Form- und Torflaute: BVB-Dribbler Jadon Sancho. © imago / ULMER Pressebildagentur
Borussia Dortmund

Jadon Sanchos Formflaute wirkt sich auf das gesamte BVB-Gefüge aus

Beim 1:3 in Rom geht Jadon Sancho mit Borussia Dortmund unter. Es ist bislang nicht die Saison des Shooting-Stars. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat eine klare Meinung.

Die Szene, die vielleicht bezeichnend ist für die bisherige Saison von Jadon Sancho, spielte sich im Olimpico de Roma Mitte der zweiten 45 Minuten ab. Einer der wenigen Antritte des 20-Jährigen riss die Abwehrformation der Römer endlich einmal auf, sein Doppelpass mit Erling Haaland brachte den jungen Engländer in eine gute Schussposition. Nicht ganz zentral vor dem Tor, aber immerhin doch erfolgversprechend.

Sancho mit mehreren unauffälligen BVB-Auftritten in Serie

Sancho zögerte mit dem Abschluss, er legte den Ball lieber quer. Der Spieltrieb gewann die Oberhand über den Killer-Instinkt, den Haaland in gleicher Situation wohl gehabt hätte. Sanchos Pass landete Inmitten eines Pulks aus vielbeinigen Abwehrspielern und wenigen Dortmundern, deren verzweifelter Versuch, diesen Ball zu erreichen, kläglich scheiterte.

Sanchos Beitrag zum Dortmunder Auftakt in die Champions League war auch ansonsten bescheiden – seine Leistung reihte sich ein in die Gruppe von zuletzt mehreren unauffälligen Auftritten. Man könnte sie auch uninspiriert nennen, was aber implizieren würde, dass der Engländer nicht will. Momentan scheint es eher so, als könne er nicht besser.

Aktuell ist der BVB über die rechte Seite ungefährlich wie selten zuvor

Nach seinem Traumpass auf Haaland, der den 3:0-Endstand im Bundesliga-Auftaktspiel gegen Gladbach besorgte, war nicht mehr viel zu sehen von Jadon Sancho. Gegen Augsburg, Hoffenheim und Lazio blieb er ohne Torbeteiligung, das komplettiert Borussia Dortmunds Probleme auf der rechten Seite, wo der Engländer und Achraf Hakimi ein Duo bildeten, das die gegnerischen Abwehrreihen oft vor unlösbare Aufgaben stellte. Aktuell ist der BVB über die rechte Seite ungefährlich wie selten zuvor. Thomas Meunier kämpft mit sich, Sancho kämpft irgendwie auch mit sich. Mit gravierenden Folgen für das gesamte Gefüge.


Noch lässt diese Flaute noch nicht die Alarmglocken schrillen. „Vielleicht“, sinnierte Sportdirektor Michael Zorc vor dem Anpfiff der Partie in Rom, „fehlen bei Jadon derzeit noch ein wenig die Automatismen.“ Er sei aber zuversichtlich, dass bei Sancho der Knoten sehr schnell platzen werde.

Die Leichtigkeit fehlt BVB-Dribbler Jadon Sancho

Für das Spiel in der ewigen Stadt blieb das allerdings Wunschdenken. Sancho blieb extrem blass, er stampft momentan eher über den Platz als dass er tänzelt. Die Leichtigkeit, die ihn die unberechenbare Dinge machen ließ, fehlt, auch die Unbekümmertheit, mit der er sonst einem verlorenen gleich den nächsten Dribbelversuch folgen ließ. Vielleicht fehlt ihm auch ein wenig die Spritzigkeit? Es hat aktuell den Eindruck, als habe Jadon Sancho auch in Sachen Fitness Nachholbedarf, nachdem ihn kürzlich eine Erkältung für mehrere Tage außer Gefecht gesetzt hatte.

Einen Zusammenhang mit den im Sommer nicht enden wollenden Gerüchten um einen Transfer zu Manchester United, die auch nach einem offiziellen Veto der Borussia und dem Ablauf der Transfer-Deadline nicht abebbten, sieht momentan noch niemand. Sancho haben die beinahe täglichen Schlagzeilen in der englischen Boulevard-Presse kalt gelassen, er hat sich jedwede Kommentare zu den vielen Spekulationen komplett verweigert, was ihm von seinen Landsleuten aber eher als Indiz für eine weiter bestehende Unzufriedenheit in Dortmund ausgelegt wurde. Dass es die überhaupt gibt, ist reine Spekulation, die sich zumindest nicht durch Aussagen des 20-Jährigen stützen ließe.

Aufkommende Unruhe kann nur Sancho selbst eindämmen

Borussia Dortmund hat die Vorgehensweise im Zusammenhang mit eingehenden Angeboten für Sancho sehr eng mit dem Spieler abgestimmt. Sancho war also darauf vorbereitet, nach dem vom BVB festgelegten letzten Datum für ein konkretes Angebot weiter und für mindestens ein Jahr noch BVB-Spieler zu sein. Er habe, versicherten Dortmunds Sportverantwortliche damals glaubwürdig, damit auch gar kein Problem gehabt.

Und dennoch wird es bei weiter anhaltender Form- und Torflaute bei Jadon Sancho nicht mehr allzu lange dauern, bis die englischen Medien auf diesen Zug aufspringen und erneut die Messer wetzen werden. Schließlich ist das Winter-Transferfenster schon in Sicht. Aufkommende Unruhe kann nur Sancho selbst eindämmen, in dem er irgendwie aus seinem Formtief herausfindet Zorc glaubt fest daran, dass dem Ausnahmefußballer das gelingt: „Jadon Sancho wird die Antwort auf dem Platz geben, das hat er immer so gemacht.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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