Lucien Favre ist einer stiller Gewinner der BVB-Entwicklung. © imago / Xinhua
Meinung

Favre als stiller Gewinner: Ehrliche BVB-Arbeit kommt vor dem Vergnügen

Das BVB-Spiel gegen Brügge steht exemplarisch für die Wandlung einer Mannschaft, die zu oft die Schönheit des Spiels über den Ertrag gestellt hat. Lucien Favre ist ein stiller Gewinner.

Auch Sebastian Kehl musste ein wenig grinsen, als er nach der Partie gegen Brügge über die neue Stabilität seiner Borussia reden sollte und sich daran erinnerte, dass das 1:3 bei Lazio Rom zum Start in diese Champions League-Saison, das vieles gleich wieder in Frage stellte bei Borussia Dortmund, gerade einmal fünf Wochen her ist.

Spiel gegen Brügge steht exemplarisch für die BVB-Entwicklung

Was ist passiert in dieser kurzen Zeitspanne? Der BVB hat nicht nur die Kurve bekommen nach dem denkbar schlechtesten Start in diesem wichtigen Wettbewerb und steht nach dem 3:0 gegen Brügge vor dem ungefährdeten Einzug ins Achtelfinale. Die Mannschaft lässt vor allem erkennen, dass sie nachhaltig gelernt hat aus der Pleite in Italien – und dass sie einen Prozess der Weiterentwicklung hinter sich gebracht hat, der Schwächen behebt, die die Borussia immer wieder einholten in der jüngeren Vergangenheit.

Das Spiel gegen Brügge stand exemplarisch für viele andere in dieser Spielzeit. Borussia Dortmund verlässt sich nicht mehr nur auf die offensive Qualität. Grundehrliche Arbeit kommt vor dem Vergnügen. Für einen nachhaltigen Erfolg und Konstanz in den eigenen Leistungen ist die Abwehrarbeit eine unabdingbare Basis. Stabilität steht an erster Stelle, erst dann geht es um schönen Fußball. Es ist eine erstaunliche Wandlung einer Mannschaft, die zu oft die Schönheit des Spiels über den Ertrag gestellt hat.

BVB-Trainer Lucien Favre ist ein stiller Gewinner dieses Prozesses

Und wer beobachtet hat, wie ein Erling Haaland auch beim Stand von 2:0 einem verlorenen Ball mit einem unwiderstehlichen Spurt zurück bis zum eigenen Strafraum hinterherjagte, dem dürfte ähnlich das Herz aufgegangen sein wie wohl Lucien Favre in dieser Situation.

Borussia Dortmunds Trainer ist ein stiller Gewinner dieses Prozesses. Favre lässt nicht heraus, wie groß die Genugtuung für ihn sein muss, dass sein jahrelanges Credo nun endlich Früchte trägt. Er hat aber nicht nur einer immer offensiv denkenden Mannschaft das gemeinsame Verteidigen schmackhaft gemacht. Er schafft es momentan auch, die immensen Belastungen ohne erkennbaren Qualitätsverlust auf dem Feld zu verteilen und befriedigt durch die vielen Wechsel auch die Eitelkeiten derjenigen, die früher schon mal zu kurz gekommen sind. „Stinkstiefel“ ob zu geringer Einsatzzeiten sind derzeit nicht auszumachen beim BVB. Im Gegenteil: Die Stimmung im Team ist glänzend, die Perspektive auch.

Qualität der BVB-Gegner steigt in den kommenden Wochen

„Wir haben viel vor“, hat Kehl nach dem Spiel erklärt. Allerdings trat er zu Recht auch als Mahner auf. Nach noch nicht einmal einem Drittel der Saison sind Faktoren wie Verletzungen oder Müdigkeit bislang noch kaum zum Tragen gekommen. Themen, die ob der anhaltenden Termindichte aber spätestens im Frühjahr noch eine Rolle spielen könnten. Dazu steigt nun sukzessive die Qualität der Gegner. Vor allem der Januar hat es da in sich mit aufeinander folgenden Auswärtsspielen in Leipzig, Leverkusen und Mönchengladbach.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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