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Borussia Dortmund

Nach zwei turbulenten Jahren: Julian Brandt kommt mit Verspätung beim BVB an

Julian Brandt erlebt in seinen ersten zwei BVB-Jahren mehr Tiefen als Höhen. Unter Marco Rose zeigt die Leistungskurve des 25-Jährigen jedoch klar nach oben - das liegt vor allem am Dortmunder Spielstil.

Dass Fußballer eine schwierige Phase ihres Sportlerlebens auch durch eine äußere Veränderung hinter sich lassen wollen, ist keine Seltenheit. Ein neues Tattoo auf Arm, Bein oder Oberkörper, militärischer Kurzhaar-Schnitt statt volle Lockenpracht, alles schon mal vorgekommen. Julian Brandt ist den Weg andersherum gegangen. Mit Tattoos hat er es ohnehin nicht so, aber die letzten Friseur-Termine hat er einfach ausgelassen und bändigt das nun erkennbar deutlich längere Haupthaar öfter mal durch ein Stirnband.

Borussia Dortmund erlebt einen „neuen“ Julian Brandt

Ob die optische Veränderung bewusst den Wunsch dokumentieren sollte, nach einem sportlichen Dürrejahr im BVB-Trikot einen „neuen“ Julian Brandt zu kreieren, ist nun nicht überliefert. Immerhin: Verfolgt man die sozialen Medien, scheint der neue Look den meisten Fans zu gefallen – und auch das, was Julian Brandt sportlich auf dem Platz abliefert, gefällt dem dem BVB zugeneigten Betrachter nun deutlich häufiger.

Nach zweieinhalb Jahren, die Brandt am Montag wohlwollend als „sehr turbulent“ bezeichnete, in denen das enorme Potenzial des Straßenfußballers Brandt leider nicht konstant genug aufblitzte, in denen sich aber zunehmend der Eindruck verfestigte, dass dem 25-Jährigen in Schwarzgelb doch einiges von der Leichtigkeit fehlt, die sein Spiel bei Bayer Leverkusen so besonders machte, geht es nun endlich erkennbar aufwärts. „Ich glaube“, meinte Brandt vor dem Champions-Duell mit Ajax Amsterdam, „dass ich jetzt wieder in einen Fluss komme, wo ich mir mehr Selbstvertrauen hole und Dinge mir auch wieder leichter fallen.“

Der neue BVB-Spielstil kommt Julian Brandt entgegen

Mehr Freude und Sicherheit durch die Aneinanderreihung kleinerer gelungener Aktionen, das ist nur auf dem Papier eine einfach umzusetzende Erfolgsformel. Brandt tat sich lange schwer, er hielt das Risikolevel in seinem Spiel hoch, was selten gut ging. Manchmal wollte er es dann einfach erzwingen. Auch das funktionierte nicht.

Erst unter Marco Rose hat sich die Situation für Julian Brandt maßgeblich verändert. Und der neue Trainer darf sich einen Anteil daran auf die Fahnen schreiben. Roses Vorliebe für einen attackierenden Fußball, die Aufforderung an die Mannschaft, Gegner nach Ballverlusten sofort unter Druck zu setzen, spielt Brandt in die Karten, weil er seine persönlichen Stärken so besonders zur Geltung bringen kann. „Ich habe mich sehr drüber gefreut, dass wir oft Pressing spielen“, meinte er. „Ich hatte mit Roger Schmidt in Leverkusen schließlich Vollpressing.“

Unter Marco Rose darf sich Julian Brandt beim BVB austoben

Mindestens ebenso wichtig dürfte gleichwohl eine andere Komponente sein. Rose hat scheinbar ein gutes Gespür dafür entwickelt, wie er die Spieler im täglichen Miteinander anpacken muss, welche Spieler eher eine direkte und schonungslose Ansprache brauchen, welche eher Zuspruch und viel Rückendeckung. Rose hat Brandt vom ersten Tag der Vorbereitung an auffallend oft und gern gelobt, vielleicht war gerade dieser Zuspruch die Antriebsfeder für den nun zu sehenden Aufschwung, den auch eine Corona-Infektion und eine Zwangspause nach einer Muskelverletzung nicht stoppen konnten.

Julian Brandt (l.) spürt das Vertrauen von BVB-Trainer Marco Rose. © imago / Team 2 © imago / Team 2

Brandt durfte auch Fehler machen. Anders als bei Rose-Vorvorgänger Lucien Favre spülte ihn das nicht gleich wieder auf die Ersatzbank. Anders als unter Favre, der sich generell schwertat mit der Frage, wie man ein BVB-Spiel um die großen Fähigkeiten eines Julian Brandt herumstricken kann, darf sich der gebürtige Bremer unter Rose auf dem Platz austoben und nun als ein wichtiges Puzzlestück in dieser Mannschaft fühlen. Brandt bestätigt dies und lobt den Trainer explizit: „Es ist auch die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird, wie geholfen wird, wie einem aufgezeigt wird, was und wie man es besser machen kann. Alle Spieler bei uns nehmen das sehr gerne an.“

BVB-Mittelfeldspieler Brandt muss sein Defensivverhalten verbessern

Brandt und Thomas Meunier, zwei der größten Sorgenkinder der vergangenen Saison, hat Rose wieder in die Spur gebracht. Luft nach oben, sprich Verbesserungspotenzial, besäße gleichwohl jeder einzelne Spieler im Kader, meinte der Trainer am Montag. Bei Julian Brandt betrifft das vor allem die Defensivarbeit und sein Zweikampfverhalten. „Mir ist klar“, meinte Brandt zum Abschluss der Pressekonferenz, „dass es bei mir noch Dinge gibt, die ich verbessern muss.“ Er nehme die Verbesserungsvorschläge gerne an. „Ich bin da guten Mutes. Das Fundament dafür ist da.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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