Marco Rose soll dem BVB neues Leben einhauchen. © imago images/Sven Simon
Meinung

Die Suche nach der neuen Identität: Wie Marco Rose dem BVB helfen kann

Mit der Verpflichtung von Marco Rose verknüpft Borussia Dortmund große Erwartungen. Der neue Cheftrainer soll dem BVB neues Leben einhauchen – und eine neue Identität verpassen. Ein Kommentar.

Max Eberl hat am Montag Wort gehalten, als er seiner Ankündigung, bei einer Entscheidung zur Zukunft von Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach die Öffentlichkeit sofort zu informieren, Taten folgen ließ und damit offenbar auch Borussia Dortmund, Roses zukünftigen Klub, überraschte. Normalerweise werden solche Verlautbarungen gern der Fairness und Nachrichtenhoheit halber von beiden Parteien zeitgleich veröffentlicht. Diesmal preschte die Borussia vom Niederrhein in Person ihres Sportdirektors aber deutlich vor.

Marco Rose zum BVB: Bedauern bei Gladbach, Freude bei Dortmund

Während in Mönchengladbach das große Bedauern über den sportlichen Verlust natürlich den Weg in die Pressemitteilung fand, konnte die andere Borussia ihre uneingeschränkte (Vor)-Freude kundtun. Auch wenn es so offen niemand aussprach: Borussia Dortmund empfindet es nicht zu Unrecht als einen echten Transfercoup, in Rose einen der derzeit modernsten und innovativsten Trainer auf dem Markt vom BVB überzeugt zu haben. Dass sich der Klub die Verpflichtung fünf Millionen Euro kosten lässt, die gerade in Coronazeiten auch an anderer Stelle gut investiert gewesen wären, zeigt nur die immens hohe Wertschätzung. Und in Gladbach wird diese Summe den Abschiedsschmerz zumindest ein wenig lindern.

Mit Roses Verpflichtung verknüpfen sich in Dortmund ähnlich hohe Erwartungen wie seinerzeit an Thomas Tuchel, der 2015 ebenfalls einen Neuaufbau einleiten sollte – mit der zusätzlichen Hypothek des nicht enden wollenden langen Schattens von Vorgänger Jürgen Klopp. Roses aktuelle BVB-Vorgänger Edin Terzic und Lucien Favre haben Duftmarken wie Klopp nicht hinterlassen, dennoch ist Roses Aufgabe auch so schon anspruchsvoll genug.

BVB-Trainer ab Sommer: Erfolge sprechen für Marco Rose – aber das Geschäft ist tückisch

Die Erfolge, die der gebürtige Leipziger in Salzburg und auch in Gladbach vorweisen kann, sprechen eine eindeutige Sprache – und doch gehört es zur Tücke des Geschäfts, dass niemand garantieren kann, dass er die Erwartungen auch erfüllen kann. Zumindest zeigt ihm seine neue Mannschaft gerade, wo die Hauptprobleme liegen. Er soll nicht nur dafür sorgen, dass aktuell frustrierte Anhänger sich wieder gern dem BVB zuwenden, sobald die Pandemiesituation wieder Zuschauer in den Stadien zulässt.

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Marco Rose soll vor allem auch bewirken, dass Borussia Dortmund wieder für etwas steht. Und da geht es um weit mehr als nur mutigen, attraktiven und offensiven Fußball. Die Fans wollen sich identifizieren mit ihren Lieblingen, dafür müssen sie spüren, dass diese Identifikation mit dem Verein umgekehrt auch von den Spielern vorgelebt wird. Und das wird wohl schwerer zu implementieren sein als ein neues Spielsystem.

Marco Rose wird die BVB-Profis jetzt schon genau beobachten

Ob die frühe Verkündung der Personalie einen Einfluss auf die Rest-Saison des BVB hat, werden erst die kommenden Wochen zeigen. Es ist anzunehmen, dass die Dortmunder Borussia gerade angesichts der aktuell prekären sportlichen Situation wohl gern noch etwas mit der öffentlichen Verkündigung gewartet hätte. Dass nun auch endgültig klar ist, dass Edin Terzics Zeit im Sommer ablaufen wird, kann ein Nachteil sein – muss es aber nicht. Denn die Spieler kämpfen letztlich auch für sich selbst, sie wissen nun, dass da an anderer Stelle ein Trainer ab sofort ganz genau auf ihre Entwicklung und vor allem ihre Haltung schaut. Es beginnt die Phase, sich dem neuen Mann auf der Kommandobrücke zu empfehlen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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