Erlebte turbulente Tage beim BVB: Neuzugang Soumaila Coulibaly. © Groeger
Borussia Dortmund

Lächeln trotz Verletzung: Soumaila Coulibaly geht die BVB-Aufgabe offensiv an

Mit gerissenem Kreuzband in ein fremdes Fußballland: Für einen 17-Jährigen eine gewaltige Herausforderung. Soumaila Coulibaly geht die Aufgabe beim BVB offensiv an - und lächelnd.

Gerne nimmt Soumaila Coulibaly den Stift entgegen, kein Problem, und kritzelt den lauernden BVB-Fans am Trainingsgelände ein Autogramm auf ihre Trikots. „Hallo“ und ein paar deutsche Wörter mehr beherrscht er auch schon. Die ersten Tage der Eingewöhnung laufen gut, der 17-jährige Franzose ist ein offener, freundlicher Junge. Coulibaly, begleitet von seinem älteren Bruder Mamadou, hat ein Lächeln auf den Lippen in diesen Tagen, das ist nicht selbstverständlich.

Eine extreme Herausforderung für BVB-Neuzugang Coulibaly

Seine gesamte Situation stellt eine absolute Herausforderung dar: Seit eineinhalb Jahren quasi ohne Spielpraxis, Anfang des Jahres der Kreuzbandriss, seit Kurzem in einem anderen Land, bei einem anderen Fußballklub: Für einen Jugendlichen – am 14. Oktober wird er volljährig – sind das viele komplexe Aufgaben auf einmal, die man erst einmal sortieren und bewältigen muss. Coulibaly, das vielversprechende Verteidiger-Talent, das der BVB im Februar verpflichtet hat, geht diese Angelegenheiten offensiv an.

Im Aufbautraining nach der schweren Knieverletzung trifft Coulibaly in diesen Tagen regelmäßig Dan-Axel Zagadou, was nicht nur wegen ihrer gemeinsamen Muttersprache Französisch, ihrer Jugend in Pariser Vororten und ihrer Ausbildung bei PSG eine besondere Zufälligkeit ist, sondern auch wegen ihres Spielerprofils. Zagadou kam als 18-jähriger Innenverteidiger der Zukunft nach Dortmund, um den Durchbruch auf höchstem Niveau bei der Borussia zu schaffen, wo das bereits anderen hoffnungsvollen Youngstern gelungen war. Vier Jahre später wählte Coulibaly denselben Weg. „Ich hatte Angebote von anderen Klubs, aber als ich zum ersten Mal mit den BVB-Verantwortlichen gesprochen habe, wusste ich direkt, dass das der richtige Verein für mich ist.“

BVB-Neuling Coulibaly will sein Comeback im Herbst geben

Bis er zeigen kann, warum der BVB trotz des Kreuzbandrisses bei seinem Ja-Wort geblieben ist, werden noch einige Wochen ins Land ziehen. Kardio-Training auf dem Ergometer steht auf dem Reha-Plan, außerdem Athletikübungen zur Kräftigung und mit dem Fokus auf Beweglichkeit. Das malade Knie ist wieder belastbar, doch überstürzen will es beim bislang reibungslosen Wiederaufbau niemand. Ohnehin stellt sich die Frage, inwiefern Coulibaly die dünn besetzte Dortmunder Innenverteidigung mit den Stammkräften Mats Hummels und Manuel Akanji sowie der Aushilfe Emre Can, dem 17-jährigen Nnamdi Collins und dem dauerverletzten Zagadou bereichern kann. Sein Profidebüt wird erst später in der Saison anstehen, die Wiedereingliederung in den Spielbetrieb dürfte eher über die U23 in der 3. Liga erfolgen.

Unterwegs auf dem BVB-Trainingsgelände: Soumaila Coulibaly und seiner Bruder Mamadou. © Groeger © Groeger

Dort kann sich der Linksfuß dann frühestens im Oktober, so hofft er, als moderner, ballgewandter und passstarker Innenverteidiger präsentieren, als eleganter und trotz der Größe von 1,90 Metern wendiger Manndecker mit gutem Auge und sehr schnellen ersten Schritten. Als Verteidiger versucht er die Zweikämpfe eher mit Geschick und gutem Auge zu gewinnen als mit Gewalt. Anders als sein Vorgänger Leonardo Balerdi dürfte Coulibaly vergleichsweise zügig europäisches Profiniveau erreichen – die Anlagen sind einfach so gut, dass er bei idealem Verlauf an die junge Tradition starker französischer Verteidiger anknüpfen kann, die in der Bundesliga zum Beispiel Dayot Upamecano oder Ibrahima Konate verkörpern.

Coulibaly kann den Neustart beim BVB kaum erwarten

Für den BVB ist der junge Coulibaly auch mit Verletzung ein „no brainer“, also eine Verpflichtung, bei der wenig schiefgehen kann. Kein Risiko, großes Potenzial und viel Wille. Überwindet er all die Hindernisse zum Start, wird das seinem Reifeprozess nicht schaden. „Ich kann es nicht erwarten“, sagt Coulibaly, „bei meinem neuen Klub loszulegen.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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