Dem BVB droht in der neuen Saison die Europa Conference League statt Champions League. © Ralf Ibing / firo Sportphoto
Borussia Dortmund

Die neue BVB-Realität: Es drohen Europa Conference League und Millionenverluste

Der BVB hat nach der Niederlage gegen Frankfurt das Aus im Rennen um das Champions-League-Ticket vor Augen. In der neuen Saison drohen die Europa Conference League und Verluste in Millionenhöhe.

Mit erheblich gebremster Vorfreude steigen die Dortmunder Borussen am Montagmittag in die Sondermaschine Richtung Manchester. Nach dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt reisen Frust und große Sorgen mit zum Champions-League-Duell mit dem baldigen englischen Meister. Denn: Die Lage in der Bundesliga ist prekär für den BVB, der das schmerzhafte Aus im Rennen um das neue Königsklassen-Ticket vor Augen hat. Dürfen sich die Schwarzgelben überhaupt noch Hoffnung machen? Und: Welche Konsequenzen würde das Verpassen von Tabellenrang vier nach sich ziehen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Wer kämpft noch um Rang vier in der Liga?

Eintracht Frankfurt hat sich dank des Erfolgs am Samstag in Dortmund eine glänzende Ausgangsposition gesichert. Die Hessen weisen als Vierter der Bundesligatabelle nach dem 27. Spieltag sieben Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen auf. Dieses Trio streitet um das vierte und letzte Champions-League-Ticket, die übrigen drei Startplätze dürften an die Bayern, an Leipzig und an den VfL Wolfsburg (auf Rang drei mit 11 Punkten vor dem BVB) bereits vergeben sein.

Was spricht im Liga-Endspurt noch für den BVB?

Nicht viel. Frankfurt spielt eine beeindruckend stabile Saison, hat erst dreimal verloren, Dortmund dagegen schon zehn Niederlagen kassiert. Frankfurt hat unter Trainer Adi Hütter zudem gerade den Vereinsrekord geknackt: 50 Punkte nach 27 Spielen und 22 Partien nacheinander stets mit eigenem Torerfolg – das gab es am Main noch nie. Die Eintracht müsste also schon auf den letzten Metern gewaltig einbrechen – und der BVB seinerseits quasi jede Partie gewinnen. Borussias Sportdirektor Michael Zorc weiß: „Wir sind gerade nicht in der Verfassung zu sagen: Wir gewinnen jetzt die letzten sieben Spiele. Wir haben uns in eine sehr schwierige Situation gebracht.“

Wer hat das schwerste Restprogramm?

Im Restprogramm jedes der drei Kandidaten stecken knallharte Aufgaben. Frankfurt muss noch gegen Wolfsburg (28. Spieltag), Gladbach (29.) und im direkten Duell gegen Leverkusen (31.) antreten. Der BVB bekommt es unter anderem noch mit Wolfsburg (31.) und Leipzig (32.) zu tun. Leverkusen hat noch die Bayern in München (30.) auf der Agenda. Und am 34. Spieltag könnte es gar zu einer Art Finale kommen: Dortmund empfängt Leverkusen.

Geht es dann noch um den Einzug in die Champions League oder die direkte Qualifikation für die Europa League, würde dem Trainerduell der Freunde Edin Terzic (BVB) und Hannes Wolf (Leverkusen) eine brisante Bedeutung zufallen. BVB-Profi Emre Can gestand nach dem 1:2 gegen Frankfurt: „Ich habe keinen Bock in der Europa League zu spielen.“ Womöglich aber in punkto Belastung ein Nachteil für den BVB im Endspurt: Er hat noch mindestens zwei Spiele in der Champions League sowie bis zu zwei Partien (Halbfinale/Finale) im DFB-Pokal zusätzlich zu bestreiten. Frankfurt und Leverkusen können sich dagegen auf die Bundesliga konzentrieren.

Welche Wege münden im Europapokal?

Die ersten vier Mannschaften in der Bundesliga qualifizieren sich direkt und ohne Umwege oder Playoff-Runden für die Champions League. Mit sieben Punkten Rückstand auf Eintracht Frankfurt bei noch sieben ausstehenden Spielen rückt dieses Ziel für den BVB in weite Ferne. Der Fünftplatzierte der Liga darf in der kommenden Saison in der Europa League spielen. Ebenso der Sieger im DFB-Pokal. Rang sechs berechtigt zur Teilnahme an der neu eingerichteten Europa Conference League. Hier ist für den deutschen Vertreter allerdings eine Playoff-Runde mit Hin- und Rückspiel vorgeschaltet.

Gibt es noch eine Hintertür, die in den Europapokal führt?

Für den Sonderfall, dass der DFB-Pokalsieger bereits für die Champions League oder die Europa League spielberechtigt ist, treten die Mannschaften auf Platz fünf und sechs in der Europa League an. Dann würde Platz sieben in der Bundesliga ausreichen, um sich für die Play-Offs der Europa Conference League zu qualifizieren. Das bedeutet auch, dass der unterlegene Pokalfinalist nicht zwangsläufig in den Europapokal nachrutscht. Der BVB trifft im Halbfinale auf Holstein Kiel, RB Leipzig als sehr wahrscheinlicher Champions-League-Teilnehmer auf den Sieger der Partie Jahn Regensburg/Werder Bremen. Eine wenn auch illusorisch anmutende Hintertür für Borussia Dortmund: Der Gewinner der aktuellen Champions League erhält laut der Uefa-Regularien automatisch einen Startplatz für die Gruppenphase der nächsten Saison – und kommt sogar in Lostopf eins der gesetzten Top-Teams.

Was würde den BVB der Abstieg aus der Champions League kosten?

Einfaches Rechenbeispiel: Erreichen die Dortmunder statt in der Königsklasse in der zweitklassigen Europa League das Achtelfinale, fehlen rund 30 Millionen Euro in der Kasse. Die Prämien sind in der Champions League zwar insgesamt viermal höher. Aber dank gut gestalteter eigener Sponsorenverträge reduziert sich die Summe für den BVB nicht allzu sehr. Außerdem kann die Borussia in der Saison 2021/22 wieder auf Zuschauereinnahmen hoffen. Je weiter die Schwarzgelben in der Europa League kämen, desto geringer wäre der finanzielle Verlust.

Einmal von den finanziellen Einbußen abgesehen: Ohne den Reiz Champions League wären hochkarätige Neuzugänge für den BVB wohl nur schwer zu bekommen. Und von anderen Klubs umworbene Top-Profis in Dortmund zu halten, könnte zum Kraftakt werden. Borussias Abwehrchef Mats Hummels resümierte nach dem 1:2 gegen Frankfurt treffend: „Nicht die Champions League zu erreichen, wäre sportlich und finanziell eine Katastrophe – und da sind wir jetzt nah dran.“

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BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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