Bekam gegen Manchester den Vorzug vor Julian Brandt und Thorgan Hazard: BVB-Youngster Ansgar Knauff. © imago
Borussia Dortmund

Knauff-Debüt in Manchester: Eine Ohrfeige für die etablierten BVB-Profis

Im größten internationalen BVB-Spiel seit Jahren vertraut Edin Terzic auf den 19-jährigen Ansgar Knauff. Eine Entscheidung, die für Julian Brandt und Thorgan Hazard einer Ohrfeige gleichkommt.

Wenn vor dem Anpfiff die Champions-League-Hymne erklingt, dann schallen choral „die Besten“ durchs Stadion. Töne, die Fußballern Gänsehaut unterm Trikot aufziehen lassen. Und dann auch noch das: Champions League, Viertelfinale, Borussia Dortmund fordert das Starensemble Manchester Citys heraus. Mehr geht kaum. Also müssen es ohne Zweifel auch „die Besten“ der Borussia richten.

Als der BVB am Dienstagabend seine Aufstellung für das Duell im Etihad Stadium herausgibt, ist klar: Für Cheftrainer Edin Terzic haben Julian Brandt und Thorgan Hazard den Besten-Status verloren. Die beiden erfahrenen Offensivkräfte zählen gegen City nicht zur ersten Elf.

BVB-Trainer Edin Terzic vertraut einem 19-jährigen Startelf-Debütanten

Terzic vertraut stattdessen lieber dem 19-jährigen Startelf-Debütanten Ansgar Knauff und lässt später in Gio Reyna einen 18-Jährigen angreifen. „Der Plan war, Ansgars Schnelligkeit zu nutzen, um so das weit aufrückende City zu kontern. Das hat nicht immer geklappt, aber er hat gute Ansätze gezeigt und seine Aufstellung gerechtfertigt“, erläuterte BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Damit aber nicht genug. Brandt und Hazard blieben letztlich sogar die gesamte Spielzeit über auf der Ersatzbank. Als Zuschauer des couragierten und starken Auftritts ihres Teams. Im größten internationalen Spiel seit Jahren für den BVB nicht eine Sekunde gebraucht zu werden, das dürfte ohne Zweifel einer krachenden Ohrfeige gleichgekommen sein. Gänzlich überraschend traf es das Duo jedoch nicht.

Nichtberücksichtigung von Brandt und Hazard als logische Konsequenz

Die Nichtberücksichtigung war eher die logische Konsequenz für schwache Auftritte, die sich wie ein roter Faden schon durch die gesamte Saison ziehen. Siebenmal durfte Julian Brandt in der Champions League vorspielen. Seine Bilanz: Null Tore, wenig Lichtblicke. Auch die Quote des 24-Jährigen in der Bundesliga taugte nicht als Empfehlungsschreiben für das City-Spiel: Zwei Treffer und eine Vorlage in 25 Einsätzen. Schon im immens wichtigen Duell mit Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag hatte Terzic auf Brandts Dienste gänzlich verzichtet, beim 2:2 gegen Köln wurde er nach extrem schwacher erster Halbzeit ausgewechselt.

Thorgan Hazards jüngstes Erfolgskonto weist eine ähnlich erschreckende Summe auf: Zehn Bundesligaspiele, zwei Scorerpunkte, ein Tor in sechs Champions-League-Partien, jeweils wirkungslos gegen Köln und Frankfurt. Zusammen bringen es die beiden etablierten Profis zwar auf mehr als 400 Liga- und 93 Europapokal- und 68 Länderspiele – um dem BVB zurück in die Triumphspur zu helfen, langt es aber derzeit trotzdem nicht. Zu weit weg sind der deutsche und der belgische Nationalspieler von ihrer Bestform. Kein Wunder also, dass Terzic in Manchester auf Elan statt Erfahrung setzte, auch, wenn Ansgar Knauff gegen City nicht gleich die Sterne vom Himmel spielte. „Ich finde es gut, dass Edin Terzic seine Ideen umsetzt“, betonte Michael Zorc.

BVB-Sportdirektor Zorc: „Es geht nur darum, ob ein Spieler Leistung bringt“

Teure Namen sind also gerade in Dortmunds Lage nicht besonders angesagt. „Es geht nur darum, ob ein Spieler seine Leistung bringt oder nicht. Deshalb hat Ansgar Knauff gespielt“, erklärt Zorc. Und andere eben nicht. Neben Hazard und Brandt wären da noch Nico Schulz und Oldie Lukasz Piszczek zu nennen. Oder Thomas Meunier, der zwar die finalen neun Minuten auf den Platz durfte, jedoch beim Siegtor Citys direkt mit drinhing und seinen unglücklichen Darbietungen im BVB-Trikot so eine weitere hinzufügte.

Nach den Eindrücken in Manchester ist also nicht auszuschließen, dass die Startelf-Profis des Dienstags, die City alles abverlangten, auch gegen den VfB Stuttgart zum Anpfiff am Samstagabend das Vertrauen Terzics bekommen. Michael Zorc: „Mir hat es gefallen, dass wir uns in Bälle geworfen, defensiv konzentriert gearbeitet haben. Und wir haben weniger Fehler gemacht als zuletzt. Das wollen wir immer so sehen wie in Manchester.“ Sie wollen eben ihre Besten sehen.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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