunder Führungsetage keine Zweifel. Die hat Terzic gegenüber Favre hinreichend gezeigt.

BVB-Trainer Terzic weiß um die Bedeutung des Revierderbys

Bemerkenswert ist schließlich auch, dass Terzic selbst diesen Schritt zurück gar nicht als solchen zu empfinden scheint. Man könnte meinen, er habe nun Blut geleckt. Es wäre nur zu verständlich, wenn ihm die Rückstufung aus einer hauptverantwortlichen in die Rolle eines Ratgebers für den neuen Chef nicht mehr reichen würde. Und es dürfte Zweit- vielleicht sogar Erstligisten geben, die Edin Terzic liebend gern eine Chance geben würden.

Doch diese Zeit wird ohnehin irgendwann kommen. Dass Terzic die Erfahrung, unter einem ähnlich jungen, aber schon erfahreneren Coach wie Rose noch mehr dazuzulernen, gerne mitnimmt, spricht nur für seinen Charakter. Gedanken daran wird er aber nun zunächst mal weit wegschieben. Schalke wartet, als in der Nähe von Dortmund aufgewachsener Fußball-Fan weiß Terzic um die besondere Bedeutung dieser Partie. In der aktuellen Situation erst recht.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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