BVB-Star Jadon Sancho wird erneut mit einem Wechsel zu Manchester United in Verbindung gebracht. © picture alliance/dpa/AP-Pool
Borussia Dortmund

Manchester United buhlt um BVB-Star Sancho: Gleiches Spiel, gleiche Fehler?

Manchester United versucht Druck in der Personalie Jadon Sancho auszuüben. Das Vorgehen erinnert an das Vorjahr. Daher sollten die Engländer eigentlich wissen, wie der BVB reagieren wird.

5,6 Millionen Follower hat Jadon Sancho bei Instagram, am Donnerstagabend lieferte Borussia Dortmunds stark umworbener Mittelfeldspieler der Anhängerschar frisches Videomaterial, das zum Stauen taugte. Sancho auf dem Trainingsplatz der englischen Nationalmannschaft, er jongliert an der Eckfahne einen Ball und schlägt ihn aus der Luft mit dem Außenrist und einem irren Effet in Richtung Tor. Der Ball fliegt in einer wundersamen Kurve direkt ins leere Tor. Und Sancho grinst triumphierend.

BVB-Profi Jadon Sancho kämpfte sich aus einem Tief heraus

Wenn man selbstbewusst genug ist, gelingen diese Kunststücke. Zweifel an Sanchos Ballfertigkeit hat es allerdings auch in der Phase in der abgelaufenen Saison nicht gegeben, als sein Selbstvertrauen am Boden lag und ihm fast gar nichts leicht von der Hand ging. Doch das ist lange her. Sanchos Rückrunde war oft am oberen Limit, und natürlich setzten schon weit vor Beendigung der Runde die Spekulationen über seine Zukunft wieder ein.

Wie im Vorjahr geht es dabei zumeist um einen Wechsel zu Manchester United. Der Vizemeister aus England favorisiert bei der Suche nach dem fehlenden Puzzleteil für einen Gewinn der Premier-League weiter den 21-jährigen Dortmunder, Sancho favorisiert wie im Vorjahr einen Wechsel ins Old Trafford. Klub und Spieler sollen längst Einigkeit erzielt haben. Die Rede ist von einem Fünfjahresvertrag, der natürlich auch fürstlich ausgestattet ist. Das Gehalt von Sancho soll demnach bei 350.000 englischen Pfund liegen, rund 408.000 Euro. Pro Woche, versteht sich.

BVB-Star Sancho würde gerne zurück in die Heimat

Um Geld soll es Sancho, der ein großes Lob von Trainer-Legende Alex Ferguson bekam, allerdings vorrangig nicht gehen. Er möchte zurück in die Heimat, der Wunsch ist so dringlich wie im vergangenen Jahr. Und die Frage, die sich Borussia Dortmund auch in diesem Sommer gestellt hat, ist die: Wie hoch muss die Transfer-Entschädigung sein, um einen Spieler seiner Qualität ziehen zu lassen?

Nach wie vor gilt, dass Sancho gehen darf, wenn ein Klub die Vorstellungen der Borussia erfüllt. Mit einer gewissen Arroganz ignorierte Manchester United im Vorjahr über Wochen die aufgerufene Ablöseforderung von 120 Mio. Euro, hoffte auf ein Fallen des Preises – und stand ziemlich bedröppelt da, als BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Trainingslager in Bad Ragaz verkündete, die Frist sei nun verstrichen, ein Wechsel sei vom Tisch und Sancho bleibe nun definitiv eine weitere Saison in Dortmund.

BVB soll ein erstes Angebot von ManU für Sancho zurückgewiesen haben

Über seriöse englische Medien (BBC, Guardian) ließ ManU am Donnerstag durchsickern, der BVB habe ein erstes Angebot für Sancho zurückgewiesen. 67 Millionen Pfund soll es betragen haben, rund 78 Millionen Euro und rund 12-17 Mio. entfernt von der Wunschvorstellung der Borussia. Nach Informationen der Ruhr Nachrichten ist diese Offerte allerdings nicht in Dortmund gelandet. BVB-Sportdirektor Zorc wird die Meldung in seinem Urlaubsdomizil in Spanien mitbekommen und sich vielleicht gewundert haben. Denn die Bedingungen eines möglichen Transfers sind auch in diesem Jahr klar kommuniziert. Allenfalls müsste um Details verhandelt werden, der Rahmen aber steht.

Natürlich ist verständlich, dass die finanziell nicht auf Rosen gebetteten Engländer versuchen, jeden Euro zu sparen. Und 15 Monate Corona haben den kompletten Transfermarkt verändert. Aber: Um rund 25 Mio. Euro ist Borussia Dortmund mit dem Preis nach unten gegangen und hat seine Forderungen der Marktlage angepasst. Mehr Rabatt wird es nach Informationen der Ruhr Nachrichten definitiv nicht geben, eher sollen erfolgsabhängige Bonuszahlungen die Ablöse im Laufe der Jahre möglichst noch ansteigen lassen.

BVB-Star Sancho äußert sich zu den Wechselgerüchten

Sancho selbst hat am Donnerstag in einem Interview mit dem englischen Radio-Sender „talkSPORT“ Stellung zu den Gerüchten um seine Person bezogen. Spekulationen seien Teil des Geschäfts, hat Sancho gesagt, er lasse sich davon nicht ablenken und konzentriere sich während einer Saison immer auf die sportlichen Aufgaben.

Dass Sanchos sehr schleppender Saisonstart in der vergangenen Spielzeit auf den geplatzten Wechsel zurück nach England folgte, mag man aber kaum als reinen Zufall ansehen. Insofern ist sein Interesse an einer schnellen Klärung verständlich. Dass es dazu kommt, ist allerdings nicht allzu wahrscheinlich.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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