Sebastian Kehl (hinten) folgt auf Michael Zorc als BVB-Sportdirektor. © imago images/Christian Schroedter
Borussia Dortmund

Kehl folgt auf Zorc: Der BVB muss weitere Personal-Entscheidungen treffen

Sebastian Kehl folgt als BVB-Sportdirektor im Sommer 2022 auf Michael Zorc. Weitere Personal-Entscheidungen müssen bei Borussia Dortmund folgen. Eine kommentierende Analyse.

Im Frühjahr 2016, Sebastian Kehl war gerade von einer mehrmonatigen Weltreise zurückgekehrt, die nach seinem Karriereende den Abnabelungsprozess vom Profifußball deutlich beschleunigte, nahm der ehemalige Kapitän der Borussia seine Zukunft in die Hand.

Ex-BVB-Kapitän Kehl legte früh die Grundsteine

Kehl gehörte zu einer internationalen Gruppe ehemaliger Weltklasse-Spieler, die bei der Uefa ein neu ins Leben gerufenes Sportmanagement-Studium aufnahmen. 15 intensive Monate, sehr praxisnah, mit vielen internen Einblicken in die Arbeitsweisen der europäischen Spitzenklubs. Das war einer der Grundbausteine für die spätere Funktionärslaufbahn, die Kehl nun im Sommer des kommenden Jahres bei Borussia Dortmund auf den wichtigsten Posten nahe der Profiabteilung führen wird.

Wie früher auf dem Platz verfolgte der heute 41-Jährige seine beruflichen Ziele mit einer klaren Strategie, großem Ehrgeiz und einer ebenso großen Zielstrebigkeit. 2017 machte er den Abschluss, die Bachelor-Arbeit musste Kehl in englischer Sprache anfertigen, „das war eine echte Herausforderung“, wie er damals erklärte.

Kehl sucht sich beim BVB die großen Fußstapfen

Trainings-Hospizen, erste Trainerscheine folgten, um sich parallel auch andere Türen offen zu halten. 2018 kehrte Kehl dann auf der anderen Schreibtisch-Seite zum BVB zurück. Und wird vier Jahre später dann noch einmal ins eiskalte Wasser springen als Nachfolger von Michael Zorc. Es gäbe viele kleinere Fußstapfen, in die er zunächst treten könnte. Halbe Sachen zu machen, das ist aber nicht Kehls Ding.

„Kompetenz, Charakter und eine hohe Identifikation mit dem Klub“, hat Hans-Joachim Watzke gesagt, als Sebastian Kehl offiziell als „Leiter der Lizenzspielerabteilung“ bei der Borussia seinen Dienst antrat, seien die „drei zentralen Punkte“, die den ehemaligen Mittelfeldspieler als „Idealbesetzung“ prädestinierten.

Der ehrgeizige Kehl folgt auf BVB-Sportdirektor Zorc

Auch wenn seine Arbeit bislang oft eher im Verborgenen stattfand: Kehl war von Beginn an in Diskussionen meinungsstark, brachte neue Strategien und Ideen (und neuen Schwung) in den elitären Kreis der Dortmunder Sportverantwortlichen ein und saugte parallel auf, wie Zorc, einer der profiliertesten Manager der Liga, arbeitete. Sein großer Ehrgeiz schadete Kehls internem Ansehen nicht – eher das Gegenteil war der Fall.

Mit der 2018 eigens für Kehl ins Leben gerufenen Funktion bewies der BVB seinerzeit, dass er bei der Neu-Strukturierung der Arbeitsabläufe rund um die kickenden Fußballer um kreative Lösungen nicht verlegen war. Kehl sollte nahe an die Mannschaft rücken und Sportdirektor Michael Zorc entlasten, dessen über die Jahre gewachsene Aufgabenfülle von einer Person allein kaum mehr zu bewältigen war.

Der BVB muss noch mehr Entscheidungen treffen

Was nun die Frage aufwirft, wer Kehl zur Seite stehen könnte, wenn er 2022 das Erbe Zorcs antreten wird. Die wichtigste Personalie ist geklärt, etliche Folge-Entscheidungen sind noch zu treffen. Auch innerhalb des BVB gibt es Kandidaten, die mit einem Aufrücken in der Hierarchie liebäugeln. Dazu dürfte zuallererst Chefscout Markus Pilawa zählen, der als Nachfolger von Sven Mislintat einen ebenso exzellenten Job macht und intern als erster Zuarbeiter für Zorc hoch geschätzt wird.

Dass Dortmund ein Auge auf den ehemaligen Chefscout Mislintat geworfen hat, führt nun, nachdem klar ist, dass Kehl der neue starke Mann bei der Borussia sein wird, zu der Frage, wie und ob überhaupt Mislintat in ein Konstrukt mit Sportdirektor Sebastian Kehl passen könnte.

Kehl würde beim BVB nicht die zweite Geige spielen

Eine untergeordnete Rolle bei der Borussia im Verantwortungsbereich des 41-jährigen Kehl könnte Watzke Mislintat sicher nicht schmackhaft machen. Dafür hat sich der 48-Jährige nach seinem Abschied von der Borussia in der Branche einen viel zu guten Namen gemacht. Gleiches hätte übrigens auch gegen eine Konstellation unter umgekehrten Vorzeichen gesprochen.

Sucht man weitere Namen aus der Szene, landet man unweigerlich bei ähnlich profilierten Kandidaten. Gladbachs Max Eberl ist kaum zu bekommen, Frankfurts Fredi Bobic vielleicht eher – allen ist gemein, dass sie lange und erfolgreich eigenverantwortlich in ihren Klubs in Führungspositionen arbeiten.

BVB kann auf interne Strukturen zurückgreifen – muss er aber nicht

Vom Tisch sollte aber auch das Thema einer externen Verstärkung dennoch nicht sein. Ein so großer Klub wie Borussia Dortmund braucht auch in Zukunft eine Meinungsvielfalt und starke Kräfte an der Spitze der sportlichen Leitung. Nun erneut ein Konstrukt zu schaffen, das den Ambitionen mehrerer starker Persönlichkeiten gerecht werden könnte, wäre ein nächster Meilenstein bei der Weiterentwicklung des Klubs.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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