Spätestens seit dem Pokalsieg am Donnerstag eine echte BVB-Legende: Lukasz Piszczek. © picture alliance/dpa/Getty-Pool
Borussia Dortmund

„Große Legende“: Wie sich Piszczek mit dem BVB-Pokalsieg ein Denkmal setzt

Lukasz Piszczek weint nach dem Dortmunder Pokalsieg hemmungslos, den Polen übermannen nicht gekannte Gefühle. Von Erling Haaland wird der 35-Jährige als eine „große Legende“ gefeiert.

Ganz zum Schluss stimmte Lukasz Piszczek noch einmal so etwas wie eine „Welle“ an. Als einer der letzten verließ er den Rasen des Olympiastadions, kurz vor dem Treppenabgang in die Katakomben guckte er nach oben, wo einige Mitglieder der BVB-Delegation schon sehnsüchtig auf den Polen warteten. Piszczek riss die Arme nach oben und stimmte ein lang gezogenes „Jaaaaa“ an.

Das BVB-Team trägt Lukasz Piszczek auf Händen nach dem Pokalsieg

So viel Emotionalität ist man von dem ruhigen und zurückhaltenden Piszczek gar nicht gewohnt. Schon nach Erling Haalands Tor zum erlösenden 4:1 hatten ihn die Gefühle übermannt, er sank auf die Knie, die ersten Freudentränen bahnten sich ihren Weg und kullerten über seine Wangen. Kurz nach dem Abpfiff gab es dann kein Halten mehr. Der 35-Jährige weinte hemmungslos in den Armen aller Mitspieler, die auf ihn zustürmten, weil es natürlich gerade für Lukasz Piszczek ein ganz besonderer Moment war. Als sie ihn auf Händen trugen und durch die Luft warfen, gewann die pure Freude endlich wieder die Oberhand.

Und ein so besonderer Moment verlangte natürlich auch nach einer besonderen Aktion. Lukasz Piszczek wagte sich tatsächlich vor die Mikrofone der übertragenden Fernsehsender. Das war eine Szene mit Seltenheitswert, hatte er doch während seiner gesamten Karriere wann immer möglich einen großen Bogen um Interviews gemacht. Nicht aus Arroganz, sondern weil er es einfach nicht braucht für sich, im Rampenlicht zu stehen.

BVB-Legende Piszczek feiert den dritten Pokalsieg: „Nehme ich mit für mein ganzes Leben“

„Ganz speziell“ sei dieser Abend, dieser Pokalsieg, sagte er dann mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Piszczek ist mit Borussia Dortmund zwei Mal Deutscher Meister geworden, er hat nun drei Mal mit dem BVB den DFB-Pokal gewonnen. „Diese Titel waren alle sehr schön, aber diesen Sieg heute Abend nehme ich mit für mein ganzes Leben.“

Mit zwei Dingen, die dann auch noch zusammentrafen, war ja so auch eigentlich nicht zu rechnen. Piszczeks Abschiedssaison verlief lange Zeit sehr unbefriedigend, er war zeitweise nur die Nummer drei auf der rechten Abwehrseite, kämpfte auch noch mit einigen kleineren Blessuren und hatte sich vielleicht auch selbst schon damit abgefunden, dass für ihn in seinem letzten Karriere-Jahr keine Hauptrolle mehr parat liegen würde.

Piszczek gehört nicht erst seit dem Pokalsieg wieder zum BVB-Stammpersonal

Doch seit dem 4:1 gegen Werder Bremen vor knapp einem Monat, als er zur Pause Mateu Morey ersetzte, war Piszczek wieder fester Bestandteil auch an Spieltagen auf dem Rasen. Weil auf einer Schlüsselposition, für die in der langen Saison weder Lucien Favre noch Edin Terzic eine Optimalbesetzung gefunden hatten, Sicherheit garantierte. Piszczek mag nicht mehr so spektakulär und dynamisch spielen wie vor einigen Jahren, aber er macht wenig Fehler (RNBVB-Note: 2,5).

Auch damit, dass Borussia Dortmund nach dieser wechselhaften Saison am Ende den DFB-Pokal in die Höhe recken durfte und vor den letzten beiden Spieltagen die Qualifikation für die Champions League wieder in der eigenen Hand hat, war nicht unbedingt zu rechnen. Für Piszczek aber bedeutet es (hoffentlich) das perfekte Ende einer langen Reise. Und in Berlin einen letzten Titel zu gewinnen, wo er eins seine Bundesliga-Karriere startete, im Trikot des BVB, für den er seit elf Jahren spielt, ist ein Abschluss, wie er ihn sich nicht besser hätte ausmalen können.

BVB-Stürmer Haaland adelt Piszczek: „Eine große Legende“

Den großen Stellenwert des Polen im Team verdeutlichte dann auch das kurze Intermezzo von Erling Haaland mitten im Interview von Piszczek mit dem Bezahlsender „Sky“. Haaland klopfte Piszczek auf die Schulter, umarmte ihn. „Big Legend“, sagte er dabei, Piszczek sei also „eine große Legende“ des BVB.

Das war dem beinahe schon ein wenig peinlich, also schob Lukasz Piszczek den Norweger wieder aus dem Bild und wechselte schnell das Thema. Das Trikot mit der Nummer 29 des verletzten Marcel Schmelzer trug er verkehrtherum, das sei „eine Geste für einen langjährigen Freund“, wie er verriet. Eigentlich, fügte Lukasz Piszczek an, „müsste ich ganz viele Trikots tragen.“ Die aller verletzten Spieler, die zum Teil mit nach Berlin gereist waren. Wie Axel Witsel, Dan-Axel Zagadou oder Youssoufa Moukoko, natürlich auch Mateu Morey, der in Dortmund geblieben war. „Marcel aber“, sagte er, bevor er endlich in die Kabine durfte, „war das ganze Jahr nicht bei uns. Er hat von allen am meisten gelitten.“

Pokalsieg zum Abschied: Die BVB-Karriere von Lukasz Piszczek endet

Nicht nur für dies Geste wurde Piszczek in den sozialen Medien nach der Partie gefeiert. Bei den BVB-Anhängern gehört er zu den beliebtesten Spielern, doch sie werden sich daran gewöhnen müssen, dass es auch seltene Interviews mit Lukasz Piszczek bald nicht mehr geben wird. Sein Entschluss, die Karriere im Sommer zu beenden, ist unumstößlich. Zwei Spiele bleiben noch.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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