Emre Can, Thomas Delaney, Jude Bellingham und Mahmoud Dahoud zusammen beim BVB auf dem Platz (v.l). Das wird es in Zukunft selten bis nie geben. © imago / Sven Simon
Borussia Dortmund

Ein Platz, fünf Kandidaten: Der Kampf um die Sechser-Position beim BVB

Jude Bellingham, Axel Witsel, Mahmoud Dahoud, Emre Can und Thomas Delaney sind die Kandidaten fürs defensive Mittelfeld beim BVB. Dort gibt es im System von Marco Rose jedoch nur einen Platz.

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben sich die Verantwortlichen von Borussia Dortmund mächtig Gedanken darüber gemacht, ob der BVB im defensiven Mittelfeld quantitativ und qualitativ überhaupt gut genug aufgestellt ist. Diese Zeiten sind vorbei. Das defensive Zentrale ist inzwischen zum Prunkstück mutiert. Es herrscht ein Überangebot an namhaften Spielern. Was die Situation verschärft: Im von BVB-Trainer Marco Rose bevorzugten Rauten-System steht dort nur ein Platz zur Verfügung. Der Fünfkampf um die Sechs, er hat begonnen – das sind die Kandidaten:

Axel Witsel:

„Das ist Fußball. Du musst immer hart kämpfen, um in der ersten Elf zu stehen“, hat der 32-Jährige im Trainingslager in Bad Ragaz selbst zum Konkurrenzkampf auf seiner Position gesagt. Dass er bereit ist, zu kämpfen, hat er nach seinem Achillessehnenriss eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In Rekordzeit hat er sein Comeback gefeiert. Für Belgien knüpfte er sofort wieder dort an, wo er aufgehört hatte.

Besonders seine unnachahmliche Ruhe am Ball ist bewundernswert. Inwiefern die aber zum schnellen Umschaltspiel von BVB-Trainer Marco Rose passt, muss sich noch zeigen. Dennoch ist ein solcher Ruhepol in der sonst so offensiv ausgerichteten Mannschaft enorm wichtig.

Jude Bellingham:

Der 18-Jährige gehörte beim BVB zu den Gewinnern der vergangenen Saison. Mit welcher Unbekümmertheit er an die neue Herausforderung bei Borussia Dortmund herangegangen ist, war beeindruckend. 25 Millionen hat der BVB für ihn ausgegeben. Und die waren gut investiert. Mit der nötigen Härte, die er aus England ja bestens kennt, geht Bellingham in die Zweikämpfe. Verliert er sie, ärgert er sich wie kein Zweiter, gewinnt er sie, feiert er sie wie einen Sieg.

Bellingham ist aber nicht nur Zerstörer, sondern auch Gestalter. Nach Ballgewinn gibt es für ihn nur eine Richtung: nach vorn. Das dürfte Marco Rose gefallen. Außerdem: Seine fußballerische Veranlagung gibt es auch her, ihn auf den Halbpositionen einzusetzen und so im Spiel noch flexibler zu sein. Ganz schön viele Pluspunkte.

Emre Can:

Als Anführer und Mentalitätsspieler hat Borussia Dortmund ihn im Januar 2020 geholt. In den ersten Spielen ist der Plan aufgegangen. Der 26-Jährige ist als Leader vorangegangen, hat auf dem Platz eine große Präsenz ausgestrahlt. Doch nach seiner Corona-Erkrankung im Oktober des vergangenen Jahres hat der deutsche Nationalspieler nicht mehr richtig in die Spur gefunden. Im Gegenteil: Can war oftmals ein Unsicherheitsfaktor im Spiel des BVB, leistete sich vor allem im Aufbau zu viele Fehler.

Der 26-Jährige geht in vielen Situationen hohes Risiko. Geht das gut, sieht das nicht nur schön aus, sondern ist meist auch gefährlich. Im positiven Sinne. Geht es schief, wird es auch schnell gefährlich. Im negativen Sinne. Seine erst kürzlich auskurierten Wadenprobleme werfen ihn im Fünfkampf nach hinten.

Thomas Delaney:

Er könnte die tragische Figur bei Borussia Dortmund werden. Bei der Europameisterschaft hat sich der Däne noch tiefer in die Herzen der BVB-Fans gespielt als ohnehin schon. Nicht nur wegen seiner ehrenwerten Aktion nach dem tragischen Vorfall um Christian Eriksen, als er seine Mannschaftskollegen zusammenrief, um den 29-Jährigen vor den TV-Kameras abzuschirmen, sondern weil er bei der EM richtig gute Leistungen gezeigt hat. Und trotzdem könnte ihm beim BVB nun ein Platz auf der Bank drohen.

Delaney gehört nicht zwangsläufig zu den Begabtesten, wenn es um Ballgefühl und Spieleröffnung geht. Mit seinem unbändigen Einsatz macht er das allerdings wett. Als die Fans aufgrund der Pandemie nicht in die Stadien durften, war Delaney einer der Wenigen beim BVB, der ständig über die Außenmikrofone zu hören war. Der 29-Jährige ist wichtig für das Team, dürfte aber wegen der persönlichen Ansprüche auf Spielzeit und des großen Konkurrenzkampfes noch einen Wechsel anstreben.

Mahmoud Dahoud:

Während alle anderen Kandidaten im Kampf um die Sechs bei der EM dabei waren und demnach große Teile der Vorbereitung beim BVB verpasst haben, hat Mahmoud Dahoud die große Chance gewittert – und genutzt. In allen Testspielen gehörte der Deutsch-Syrer zu den auffälligsten Spielern bei Borussia Dortmund. Seine Kinderkrankheiten, sich häufig in den Mann zu drehen oder zu spät vom Ball zu trennen, hat er abgelegt.

Dahoud überzeugte mit gutem Auge und einer klaren Spielidee. Nicht umsonst hat der Verein Dahouds Vertrag bis 2023 verlängert, man setzt auf ihn. Und Marco Rose setzt auf ihn. Der 25-Jährige dürfte wegen seiner starken Leistung im neuen System gesetzt sein – auf der Sechs oder der Acht.

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