Ansgar Knauff konnte sich trotz Corona-Pandemie im BVB-Trikot beweisen. © imago / Bielefeld
Borussia Dortmund

Die BVB-Junioren in der Corona-Pandemie: Erstmal durchboxen

Die Corona-Pandemie fordert die jungen Talente des BVB extrem heraus. Die Bundesliga-Saison ist für die U17 und U19 vorzeitig beendet. Jetzt heißt es: durchboxen und auf die neue Saison hoffen.

Sechs Minuten vor dem Abpfiff machte Youssoufa Moukoko das halbe Dutzend voll. Der Treffer zum 6:0 gegen Rot-Weiss Essen besiegelte für Borussia Dortmunds U19 den Sprung an die Tabellenspitze. Seit diesem aus BVB-Sicht fulminanten 24. Oktober passierte in der Junioren-Bundesliga jedoch nichts mehr.

Die Corona-Pandemie zwang auch den ältesten Nachwuchsjahrgang ab dem 4. Spieltag zum Zuschauen. Jetzt, fünf Monate später, gibt es die traurige Gewissheit: Die Saison der U19- und U17-Eliteklassen wird abgebrochen. Der BVB hätte sie gerne irgendwann fortgesetzt, doch die Mehrheit der beteiligten Klubs sprach sich für das jähe Ende aus.

Die Corona-Pandemie fordert die jungen BVB-Talente extrem heraus

Es war letztlich nur der jüngste Akt eines Corona-Jahres, das die Talente extrem herausforderte. Denn schon weit vor dem Abbruch der Saison 2020/21 war an geregeltes Teamtraining oder Pflichtspiele kaum zu denken. Bereits die Spielzeit 2019/20 musste nach 20 von 26 Runden im März 2020 coronabedingt gestoppt werden. „Danach haben wir möglichst viel getan, um das Training einigermaßen aufrecht zu erhalten“, erklärte Lars Ricken, Direktor des BVB-Nachwuchsleistungszentrums, im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Die Talente bekamen Pläne, Aufgaben und Ausrüstung für die Einheiten zu Hause, „in punkto Fitness und Laufarbeit konnten wir das so ganz gut auffangen, auch über einen längeren Zeitraum. Unsere Trainer haben da einen tollen Job geleistet und stets den Kontakt zu den Jungs gehalten“.

Den BVB-Talenten fehlen 30 bis 40 Pflichtspiele in ihrer Entwicklung

Dennoch fehlen allen U19-Talenten des BVB jetzt 30 bis 40 Pflichtspiele in ihrer Entwicklung und noch weit mehr Trainingseinheiten mit der Mannschaft. Ein Mangel an Erfahrung und Ausbildung, der an der Schwelle zum Profibereich nun den einen oder anderen Teenager seine Karriere kosten könnte? Lars Ricken mag daran nicht glauben: „An fußballerischen Grundlagen geht den älteren Jahrgängen nicht so viel verloren, vielleicht dauert es ein halbes Jahr länger, bis jemand dann Fuß fassen kann bei den Profis, aber wer die Qualität besitzt, wird es letztlich packen.“

Als Beispiel führt Ricken Youngster Ansgar Knauff ins Feld. Der 19-Jährige konnte sich in der U19 des BVB aufgrund der Pandemie gar nicht beweisen, empfahl sich aber dank guter Auftritte in der U23 und sprang jetzt hinauf in den Profikader. Jüngst bei seinem Liga-Debüt, dem 2:2 gegen Köln, lieferte er als Einwechselspieler sogleich die Vorlage zum späten Dortmunder Ausgleich.

Das Teamtraining läuft für die BVB-Junioren zumindest weiter

Knauff also darf bei den Profis mitmischen und wird dort weiter geformt. Was aber ist mit den übrigen Top-Talenten, die eigentlich zum Sprung in Borussias Bundesliga-Auswahl ansetzen wollen? Auf sie wartet zwar auch in den nächsten Monaten kein Pflichtspiel, der BVB will seine Junioren aber weiter möglichst nah an den Normalbetrieb heransteuern. Das Teamtraining läuft in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden und unter Beachtung aller Hygienemaßnahmen weiter. „Die Entwicklung müssen wir natürlich im Auge behalten und sehr flexibel bleiben in unserer Organisation“, erklärt Lars Ricken.

Freundschaftsspiele gegen möglichst hochrangige Gegner sollen den Wettkampf simulieren. „Diese Spiele auf Top-Niveau bringen in jedem Fall etwas, die Jungs haben richtig Lust darauf, da ist es zweitrangig, dass es nicht um Punkte geht.“ Die Hoffnung der BVB-Junioren: Sich durchboxen bis Juli, um dann möglichst in eine geordnete Saisonvorbereitung starten zu können. Lars Ricken: „Planbar ist aber aufgrund der sich ständig ändernden Corona-Lage derzeit nichts.“

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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