Mats Hummels erlebte beim 0:1 gegen Frankreich einen gebrauchten Abend. © dpa
Europameisterschaft

DFB-Einzelkritik: Hummels unglücklich, Gosens treibt an, Müller wirkungslos

Der Druck auf das DFB-Team wächst nach dem 0:1 gegen Frankreich zum EM-Auftakt. Hummels agiert unglücklich, Gosens treibt an, Müller bleibt wirkungslos. Die Einzelkritik.

Am Ende entscheidet eine ärgerliche Aktion. Mats Hummels ist der Pechvogel beim EM-Auftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Von seinem Schienbein springt der Ball ins eigenen Tor. Der Bundestrainer spricht den Rückkehrer aber von jeder Schuld frei. Das DFB-Team in der Einzelkritik:


Manuel Neuer:
Mats Hummels‘ Rettungsversuch schlug aus kurzer Distanz unhaltbar über ihm ein. Zuvor bei einem Schuss von Mbappe auf dem Posten (17.). Nach der Pause kaum beschäftigt, bei zwei Abseitstreffern der Franzosen ging sein Reklamier-Arm zu Recht nach oben. Note: 3,0

Matthias Ginter: Zwei gefährliche Hereingaben löschte er mit resoluten Grätschen. Warf sich in jeden Schuss und jede Flanke. Bei Rabiots Pfostenschuss verlor er den Franzosen aber aus den Augen (48.). Dennoch einer der Besseren. Note: 2,5

Mats Hummels: Sein Kopfball brachte eine erste zarte Annäherung ans französische Tor (4.), im Aufbau zu Beginn sehr oft eingebunden. Lenkte beim Rettungsversuch die Flanke von Hernandez unglücklich ins eigene Tor – Deutschlands erstes Eigentor bei einer Europameisterschaft (20.). Riskierte bei der Grätsche gegen den davoneilenden Mbappe alles (74.). Note: 4,0

Antonio Rüdiger: Bei Pogbas Großchance aus fünf Metern ließ er dem Franzosen zu viel Platz (16.), vor dem 0:1 ließ er sich unnötig aus dem Strafraum locken (20.). In der zweiten Hälfte solide. Note: 4,0

Joshua Kimmich: Dass er für ein normales Foul an Bayern-Kollege Hernandez früh Gelb sah (7.), veränderte für ihn das Spiel. Beim 0:1 musste er in der Mitte das Loch stopfen, das Rüdiger aufgerissen hatte, Flankengeber Hernandez konnte er dann nicht mehr stören (20). Nach der Pause endlich auffälliger, da kam er zu einigen gefährlichen Hereingaben. Note: 3,5

Ilkay Gündogan: Oft erster Zielspieler, wenn Hummels vertikal aufbauen konnte. Mit Kroos bemühte er sich um Kontrolle im zentralen Mittelfeld, durch die Mitte kam er nur einmal durch. Abschluss in der 38. Minute, da traf er den Ball nicht richtig. Auch nach der Pause hätte man gern mehr Zielstrebigkeit gesehen. Note: 4,0

Toni Kroos: Drei gute Balleroberungen in der Anfangsviertelstunde, da kennt man gar nicht von ihm. Auffällig in der ersten Hälfte, auch wenn seine beiden Freistöße schwach waren (25./27.). Allerdings gelang es ihm im Verbund mit Gündogan nicht, das riesige Loch zu den drei Angreifern zu schließen. Verschleppte auch das Tempo. Note: 3,5

Robin Gosens: Hatte oft viel Platz auf der linken Seite, lieferte bei seinem EM-Debüt eine leidenschaftliche Partie ab. Die beste DFB-Chance der ersten Hälfte initiierte er: Seine Flanke auf Müller kam perfekt (23.) – auch die auf Gnabry bei der zweiten deutschen Großchance (54.). Absoluter Aktivposten. Note: 2,0

Thomas Müller: Im Zentrum stellte Frankreich mit drei Spielern die Räume zu, das behagte ihm nicht. Der Kopfball nach Flanke von Gosens war seine auffälligste Szene der ersten Hälfte (23.). Blieb nach der Pause sehr blass und ohne Durchschlagskraft. Note: 5,0

Kai Havertz: Schwachpunkt im deutschen Team in der ersten Hälfte. Zwei Mal verlor er innerhalb von 60 Sekunden den Ball, weil er zu phlegmatisch agierte (11./13.). Wirkte gehemmt – und traf falsche Entscheidungen, so wie beim Passversuch auf den zugestellten Müller. Links wäre Gosens völlig frei gewesen (29.). Etwas besser im Spiel nach der Pause. Note: 4,5

Serge Gnabry: Wirkungkslos in den ersten 45 Minuten, weil die offensive Reihe zu wenig Unterstützung erhielt. Pech, dass sein Dropkick knapp übers Tor ging (54.). Bemüht, aber glücklos, es blieb seine einzige gute Szene. Note: 5,0

Leroy Sane (74. für Havertz), Timo Werner (74. für Gnabry), Emre Can (87. für Ginter) und Kevin Volland (87. für Gosens) kamen spät ins Spiel und bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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