Marco Rose (r.) schult die BVB-Profis an der Taktiktafel. © Groeger
Borussia Dortmund

Taktik-Training: BVB-Trainer Marco Rose verfolgt eine klare Spielidee

Der neue BVB-Trainer Marco Rose verfolgt eine klare Spielidee. Im Training geht es zunächst um die Arbeit gegen den Ball. Der 44-Jährige korrigiert seine Spieler permanent.

Erst kurz spielen, dann lange sprechen: Nach jeder Szene übernimmt der Mann mit dem leuchtend grünen Leibchen das Wort. Er gestikuliert, spricht, simuliert. Keine Frage, Marco Rose will keine Zeit ungenutzt verstreichen lassen. Auf dem Rasen im Dortmunder Trainingszentrum macht sich der neue BVB-Trainer mit Nachdruck an die fußballtaktischen Feinheiten. „Prinzipien“ nennt er die gewünschten Abläufe und Automatismen. Zuerst steht die Arbeit gegen den Ball auf dem Lehrplan.

BVB-Profis testen am Donnerstag gegen die U19

Nach der theoretischen Einordnung will der neue Coach am Donnerstagmorgen die Umsetzung sehen und prüfen, was seine Spieler begriffen haben. Rose korrigiert permanent, als die wenigen anwesenden BVB-Profis im Probelauf gegen den hauseigenen Sparringspartner aus der U19 ihre Lektionen erlernen. Er verbessert, gibt Tipps, lobt und kritisiert. Zwischen der taktischen Nachhilfe wird mit vollem Tempo gespielt. „Da sollte auch schon eine gewissen Intensität drinstecken in dieser Einheit“, sagt Rose anschließend.

In drei verschiedenen Grundformationen lässt er vor allem das Anlaufverhalten üben. Hoch pressen, Bälle erobern und dann geradlinigen, schnellen Fußball spielen – so schwebt es dem 44-Jährigen vor. Dazu müssen die richtigen Positionen gefunden und gehalten werden. Rose zeigt Laufwege auf und erklärt, wie die Räume besetzt werden sollen. In der ersten kurzen Trinkpause holt er die gute alte Taktiktafel vom Spielfeldrand in den Spielerkreis. So anschaulich wie möglich will er seine Vorstellungen an den Mann bringen. „Gut so, Jungs“ ruft er, als U19-Aushilfe Göktan Gürpüz nach einem Ballgewinn und schnellem Umschalten den ersten Treffer im Trainingsspielchen erzielt.

Marco Rose will beim BVB an Favre und Terzic anknüpfen

„Jeder Trainer“, meint Rose, „steht natürlich für eine bestimmte Art und Weise von Fußball. Aber die gibt dann punktuell die Mannschaft immer mit vor. Ich habe schon das Gefühl, dass die Mannschaft große Lust darauf hat, sehr aktiven Fußball zu spielen, schnellen Fußball. Fußball, den man gerne schaut. Das versuchen wir uns nun Stück für Stück zu erarbeiten.“

Ziel müsse es sein, in allen Phasen des Spiels sehr gut zu sein. Lucien Favre habe sehr viel Wert auf Ballbesitz gelegt, daran könne er anknüpfen, erklärt Rose. „Edin hat in den sechs Monaten dann das Thema Aktivität gegen den Ball und mehr Intensität draufgepackt.“ Zum Ende der vergangenen Saison sei beim BVB „viel in die Richtung gelaufen, die wir uns auch vorstellen“.

Der BVB muss sein Defensivverhalten deutlich verbessern

In den ersten Tagen, das hat Rose klar formuliert, steht wegen der vielen Gegentore vor allem das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft auf seiner Agenda. Und das beginnt mit dem konzertierten Arbeiten bei gegnerischem Ballbesitz. Marco Reus, Julian Brandt und Steffen Tigges bekommen im Trainingsspiel unterschiedliche Aufgaben, sie sollen den gegnerischen Spielaufbau stören, den Ball auf eine Seite lenken, die Gegenspieler nerven. Nach insgesamt 90 Minuten Training reichen dem Trainer der Umfang und die Eindrücke. Mit Reus hält er noch auf dem Platz ein längeres Zwiegespräch. Zeit verlieren will Marco Rose auf keinen Fall.

Ärgerlich ist da nur der Umstand, dass noch mehr als ein Dutzend Spieler fehlt wegen ihrer Einsätze bei der Europameisterschaft oder verlängertem Urlaub. Rose sieht es in modernem Trainersprech als „Herausforderung“ und als „Chance“. So könne er mit den anwesenden BVB-Profis „sehr stark individuell“ arbeiten. Genug zu tun gibt es wohl.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc hatte die Verpflichtung Roses auch mit dessen Vielseitigkeit begründet: „Marco steht für einen modernen, attackierenden Fußball, der sehr gut zu Borussia Dortmund passt. Was uns gefällt: Er hat eine gute Balance zwischen dem Spiel gegen den Ball – da kommt die alte RB-Schule zum Tragen – und das Spiel durch gute und kreative Lösung im Ballbesitz.“

Zum BVB-Kader gehören aktuell die Torhüter Marwin Hitz, Roman Bürki und Luca Unbehaun sowie Felix Passlack, Nico Schulz, Mahmoud Dahoud, Julian Brandt, Marco Reus, Steffen Tigges, Ansgar Knauff und Nnamdi Collins sowie die Nachwuchs-Spieler Göktan Gürpüz und Albin Thaqi. Youssoufa Moukoko bestreitet in Dortmund ebenso wie Dan-Axel Zagadou und Soumaila Coulibaly ein Aufbauprogramm.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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