Bilden die linke BVB-Seite: Jadon Sancho (r.) und Raphael Guerreiro. © imago / firo

Sancho und Guerreiro: Auf der linken BVB-Seite lauert die Gefahr

Mit dem BVB-Treffer zum 3:2 gegen Leipzig stellen Sancho und Guerreiro ihre fußballerische Klasse unter Beweis. Die neue linke Dortmunder Seite kann im Endspurt den Unterschied ausmachen.

Nur exakt so ließ sich dieses mitreißende Fußballspiel würdig krönen. Mit einem Kunstwerk: Jadon Sancho stoppte an der Strafraumlinie ab, legte den Ball per Hacke in die Füße von Raphael Guerreiro. Der quirlige Portugiese trug die Kugel mit Tempo in den Leipziger Strafraum und legte kurz vor der Grundlinie perfekt zurück in die Mitte, wo der freigelaufene Sancho nur noch einschieben musste. 3:2 für den BVB, ein absolutes Klasse-Tor.

Es war die Entscheidung mit Knalleffekt im Liga-Duell mit RB Leipzig, die der Borussia zweierlei bescherte: Drei immens wichtige Zähler im Kampf um das Champions-League-Ticket und eine hohe Dosis Selbstvertrauen für das nahende Pokalfinale gegen Leipzig. „Jadon hat heute ein super Spiel gemacht“, lobte BVB-Trainer Edin Terzic den jungen Engländer, der sich nach schwachem Saisonstart und überstandener Muskelverletzung im Frühjahr im Endspurt Richtung Bestform bewegt.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: „Zwei begnadete Fußballer“

Das 2:0 und das 3:2 gegen Leipzig waren Sanchos Saisontore sieben und acht. Dazu riss er mit 34 Sprints gegen RB auch die meisten explosiven Läufe ab. Und er biss auf die Zähne, hielt trotz Muskelkrämpfen nach fast elf gelaufenen Kilometern bis zum Schluss durch – und belohnte sich mit der Vollendung des beschriebenen Kunstwerkes in Minute 87.

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Dass Sancho seinen oft beschworenen Turbo nun wieder zünden kann, hat maßgeblich mit seinem Doppelpass-Partner auf der linken BVB-Angriffsseite zu tun. Denn Raphael Guerreiros Spielstil lässt auch Sancho glänzen, bringt diesen oft in gefährliche Abschlusspositionen. Guerreiro bereitete beide Sancho-Treffer gegen Leipzig vor.

Der einfache BVB-Weg zum Tor: Vorlage Guerreiro, Tor Sancho

Dank der herausragenden Balltechnik und Spielintelligenz des Europameisters und Sanchos Dribbel- und Sprintqualität ist „Dortmunds linkes Ding“ generell eine der gefährlichsten Waffen der Bundesliga. „Das sind zwei begnadete Fußballer. Wenn sie so wie gegen Leipzig ihre Spielfreude zeigen und sie auch in der Rückwärtsbewegung und mit ihrer Arbeit gegen den Ball der Mannschaft helfen, dann sind sie extrem wertvoll für uns“, erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

In der Tat. Guerreiros jüngste vier Assists vollendete jeweils Sancho zu Treffern. Seitdem Edin Terzic den zuvor zumeist rechts offensiv eingesetzten Sancho nun fest auf die linke Angriffsseite beorderte, läuft es. Die Bilanz des linken Duos aus neun gemeinsamen Rückrundenpartien: Sechs Siege, ein Remis, zwei Niederlagen. An nicht weniger als zehn Toren war Sancho in dieser Zeit beteiligt (sechs Tore, vier Assists), kam hier auf genauso viele Torbeteiligungen wie in seinen 15 Hinrundenspielen.

Zorc lobt BVB-Dribbler Sancho: „Er ist reifer geworden“

Vor allem mit Unterstützung seines „Hintermannes“ Guerreiro ist Sancho alle 72 Minuten an einem Borussen-Treffer direkt beteiligt. Und Guerreiro hat noch nie so viele Scorerpunkte in einer Saison gesammelt wie aktuell (vier Tore, elf Vorlagen). Er ist zudem aufgrund seiner Ballsicherheit gefragte Anspielstation, und nach Mats Hummels der Borusse mit den meisten Ballkontakten in der Rückrunde.

Nicht nur das: Trotz des Offensivdrangs der portugiesisch-englischen Kombination steht die linke Seite auch defensiv stabil. Der BVB kassierte in den neun Rückrundenspielen mit Guerreiro und Sancho elf Gegentore, davon wurde aber nur eins über den Flügel mit den zwei Edeltechnikern eingeleitet. „Sancho ist reifer geworden, er arbeitet für die Mannschaft“, lobt Michael Zorc. Zum Beweis taugt die Foulstatistik. Nur fünf Fouls sammelte das Duo Guerreiro/Sancho in der Rückrunde – und lässt trotzdem wenig anbrennen. Bei allen Top-Werten gilt es aber, jetzt im Endspurt nicht nachzulassen. Es gilt, das „linke Ding“ durchzuziehen. Jadon Sancho weiß, worum es als Nächstes geht: „Wir haben einen Job zu erledigen. Den Pokal holen.“ Vielleicht dank eines neuen Kunstwerkes?

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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