BVB-Wunschkandidat auf die Sancho-Nachfolge: Donyell Malen. © imago / AFLOSPORT
Borussia Dortmund

Sancho-Deal ist für den BVB „durch“ – doch bei Wunschkandidat Malen hakt es

Die Bestätigung des Wechsels von Jadon Sancho zu Manchester United lässt weiter auf sich warten - für den BVB ist der Deal allerdings „durch“. Dafür hakt es bei Wunschkandidat Donyell Malen.

Formell abgewickelt ist der Deal noch immer nicht, aber Manchester United plant nach der Verpflichtung von Jadon Sancho längst die nächsten Transfers. Klotzen statt kleckern ist das Motto im Stadtteil Carrington. Während die Corona-Pandemie in ganz Europa einen generellen Sparzwang zur Folge hat, laufen die Uhren auf der Insel auch in diesem Bereich offenbar anders. Kieran Trippier (Atletico Madrid), Raphael Varane, Vinicius Jr. (beide Real Madrid), Declan Rice (West Ham), an klangvollen Namen ist der Fantasie keine Grenze gesetzt, offenbar auch den finanziellen Rahmenbedingungen nicht.

BVB-Sportdirektor Zorc: „Alle Dinge geregelt und abgewickelt“

85 Millionen Euro allein an Ablöse wird – wohl gestaffelt in mehreren Tranchen – über den Kanal nach Dortmund fließen, mit Gehalt und Beraterhonorar hat allein der Sancho-Deal bei einem Wochenverdienst von 300.000 Euro für ManU damit ein Gesamtvolumen von 170 Millionen Euro über die fünf Jahre Vertragslaufzeit. Auch eine Woche nach dem Medizincheck des 21-jährigen, der am vergangenen Montag auf dem Vereinsgelände stattfand, ist der Transfer allerdings offiziell immer noch nicht perfekt. Zwischen den Klubs sind die Verhandlungen aber abgeschlossen. „Von unserer Seite aus sind alle Dinge geregelt und abgewickelt“, bestätigt Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag auf Anfrage der Ruhr Nachrichten. „Gedanklich ist der Transfer für mich durch!“

Einen Zusammenhang zwischen der noch nicht offiziell abgewickelten Personalie Sancho und der weiter vakanten Besetzung der Lücke, die Sanchos Wechsel hinterlässt, verneinte Zorc. Das Problem liegt eher woanders. Donyell Malen ist weiter der Wunschkandidat Nummer eins der Borussia, auch wenn Zorc dies natürlich so nicht bestätigt. Nach Informationen der Ruhr Nachrichten sind sich Spieler und der BVB längst einig, kompliziert aber gestalten sich offensichtlich die Verhandlungen mit Malens Klub PSV Eindhoven (auch Ruhr24.de berichtet).

Für Borussia Dortmund „muss es finanziell passen“

In der vergangenen Woche hat die PSV den 22-jährigen vom Trainingsbetrieb freigestellt, „für Verhandlungen mit anderen Klubs“, zitierte das niederländische Fachmagazin „Voetbal International“ den Technischen Direktor John de Jong. Malen, der derzeit mit der Familie auf Ibiza weilt, ist längst nicht mehr Teil der Planungen des holländischen Vizemeisters, der am Mittwoch in der Qualifikation zur Champions League auf Galatasaray Istanbul trifft. Das hatte der deutsche Trainer Roger Schmidt schon zum Start der Saisonvorbereitung deutlich gemacht.

Anders als in England aber muss man in Eindhoven (und in Dortmund) sehr genau auf den Euro schauen. 30 Millionen Euro Ablöse ist die Wunschvorstellung für Malen, die Schmerzgrenze der Borussia liegt nach Informationen der Ruhr Nachrichten deutlich darunter. Auch dazu gibt es vom BVB-Sportdirektor keine genaueren Informationen, wenn man allerdings zwischen den Zeilen liest, lassen Michael Zorcs Worte keinen anderen Interpretationsspielraum: „Es muss eine vernünftige Entscheidung sein“, sagt Zorc zu den Transferbemühungen des BVB, „es muss finanziell passen, ansonsten muss man auch mal Nein sagen.“

Rose muss BVB-Abwehrformation in Rekordzeit zusammenbringen

Im Transferpoker die Ruhe zu bewahren, hat Zorc über die Jahre gelernt. Es fällt allerdings schwerer, wenn die Vorbereitung ohnehin schon kompliziert genug ist. Am Freitag bricht Borussia Dortmund ins Trainingslager auf, erst dann werden ein Großteil der Dortmunder EM-Teilnehmer scheibchenweise wieder ihren Dienst aufnehmen. Der neue BVB-Trainer Marco Rose muss dann in Rekordzeit die Abwehrformation mit dem neuen Torhüter Gregor Kobel zusammenbringen.

Dadurch, dass Sancho nicht mehr Teil des Kaders, sein auserkorener Nachfolger kein reiner Außenbahnspieler ist und Rose offensiv auch taktisch etwas anders spielen lassen will, ändern sich aber auch die Abläufe in der Offensive grundlegend. Es geht darum, Laufwege abzustimmen, das Arbeiten gegen den Ball zu koordinieren, um das richtige Verhalten bei Pressing und Gegenpressing. Ganz zu schweigen davon, dass sich Automatismen im Zusammenspiel bilden müssen.

Für den BVB geht es am Freitag ins Trainingslager nach Bad Ragaz

Dass es Rose sehr recht wäre, wenn der Sancho-Nachfolger am Freitagmittag mit in den Charterflieger zum kleinen Regionalflughafen Altenrhein gut eine Autostunde von Bad Ragaz entfernt steigen würde, kann auch Michael Zorc gut verstehen. „Natürlich“, sagt er, „wäre es gut für den Trainer, wenn wir bis zum Trainingslager etwas umsetzen könnten. Aber die Dinge liegen eben nicht immer allein in unserer Hand.“ Das Transferfenster schließt erst am 1. September. Nicht nur Zorc hofft, dass Rose so lange nicht mehr auf Verstärkung warten muss.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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