Borussia Dortmund

Deutliche Kritik am Fantoken: BVB reagiert – und lädt zum Gespräch ein

Borussia Dortmund testet den Fantoken - ein digitales Guthaben für internationale BVB-Anhänger. In Teilen der Fan-Heimatbasis keimt daran deutliche Kritik auf. Nun reagiert der Klub.
Der BVB hat Vertreter der Fanszene zu einem Gespräch eingeladen. © imago / firo

Das Banner hing am vergangenen Sonntag nur für wenige Minuten am Zaun vor der Nordtribüne des Signal Iduna Parks. Die Botschaft darauf aber war unmissverständlich: „Stoppt den Marketingwahn – Fantoken einstampfen“ hatte die BVB-Ultragruppe „The Unity“ in großen schwarzen Lettern auf das gelbe Tuch geschrieben. Auch beim Fanzine „schwatzgelb“ hatte sich zuvor Widerstand geregt gegen das neueste digitale Projekt der Borussia. Von „Gewinnmaximierung“ und „fehlender Fankultur“ war dort zu lesen.

Die Skepsis der BVB-Anhänger ist in Dortmund spürbar

Keine Frage, der Fantoken bewegt derzeit die aktive Fanszene des BVB. Obwohl die neue App für die internationale Anhängerschaft, mit der Möglichkeit, digitales Guthaben zu erwerben und für Entertainment oder Interaktion einzulösen, erst in der Experimentierphase steckt. Und der BVB seine Fantoken-Pläne Ende November in einer Fanrat-Sitzung vorab offengelegt und persönlich erklärt hatte. Die Skepsis in Borussias Heimatbasis ist dennoch spürbar.

Für die aktuell aufgeflammte Kritik will der Klub ein offenes Ohr zeigen. „Die Kritik aus der Fanszene nehmen wir nicht nur ernst, wir lassen sie in all unsere Überlegungen mit einfließen. Vertreter der Fanszene haben wir zu einem Gespräch eingeladen“, erklärte BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer auf Anfrage der Ruhr Nachrichten. Cramer betonte abermals, dass der Fantoken als „eine Idee auf Basis einer neuen Technologie“ gerade eine Testphase durchlaufe, „um zu lernen und gemeinsam mit Nutzern Ableitungen zu treffen.“ Bereits nach wenigen Tagen des Tests „zeichnen sich schon Anpassungen ab. Etwa die Frage, ob es richtig ist, dass Fans Token nur mit Geld erwerben können.“ Offenbar will der Klub hier gegensteuern.

Carsten Cramer nahm gegenüber den Ruhr Nachrichten zu zentralen Punkten der Kritiker Stellung und sprach über …

… die ersten Erkenntnisse aus der Fantoken-Testphase: „Es geht in die Richtung, dass wir den Token als einen rein internationalen Kanal – mit insbesondere auch von Fans für Fans erstellten Inhalten – entwickeln werden. Dieser wird in Zukunft durch uns selbst und nicht durch einen Dienstleister betrieben. Unser Partner Liquiditeam war vom ersten Tag an offen für derlei Entwicklungsprozesse.“

… die Intention der Testphase: „Wir haben jeden einzelnen Punkt hinterfragt und werden dies auch weiterhin tun. Womöglich liegt schon im Namen das erste Problem, weil er etwas Falsches suggeriert und sofort mit den Token-Ansätzen von Juventus Turin und anderen verglichen wird.“

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… den Einfluss, den Nutzer mit Token nehmen können: „Wir haben den Eindruck, dass Fans die Sorge haben, Anhänger aus anderen Teilen der Welt könnten über gekauften Token relevante BVB-Entscheidungen treffen. Um es klar zu sagen: Das war zu keinem Zeitpunkt auch nur eine Überlegung. Mitbestimmung ist und bleibt ein ureigenes Recht der BVB-Mitglieder und Fans. Wir haben nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet, Fans mit gekauften Token etwa über das nächste Trikot oder die Inhalte des Stadion-Vorprogramms abstimmen zu lassen.“

… ein konkretes Beispiel für etwas, das in der App entschieden werden kann: „Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass ausländische Fans während der nächsten internationalen BVB-Sommertour auf diesem Kanal darüber abstimmen, ob sich nun Jörg Heinrich oder Karl-Heinz Riedle ihren Fragen stellt. Das ist die Entscheidungs-Kategorie, über die wir sprechen. Es geht ausschließlich um Entscheidungen innerhalb der App, die deren Nutzer betreffen.“

… die Notwendigkeit aus Sicht des BVB, neue Technologien wie den Fantoken auszuprobieren: „Wir leben in einer zunehmend digitalen Welt, die immer wieder neue Technologien hervorbringt, für die es mitunter keine Erfahrungswerte gibt. Wenn wir uns beim BVB weiterentwickeln wollen, wird es unsere klare Aufgabe sein, solche Technologien auf ihren Nutzen hin zu testen. Mit dem Risiko, dass manch ein Testballon, den wir steigen lassen, am Ende zu nichts führt. Und mit der Chance, dass wir für uns nützliche Rennen in der Zukunft aus der ersten oder zweiten und nicht abgeschlagen aus der letzten Startreihe beginnen können.“

… die Gruppen, die in relevante Entscheidungen des BVB mit einbezogen werden: „Es war in den vergangenen Jahren immer unser Anspruch, für die Fans wichtige Entscheidungen im regelmäßigen Austausch mit der aktiven Fanszene bzw. dem Fanrat zu diskutieren. Das war so, das ist so und das wird so bleiben. Auf dieses Miteinander, das durchaus auch mal ein kritisches sein kann, sind wir sehr stolz.“

Dorsten am Abend

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