Die Gegner bereiten dem BVB in dieser Saison mit einer Waffe Probleme, die sich lange im Arsenal der Borussen befand. © picture alliance/dpa/Pool AP
Borussia Dortmund

Dortmunds einstige Waffen bedrohen den BVB in dieser Saison oft selbst

Die vergangenen beiden Spiele geben Hoffnung auf Besserung bei Borussia Dortmund. Gegen Schalke offenbarte sich jedoch erneut eine Schwäche des BVB, die er dringend abstellen sollte.

Überfallartiger Fußball war lange eine Spezialität von Borussia Dortmund. Nach einem Ballgewinn schalteten die Borussen blitzschnell um, schwärmten aus und überfielen den Gegner. Mittlerweile sind Konter allerdings vor allem ein probates Mittel gegen den BVB.

Der BVB ist in dieser Saison äußerst anfällig, wenn der Gegner kontert

In dieser Bundesliga-Saison zeigten sich die Borussen anfällig, wenn der Gegner schnell umschaltete. Es ist freilich nicht die einzige Baustelle der Schwarzgelben, aber eine, die gerade im Vergleich mit den direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze auffällt.

Die Dortmunder ließen in dieser Saison bereits 30 gegnerische Torschüsse nach schnellen Gegenangriffen zu. Das sind überdurchschnittlich viele (Ligaschnitt 25) – vor allem für ein vermeintliches Spitzen-Team. RB Leipzig (14 gegnerische Kontertorschüsse) und der VfL Wolfsburg (19) stehen in dieser Kategorie deutlich besser da.

BVB reiht sich im Liga-Ranking weit unten ein

Im Liga-Ranking liegen die Borussen mit diesen 30 Torschüssen von Gegnern nach Kontern (in der vergangenen Saison waren es nach 34 Spieltagen 36) nur auf Tabellenplatz 15, den man sich mit dem FC Augsburg teilt. Nachdem man in der Champions League gegen Sevilla nur wenige solcher Situationen zugelassen hatte, kam Tabellenschlusslicht Schalke im Revierderby fünfmal (!) nach einem Konter zum Torabschluss.

Der Sportdaten-Dienstleister Deltatre, auf dessen Daten diese Analyse beruht, versteht Konter als schnell vorgetragene Gegenangriffe, die in der gegnerischen Hälfte begonnen haben. Drei Gegentreffer zählt Deltatre in dieser Saison für den BVB nach solchen Situationen.

Probleme in der Konterverteidigung setzen sich beim BVB unter Terzic fort

Damit haben die Borussen schon so viele Kontergegentore wie in der kompletten vergangenen Saison kassiert. Allerdings waren nur drei Gegentreffer damals auch der Bestwert der Liga. Aktuell liegt die Borussia damit leicht unter dem Ligaschnitt (vier Kontergegentore).

Keins der drei Tore fiel, nachdem Edin Terzic das Team übernommen hat. Anfällig sind die Borussen unter dem neuen Coach aber weiterhin. Denn schnelle Angriffe der Gegner stellen sein Team weiterhin vor Schwierigkeiten.

Der BVB hat Glück, dass es bei drei Konter-Gegentreffern blieb

Dass der 38-Jährige um dieses Problem weiß, zeigte seine Aussage auf der Pressekonferenz des BVB vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen. Man habe das Thema schon mal angesprochen, sagte Terzic da: „Der beste Weg ist, den Ball nicht zu häufig in den Situationen zu verlieren, in denen der Gegner auf Konter lauert“, erklärte er und führte weiter aus: „Konter verteidigt man am besten immer so hoch wie möglich, um nicht im Sechzehner reagieren zu müssen. Wir müssen besser in der Behauptung des Balles und in der Absicherung werden.“

Ausgerechnet gegen Leverkusen (2:1) kassierte der BVB dann zwei Gegentreffer aus Situationen, die zwar per Definition keine Konter waren, in denen die Werkself aber mit Tempo die Reihen der Dortmunder überspielte. Auch gegen Mainz (1:1) einen Spieltag zuvor fiel das Gegentor, nachdem die 05er schnell umgeschaltet hatten und der BVB nicht richtig sortiert war. Wie in der Anfangsphase gegen die TSG Hoffenheim (2:2), als Ilhas Bebou zweimal frei vor Marwin Hitz auftauchte und nur knapp scheiterte.

