Beim BVB nur noch dritte Wahl: Roman Bürki hat seinen einstigen Status als Nummer eins eingebüßt. © picture alliance/dpa/dpa-POOL
Borussia Dortmund

Nur die Nummer drei: BVB erwartet professionelles Verhalten von Bürki

Torhüter Roman Bürki bleibt bei Borussia Dortmund. Trotz seiner Degradierung zur Nummer drei und der bitteren Perspektive Tribüne. Damit ergibt sich eine Situation mit Konfliktpotenzial.

Die Spekulationen keimten flugs wieder auf: Als zum Benefizspiel des BVB in Hagen am Mittwochabend weder Borussias Sportdirektor Michael Zorc noch Torhüter Roman Bürki anreisten, zog plötzlich doch wieder ein möglicher Wechsel des Schweizers durch die Gerüchteküche. Schließlich ist das Transferfenster in Russland und der Türkei noch einige Tage lang geöffnet. Und auch dort gibt es durchaus Klubs mit Champions-League-Ambitionen, die einen guten Torwart gut gebrauchen und bezahlen können.

BVB weiter ohne Angebot für Roman Bürki

Aber: Es gibt weiterhin kein ernsthaftes Angebot für Roman Bürki. Nach Informationen der Ruhr Nachrichten fehlte der 30-Jährige im Benefizspiel-Kader des BVB, weil er sich im Training zuvor leicht verletzt hatte. Zur Vorsicht blieb Bürki zuhause. Und sein sportliches Zuhause bleibt weiter die Borussia, trotz seiner Degradierung von der Nummer eins zur Nummer drei. Keine Frage, Dortmund hat auf der Torhüterposition nun ein Luxusproblem: Gregor Kobel, Marwin Hitz und Roman Bürki. Drei Schweizer, drei starke Keeper, die alle in den meisten Bundesligaklubs einen Stammplatz einnehmen könnten. Beim BVB kann das aber nur einer sein.

Dass dieser Status dem 15-Millionen-Euro teuren Neuzugang Gregor Kobel gehört, ist längst klar, in den ersten Partien der neuen Saison untermauerte dies der 23-Jährige dank starker Leistungen. Als dessen Stellvertreter saß sowohl im Pokal gegen Wiesbaden als auch in der Liga gegen Frankfurt, Freiburg und Hoffenheim Marwin Hitz auf der BVB-Bank.

Tribüne oder Sofa: Verzwickte BVB-Lage für Roman Bürki

Für Roman Bürki blieb nur ein Platz auf der Tribüne oder dem heimischen Sofa. Und diese für ihn missliche Lage wird sich auch mindestens bis zum Ende der Hinrunde, wenn dann das Winter-Transferfenster öffnet, nicht mehr ändern. „Die aktuelle Situation haben wir uns und er sich sicher anders vorgestellt“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, „aber wir haben Gespräche mit ihm geführt und es geht jetzt darum, sich professionell zu verhalten. Genau das macht Roman Bürki gerade.“

Professionelles Verhalten dürfte in diesem Falle bedeuten: Engagiert im Training zu sein und keine schlechte Stimmung in die Kabine zu tragen. „Wir müssen nicht die besten Freunde sein“, hatte Gregor Kobel in einem Interview mit dem Schweizer „Blick“ jüngst gesagt. „Aber wir gehen anständig miteinander um, es sollen Respekt und Menschlichkeit herrschen.“

Kaum Hoffnung für Roman Bürki auf Einsätze beim BVB

Auch, wenn er sich kollegial verhalten sollte: Auf die Chance, nun einen echten Konkurrenz-Dreikampf ums BVB-Tor entfachen zu können, darf Roman Bürki nicht mehr hoffen. Zu klar ist die Entscheidung der BVB-Bosse gegen ihn ausgefallen. Als er aus dem Sommerurlaub zurückkam, war seine Rückennummer 1, die er drei Jahre lang innehatte, schon an Gregor Kobel weitergereicht. Für Bürki gab es die Nummer 38, also jene Nummer, die er zum Start seiner Dortmunder Zeit vor sechs Jahren auch schon getragen hatte. Damals zierte noch Roman Weidenfellers Trikot die 1, das äußere Zeichen für den gesetzten Keeper.

Im Trainingslager Ende Juli bestand noch Hoffnung, dass Roman Bürki noch vor Ende der Transferperiode einen neuen Verein findet. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Schon zum Beginn der Rückrunde der vergangenen Spielzeit waren die Zweifel an Bürki deutlich gewachsen. Der 30-Jährige verlor schließlich seinen Stammplatz an den drei Jahre älteren Marwin Hitz. Als Bürki aber im Endspurt der Saison und im erfolgreichen Pokalfinale in starker Manier den verletzten Hitz vertrat, schien das Rennen wieder neu eröffnet.

Gregor Kobel bedient BVB-Ansprüche für das Torwartspiel

Die Position der Borussia aber brachte das letztlich nicht mehr ins Wanken. Sie holte Kobel an Bord. Für Bürki das klare Signal, den Verein verlassen zu können. Schließlich hatte Marwin Hitz seinen Kontrakt mit dem BVB erst Ende Februar dieses Jahres bis zum Sommer 2023 verlängert.

Und Gregor Kobel steht für ein Torhüterspiel, nach dem sie in Dortmund sehnsüchtig gefahndet haben – und das ihnen Roman Bürki nicht zu geben vermochte: Die fußballerische Entwicklung bei ihm stagnierte. Statt das Spiel mit dem Fuß klug zu eröffnen, gab es zu oft den weiten, unkontrollierten Ball. Und die eine oder andere Unsicherheit in kniffligen Situationen. Dazu intern auch im zwischenmenschlichen Bereich ein paar Misstöne.

Möglicher Bürki-Transfer vom BVB zu Monaco platzt

Der ob seiner Degradierung enttäuschte Bürki erkannte seine Lage. Er gab sich jedoch zuversichtlich, dass die Sommer-Transferphase schon eine gute Lösung für ihn bringen würde. Anfang Juli, zum Trainingsstart der Borussia, legte er voller Tatendrang los. Wenig später öffnete sich die Tür bei AS Monaco einen Spalt. Ein französischer Topklub, eine reizvolle Stadt, alles passte für die gesuchte neue Herausforderung. Doch die Monegassen sagten ab, holten statt Bürki Bayerns plötzlich auf den Leihmarkt gespülte Ersatzkraft Alexander Nübel.

Die Coronakrise, die vielen Klubs finanzielle Fesseln anlegte auf der einen und Bürkis sportliche Ambitionen und lukrativer Vertrag in Dortmund auf der anderen Seite, verbauten andere mögliche Wege. Zu Olympique Marseille etwa oder zum FC Basel. Als das Transferfenster für die Topligen am Dienstagabend ohne weitere Offerte für den Keeper schloss, zerplatzten auch die letzten Hoffnungen Bürkis und des BVB, der jetzigen Konstellation noch entgehen zu können: Ein hochbezahlter und ehrgeiziger Torhüter als Tribünenhocker, egal, wie gut seine Leistungen im Training auch sein mögen – das muss nicht automatisch in einen Konflikt münden. Es birgt aber das Potenzial dafür.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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