Mateu Morey (l.) wechselte 2019 ablösefrei zum BVB. © imago images/Revierfoto
Borussia Dortmund

Der BVB und ablösefreie Talente: große Chancen, kaum Risiken

In Soumaila Coulibaly zieht Borussia Dortmund mal wieder ein ablösefreies Talent eines großen Klubs an Land. Der BVB hat mit diesem Modell in der Vergangenheit gute Erfahrungen gesammelt.

Edin Terzic lächelte, als er über Mateu Morey sprach. Er sei sich zu 100 Prozent sicher, sagte der BVB-Trainer, „dass Mateu eine große Zukunft im Fußball hat – und hoffentlich hat er sie lange bei uns“. Er sei sehr zufrieden mit Moreys Entwicklung, berichtete Terzic. Und weiter: „Über Mateu kann ich nur Positives berichten. Es ist nicht leicht für einen so jungen Kerl, in ein fremdes Land zu kommen mit einer anderen Sprache, einer anderen Kultur und ganz vielen neuen Gesichtern. Mateu ist einer der Spieler, der zwischen den Trainingseinheiten mit seinem Deutschbuch auf dem Sofa sitzt und Vokabeln lernt. Er hat direkt versucht, sich mit in die Gruppe einzubringen – und es ist ihm sehr gut gelungen. Er macht auf uns den Eindruck, dass er sich bei uns wohlfühlt. Darüber sind wir sehr glücklich.“

Mateu Morey könnte BVB-Stammspieler werden

Diese Sätze sind gut eine Woche alt. Terzic sagte sie vor dem Achtelfinal-Hinspiel des BVB gegen den FC Sevilla in der Champions League (3:2). Seitdem stand Morey zweimal in der Dortmunder Startelf, auch beim 4:0-Sieg im Derby gegen den FC Schalke 04 am vergangenen Wochenende durfte der 20 Jahre alte und 1,73 Meter große Spanier von Beginn für den BVB auflaufen. Für Morey waren es die Pflichtspieleinsätze 13 und 14 in dieser Saison. Das sind bereits neun mehr als in der vergangenen Spielzeit. Der junge Rechtsverteidiger ist deutlich näher dran an Borussia Dortmunds erster Elf als in seiner BVB-Premierensaison.

Moreys Entwicklung dürfte damit gewissermaßen auch ein Argument für Soumaila Coulibaly sein, sich für eine sportliche Zukunft in Dortmund zu entscheiden. Der BVB liegt nach Informationen der Ruhr Nachrichten im Werben um das französische Abwehrtalent von Paris Saint-Germain weit bis uneinholbar weit vorne. Der Vertrag des 17-jährigen Innenverteidigers, der aktuell für die PSG-U19 spielt, allerdings wegen eines Kreuzbandrisses noch mehrere Monate verletzt ausfallen wird, läuft im Sommer aus. Coulibaly ist ablösefrei zu haben, genauso wie es vor ihm Morey und freilich Dan-Axel Zagadou – sicherlich eines der schlagkräftigsten BVB-Argumente in den Bemühungen um Coulibaly – auch waren.

Beispiel Zagadou: Der BVB hat ein Händchen für ablösefreie Talente

Denn auch Zagadou, der trotz seines Verletzungspechs schon auf 68 Pflichtspiele für den BVB zurückblicken darf, wechselte 2017, genau wie Morey 2019, ablösefrei nach Dortmund, weil er bei den Westfalen die besseren Chancen für die ersten Schritte im Profifußball sah. Für den BVB fiel in beiden Fällen nur eine kleine Ausbildungsentschädigung im sechsstelligen Bereich an. Zagadou kam ebenfalls aus Paris ins Ruhrgebiet, Morey vom FC Barcelona – und nun folgt also aller Voraussicht nach wieder ein ablösefreies Talent aus Paris dem Lockruf von Michael Zorc und Co.

Für Borussia Dortmund sind diese Transfers so interessant, weil sie große Chancen, aber kaum Risiken bereithalten – anders als es zum Beispiel ursprünglich mal bei Jadon Sancho (7,8 Millionen Euro Ablöse), Alexander Isak (8,6 Millionen Euro), Emre Mor (9,75 Millionen Euro) oder auch Jude Bellingham (23 Millionen Euro) der Fall war. Gelingt der Durchbruch nicht, ist der wirtschaftliche Verlust für den Klub marginal. Schafft das Talent den Sprung in den Profifußball, ist der BVB-Kader nicht nur um eine sportliche Alternative reicher, sondern auch die Wertsteigerung des Spielers enorm. Zagadous Marktwert beispielsweise lag zum Zeitpunkt seines Wechsels im Sommer 2017 bei 125.000, heute liegt er bei über 20 Millionen Euro. Auch Moreys Marktwert hat sich seit Sommer 2019 von 300.000 auf drei Millionen Euro schon jetzt und trotz der Corona-Pandemie verzehnfacht.

Der nächste Rohdiamant: Coulibaly wechselt zum BVB

Coulibaly soll nun der nächste Rohdiamant sein, der bei Borussia Dortmund sowohl sportlich als auch wirtschaftlich geschliffen und veredelt werden soll. Und vielleicht sagt ja irgendwann in der Zukunft mal ein BVB-Trainer mit einem Lächeln im Gesicht, dass er sich sicher sei, dass Soumaila Coulibaly eine große Zukunft im Fußball vor sich habe – am liebsten bei Borussia Dortmund.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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