BVB-Keeper Gregor Kobel (r.) ist neu im Team. © imago images/Uwe Kraft
Borussia Dortmund

Der BVB-Kader im Check: War der Dortmunder Transfersommer erfolgreich?

Borussia Dortmund hält sich im Transfersommer eher zurück, verstärkt sich aber punktuell. Wir machen den Check: Wo sind die Stärken und Schwächen des BVB-Kaders?

Zurückhaltung dominierte den Dortmunder Transfersommer, nach den Verpflichtungen von Gregor Kobel (Tor) und Donyell Malen (Angriff) verstärkte der BVB mit Marin Pongracic auf der Zielgeraden nur noch die Defensive. Wir beleuchten, wo die Borussia gut aufgestellt ist – und wo Schwächen im Kader erkennbar sind.

Tor und Abwehr: Im Tor herrscht purer Luxus: Gregor Kobel ist die neue und unumstrittene Nummer eins, er bietet dem BVB einen klaren Zugewinn im Torwartspiel und geht auch durch seine Kompromisslosigkeit und eine klare Ausstrahlung voran. Marwin Hitz hat seine Zuverlässigkeit als Stellvertreter unter Beweis gestellt. Dass Roman Bürki nicht an einen neuen Klub vermittelt werden konnte, gibt einerseits Sicherheit, falls sich ein Positionskonkurrent verletzen sollte – belastet aber auf der anderen Seite unnötig und deutlich spürbar den Etat. Auf das Konfliktpotenzial durch wachsende Unzufriedenheit beim Schweizer hätte Dortmund gern verzichtet.

In der Abwehr lindert die Verpflichtung von Pongracic die akute Not in der Innenverteidigung, wo aktuell nur Manuel Akanji fit und gesetzt ist. Die Leihgabe aus Wolfsburg kann auch auf der rechten Abwehrseite spielen und ist dort ein denkbarer Back-up für Thomas Meunier. Im Oktober wird die Rückkehr von Dan-Axel Zagadou erwartet, auch Talent Soumalia Coulibaly soll dann (nach Kreuzbandriss) herangeführt werden. Emre Can stünde als Back-up sowohl in der Innenverteidigung wie auch auf der rechten Seite parat. Aktuell belastet der immense Verletzungsstand die tägliche Arbeit. Hummels kämpft mit chronischen Patellasehnen-Problemen, auch Can ist verletzt. Meunier (muskuläre Probleme bei der Nationalmannschaft) droht nach überstandener Corona-Infektion erneut eine Zwangspause.

Außen in der Kette ist Dortmund weiter dünn (und international allenfalls durchschnittlich) besetzt. Links fehlt eine gleichwertige Alternative zu Raphael Guerreiro, Nico Schulz konnte seine Chancen nicht nutzen. Es fehlt auch die Fantasie, dass sich daran etwas ändern könnte. Rechts trägt die Hoffnung auf eine deutlich bessere zweite Saison von Meunier die wackeligen Planungen, Mateu Morey wird erst im Sommer 2022 wieder eine Option.

Soll die BVB-Defensive stabilisieren: Neuzugang Marin Pongracic (Mitte). © Florian Groeger © Florian Groeger

Defensives Mittelfeld: Dort ist Dortmund breit und gut aufgestellt. Jude Bellingham gehört die Zukunft, er hat in den ersten Partien angedeutet, dass er nach einem schon sehr ordentlichen ersten BVB-Jahr nochmals einen Sprung gemacht hat. Der Engländer wird zum Fixpunkt werden, seine positive Entwicklung ermöglichte dem BVB, Thomas Delaney zum FC Sevilla ziehen zu lassen. Dass Axel Witsel sich nach überstandenem Achillessehnenriss bei der EM stark zurückgemeldet hat, erfreut den BVB. Von seiner Erfahrung wird Dortmund profitieren. Mahmoud Dahoud ist aufgerufen, den starken Eindruck der zweiten Halbserie der Vorsaison zu bestätigen. Andere Alternativen gibt es auch noch: Can ist ebenso im defensiven Mittelfeld zu Hause, dem jungen Abdoulaye Kamara (erst 16 Jahre alt) wird eine zügige Weiterentwicklung zugetraut. In einem 4-3-3 könnten auf den Halbpositionen auch Julian Brandt oder Gio Reyna defensivere Aufgaben übernehmen.

Hat den BVB in Richtung Sevilla verlassen: Thomas Delaney. © imago images/Beautiful Sports © imago images/Beautiful Sports

Offensive und Sturm: Viel, wenn nicht fast alles hängt an einem gesunden Erling Haaland. Der Norweger ist der Unterschiedsspieler im Team und absoluter Torgarant. Auf den Wechselwunsch von Jadon Sancho hat Dortmund mit der Verpflichtung von Donyell Malen reagiert, dessen Verpflichtung einen Großteil der zur Verfügung stehenden Ablöse geschluckt hat. Malen ist schnell, anders als Sancho aber kein reiner Außenspieler und eher im 4-4-2 zu Hause – Anpassungsprobleme inklusive. Auf den Außenbahnen liegt unverkennbar eine weitere Schwäche: Starke Eins-gegen-Eins-Spieler sind rar. Thorgan Hazard bremst zudem immer wieder das Verletzungspech. Wenn Haaland gesund bleibt und Kapitän Marco Reus seinen frischen Eindruck der ersten Saisonwochen erhalten kann, ist die Offensive dennoch gut aufgestellt. Unterstützung in Form eines deutlich formverbesserten Brandt wäre dennoch wünschenswert und ist bei der Vielzahl der Spiele auch notwendig.

Wartet noch auf den Durchbruch: BVB-Neuzugang Donyell Malen (r.). © imago images/Sven Simon © imago images/Sven Simon

Fazit: Die erste Elf, die der neue Trainer Marco Rose bislang noch nie aufstellen konnte, ist allemal auch für höhere Weihen stark genug. Trotz eines quantitativ üppigen Kaders aber fehlt in der Tiefe auf einigen Positionen deutlich Qualität – längst nicht alle Umgestaltungswünsche konnten Sportdirektor Michael Zorc und sein Nachfolger Sebastian Kehl umsetzen. Probleme drohen offensiv wie defensiv auf den Außenpositionen. Dass Spieler wie Bürki, Wolf und Schulz, mit denen nicht geplant wird, in der Sommerperiode nicht an den Mann gebracht werden konnten, belastet den Etat und engt den Handlungsspielraum beim Umbruch ein.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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