Der BVB ist in Gesellschaft mit einem Aufsteiger und Abstiegskandidaten

Dass das Umschaltspiel des BVB ein Problem ist, zeigt vor allem die Anzahl der Gegentore nach Ballverlusten, unabhängig davon, ob diese Fehler in der eigenen oder der gegnerischen Spielhälfte auftraten. Der BVB kassierte in dieser Bundesliga-Saison bereits neun Gegentore kurz nach eigenen Ballverlusten. Drei davon alleine beim Spiel gegen den VfB-Stuttgart (1:5), das damals das Aus von Lucien Favre besiegelte.

Abstellen konnte der BVB diese Anfälligkeit nach Ballverlusten unter Edin Terzic nicht. In elf Bundesliga-Spielen mit ihm als Chefcoach an der Linie gab es bereits vier Gegentore nach Ballverlusten. Borussia Dortmund liegt damit im Ligavergleich nur auf Platz 14 (wie Aufsteiger Arminia Bielefeld) und sicherlich weit hinter den eigenen Ansprüchen.

Zwei wesentliche Probleme sind beim BVB auszumachen

Neun Gegentore nach Ballverlusten sind schon eins mehr als in der gesamten vergangenen Saison (8) und zwölf Spieltage vor Schluss bereits genauso viele wie in der Spielzeit 18/19. Die Konkurrenz aus Leipzig reiht sich hier erneut weit vorne ein und bekam in dieser Saison nur ein Gegentor nach eigenem Ballverlust.

In diesem Zusammenhang sind weiterhin zwei Probleme beim BVB auszumachen, die Edin Terzic bei der oben genannten Pressekonferenz schon angerissen hatte: Durch Unkonzentriertheiten oder Ungenauigkeiten im Spielaufbau, der oft mit riskantem Kurzpassspiel durch das Zentrum vorgetragen wird, kommen die Gegner in Ballbesitz (achtmal führte ein Fehlpass zum Gegentor). In den Umschaltmomenten fehlt dann häufig die nötige Absicherung, sodass die Gegner viel Platz haben, um ihr Konterspiel zu entfalten.

© Wittland, Lukas © Wittland, Lukas

Mats Hummels hatte das nach der 1:5-Niederlage gegen Stuttgart so formuliert: „Wir versuchen immer klein-klein durch enge Räume durchzuspielen und haben dabei eine riesig hohe Ballverlustquote. Wenn es klappt, sieht es gut aus, nach schönem Fußball. Aber es klappt in den seltensten Fällen“, bemängelte der Abwehrchef der Dortmunder. „Es ist zu viel ‚Geschnicke‘. Wir haben zu wenig Tiefe im Spiel, kommen zu wenig entgegen und provozieren so die eigenen Ballverluste.“

Zu wenig Tempo in der letzten Abwehrlinie des BVB?

Ein weiterer Faktor ist aber auch Hummels selbst (Topspeed 32,38 km/h), der in der letzten Linie kein Sprinter wie beispielsweise Leipzigs Dayot Upamecano (35,43 km/h) ist – wenngleich schnelle Spieler wie Emre Can (34,45 km/h), wenn er in der Verteidigung spielt, oder Manuel Akanji (34,41 km/h) das kompensieren könnten.

Dass Dortmunds Gegner nicht noch häufiger auf die Dortmunder Abwehrlinie zulaufen, ist auch ein Verdienst von Thomas Delaney. Der Däne stand zwar auch gegen Schalke von Beginn an auf dem Platz, als der BVB gegen das Liga-Schlusslicht fünf Torschüsse nach Kontern zuließ, doch trotzdem zeigen die Daten, dass er wichtig für die Konterverteidigung der Borussen ist.

Thomas Delaney mit Topwert der BVB-Mittelfeldspieler

Delaney fing im Schnitt alle neun Minuten ein Zuspiel ab und damit in kürzeren Abständen als alle anderen BVB-Mittelfeldspieler. Mit einer Quote von 58 Prozent gewonnener Zweikämpfe weist er zudem einen hohen Wert für einen Mittelfeldspieler auf und zieht, wenn nötig auch mal ein Foul, um den Spielfluss des Gegners zu unterbrechen.

© Screenshot Deltatre © Screenshot Deltatre

Bislang gab es in den 13 Saisonspielen mit Delaney während seiner Einsatzzeit nur neun Gegentore (alle 98 Minuten eins) – in den neun Spielen ohne ihn beziehungsweise vor seiner Ein- oder nach seiner Auswechselung waren es 22 Gegentreffer (alle 50 Minuten eins).

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland

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