Der BVB spielte zum ersten Mal unentschieden unter Coach Edin Terzic. © Christopher Neundorf/Kirchner-Media/pool
Borussia Dortmund

Der BVB in der Saison 20/21: Ein Schritt vor, einer zurück

Der BVB wird beim 1:1 gegen Mainz von altbekannten Problemen eingeholt. Ganz Dortmund rätselt über die Gründe für ein Phänomen, das Edin Terzic vor eine große Herausforderung stellt.

Die Tücken der Aufgabe, die Edin Terzic vor gut vier Wochen übernommen hat, waren Borussia Dortmunds neuem Trainer auch ohne den neuerlichen Beleg beim enttäuschenden 1:1 des BVB gegen Tabellenschlusslicht Mainz 05 bekannt. Geht es gegen Teams, die eigentlich nicht die Klasse und Kragenweite der Borussia besitzen, tut sich die Mannschaft zu oft schwer – und lässt deutlich zu oft Federn. Auch in dieser Saison, auch unter dem neuen Mann an der Seitenlinie.

BVB spielt das erste Remis unter Terzic

Das erste Remis unter dem neuen Trainer torpedierte den Dortmunder Sieg in Leipzig und ist ein Rückschlag bei der Aufholjagd auf dem Weg zurück in Tuchfühlung zur Spitze. „Natürlich“, meinte Terzic nach dem Spiel daher hörbar frustriert, „können wir mit diesem Resultat nicht zufrieden sein.“

Das Mainzer 1:0 durch Levin Öztunali, ein wunderschöner Distanzschuss in den Winkel (57.), egalisierte Thomas Meunier 16 Minuten später. Für mehr Zählbares auf der Anzeigetafel hätte vor allem Marco Reus sorgen können, der einen Elfmeter nach Foul an Meunier ziemlich kläglich verschoss (74.) und vor der Pause eine weitere Großchance (26.) vergab, als er allein vor Mainz-Keeper Zentner mit einem Lupfer scheiterte. „Dafür“, meinte der Kapitän zerknirscht, „muss ich mich bei der Mannschaft entschuldigen. Ich habe es nicht geschafft, das tut mir sehr, sehr leid!“

BVB-Sportdirektor Zorc: „Unser Spiel hatte Struktur, wir haben uns Chancen erarbeitet“

Fehlende Einstellung und Griffigkeit, wie öfter schon mal in der Vergangenheit in Spielen gegen Kellerkinder, waren am Samstag allerdings nicht das Problem der Borussia. Sie spielte eine gute erste Hälfte, in der sie das Spiel weitgehend kontrollierte, elf Mal auf das Mainzer Tor schoss und vier Hochkaräter herausspielte. „Unser Spiel hatte Struktur, wir haben uns Chancen erarbeitet. Daran lag es nicht“, meinte Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Erling Haalands Treffer nach nur 84 Sekunden fand wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung von Meunier auf der Außenbahn zu Recht keine Anerkennung, es ist keine zu waghalsige Prognose, dass es mit dieser Führung im Rücken eine andere Partie geworden wäre. Es war eher die fehlende Effektivität vor dem Tor.

BVB schwächelt gegen Mainz nach dem Seitenwechsel

Am Ende war das Remis für die Gäste allerdings auch nicht unverdient – Mainz traf durch Hack die Latte (64.) und durch Latza nach einer kopflosen Aktion von Manuel Akanji, der sich im eigenen Strafraum auf ein waghalsiges Dribbling einließ, noch den Pfosten (87.). Nur sechs eigene Torschüsse nach der Pause zeugen auch davon, dass es mit der von Zorc erwähnten Struktur nach dem Seitenwechsel nicht mehr weit her war.

Von einer bisweilen „chaotischen und hektischen Spielweise“ seiner Mannschaft sprach Terzic, „erst nach dem Gegentor haben wir uns wieder gefangen.“ Ein Treffer übrigens, der vom BVB begünstigt wurde, weil Torschütze Öztunali über einen Raum von 30 Metern den Ball nach vorne bringen durfte, ohne energisch gestört zu werden. In die gleiche Kerbe wie der Trainer schlug der Sportdirektor: „Leider“, gab Zorc zu, „war es dann nach der Pause etwas zu viel Wildwest bei uns.“

Remis gegen Kellerkind Mainz: Dortmund rätselt über die Gründe

Ganz Dortmund rätselt über die Gründe für ein Phänomen, das sich beinahe durch die gesamte Amtszeit von Lucien Favre zog und nun auch Terzic vor eine große Herausforderung stellt. Dortmund hat durch die Niederlagen in Augsburg, gegen Köln und Stuttgart, bei Union Berlin und jetzt durch das Remis gegen Mainz bereits so viel an Boden zur Spitze verloren, dass selbst die Qualifikation für die Champions League kein Selbstläufer wird. Union Berlin, die Überraschungself der Saison schlechthin bislang, drückt mit Macht von hinten, auch Wolfsburg ist ein ernsthafter Konkurrent für den BVB, der nun in eine Woche der Wahrheit startet. Binnen 72 Stunden geht es bei den Auswärtsspielen in Leverkusen und in Mönchengladbach darum, nicht noch weiter abreißen zu lassen. Ein Schritt vor, einer zurück – es ist ein Muster, das in Dortmund niemandem gefällt.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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