Ex-Borusse Thomas Helmer blickt mit Sorgen auf die Situation des BVB. © imago images / Nordphoto
Borussia Dortmund

Der BVB kriselt: Zwei Altmeister legen Finger in die Wunde

Hat der kriselnde BVB ein Problem mit seinen Führungsspielern? Oder hat er gar zu wenige Häuptlinge auf dem Rasen? Zwei ehemalige Leithammel der Borussia haben dazu eine klare Meinung.

Für den „Fußballgott“ ist das Dortmunder Dilemma trotz großer Qualität im Kader offensichtlich. „Es fehlen Galionsfiguren, die in dieser schwierigen Situation das Heft in die Hand nehmen“, sagt Jürgen Kohler. Der einstige Abwehrchef, der mit der Borussia Meisterschale, Champions-League-Pott und den Weltpokal holte, hält die Struktur des aktuellen BVB-Teams für unpassend.

Jürgen Kohler: Piszczek könnte dem BVB Stabilität geben

„Die zentrale Achse ist nicht gut genug für einen Titel“, betont Kohler (55). Dortmunds Torhüter erreichten nicht die internationale Klasse, auch von Erling Haaland könne man trotz dessen herausragender Mentalität nicht erwarten, dass er die Mannschaft führe. „Er ist erst 20 Jahre jung, muss sich selbst noch entwickeln“, sagt 90er-Weltmeister Kohler.

Zudem reichten derzeit weder Mats Hummels noch Marco Reus an ihre Bestform heran, was die Lage des BVB automatisch verschärfe. Denn „um das Team in die richtige Richtung zu führen, müssten sie mit ihrer Leistung eigentlich vorangehen. Das gelingt ihnen aber derzeit nicht.“ Insgesamt verfüge die Borussia über zu wenige Alphatiere, die jetzt in der sportlichen Krise ihre Erfahrung einbringen könnten. „Vielleicht kann jetzt ein Lukasz Piszczek helfen, er könnte den jungen Spielern Stabilität geben“, sagt Kohler.

Mangelhafte Defensivarbeit als größtes Defizit beim BVB

Auch Thomas Helmer blickt mit Sorgen auf die Situation des BVB, mit dem er 1989 den DFB-Pokal gewann. „Die Gefahr, dass Dortmund den Champions-League-Platz verpasst, ist riesengroß. Ich hoffe, die Borussia unterschätzt die Lage gerade nicht“, sagt der Europameister von 1996. Auch Helmer (55) hat das akute Problem der BVB-Hauptmänner erkannt: „Wenn die Routiniers zu viel mit ihrer eigenen Leistung zu tun haben, ist es schwer, sich auch noch auf dem Platz um die Jungen zu kümmern.“

Dem BVB fehlen Galionsfiguren, meint Altmeister Jürgen Kohler. © imago images/Herbert Bucco © imago images/Herbert Bucco

Ein Dortmunder Defizit haben beide Altmeister, die einst als kompromisslose Verteidiger gefürchtet waren, ausgemacht: Die mangelhafte Defensivarbeit. „Spielerisch ist der BVB mitunter superstark, aber man muss auch mal richtige Zweikämpfe führen, auch, wenn es weh tut“, fordert Thomas Helmer. „Das sehe ich am ehesten noch bei Emre Can und Thomas Delaney.“

Rat an BVB-Trainer Terzic: „Er muss seine Spieler starkreden“

Ins gleiche Horn stößt Jürgen Kohler. „Besonders jetzt benötigt der BVB defensive Stabilität. Die Spieler müssen schon weit vor der Abwehrkette aggressiver gegen den Ball arbeiten“, mahnt er. Die Schulung offensiver und defensiver Zweikämpfe, die Duelle Mann-gegen-Mann gehörten auch für Profis ins Training. „Ich habe den Eindruck, dass das heute generell in der Bundesliga vernachlässigt wird.“ Einen Rat hat Kohler noch für BVB-Cheftrainer Edin Terzic parat, um die Wende zu schaffen: „Er muss seine Spieler jetzt starkreden. Er muss ihnen bewusst machen, dass sie die Qualität haben. Im Fußball spielt das Selbstvertrauen eine entscheidende Rolle.“

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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