Dieser Elfmeter von BVB-Torjäger Erling Haaland gegen Augsburg landete an der Querlatte. © imago / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

Der BVB hat ein Elfmeterproblem – auf beiden Seiten des Spielfeldes

Der BVB hat die jüngsten drei Bundesliga-Elfmeter vergeben. Das Problem vom Punkt ist in Dortmund allerdings ein altbekanntes. Gleich zwei schwarze Serien gehen aufs Konto der Schwarzgelben.

Sie wollen einfach keine Freunde mehr werden, Borussia Dortmund und die Elfmeter. Gegen Augsburg am Samstag war es Erling Haaland, der einen Strafstoß verschoss – er donnerte den Ball an die Querlatte (21.). Am Ende siegte die Borussia trotzdem sicher mit 3:1, also war Haalands Fehlschuss vom Punkt nach dem Abpfiff kein allzu großes Thema. Trotzdem gab BVB-Trainer Edin Terzic unumwunden zu: „Von verschossenen Elfmetern haben wir die Schnauze voll.“ Aus gutem Grund. Denn dieses merkwürdige Problem mit Elfmetern, es ist nicht neu, die Borussia schleppt es schon sehr lange mit sich herum.

In der laufenden Saison erhielten die Schwarzgelben bislang vier Strafstöße zugesprochen. Nur einer davon landete im Tor: Haaland traf am ersten Spieltag gegen Mönchengladbach. Dann aber scheiterte Marco Reus in Bremen (er brachte erst den Nachschuss im Netz unter) sowie gegen Mainz und eben am Samstag Haaland gegen Augsburg. Kein anderer Bundesligist vergab in dieser Saison bereits drei Elfmeter.

Der BVB hält die zwei längsten Negativserien der Bundesliga-Historie

Ein Blick in die Bundesliga-Historie verrät: Zu den besten Strafstoß-Verwandlern zählte der BVB noch nie. Dortmunder Spieler verwandelten nur rund 73 Prozent ihrer Versuche vom Punkt. Zwei Prozent unter dem Durchschnitt aller Klubs. Mehr noch: Die Borussia hält die beiden längsten Negativserien der Bundesliga-Historie vom Elfmeterpunkt: Zwischen Mai 2010 und Mai 2011 verschoss Dortmund sechs Elfmeter nacheinander, darunter alle fünf in der Meistersaison 2010/11 unter Jürgen Klopp. Längst legendär ist das Video, als auf dem Meisterkorso 2011 ein Fan ein Schild auf den Mannschaftstruck zu Jürgen Klopp hinaufreicht, auf dem geschrieben steht: „Elfmeterschießen üben“.

Doch auch die Helden der 60er-Jahre hatten ihre Probleme mit den Elfern: Zwischen November 1963 und Januar 1965 vergaben Lothar Emmerich, Reinhold Wosab und Co. gar sieben Mal in Serie. Den negativen Einzelrekord der Bundesliga hält Borusse Nuri Sahin, der viermal nacheinander antrat und verschoss. Auch der aktuelle Sportdirektor des BVB weiß, wie sich ein Fehlschuss vom Punkt anfühlt. Acht Mal landete ein Schuss von Michael Zorc nicht im Tornetz. Allerdings darf er dennoch auf eine gute Quote verweisen, denn er traf 49 von 57 Elfmetern (86 Prozent). Kein Borusse schoss mehr als er.

Ex-BVB-Stürmer Marcio Amoroso mit hundertprozentiger Ausbeute

Von allen Dortmundern, die öfter als fünf Mal zum Elfmeter antraten, hat laut der Statistik des Daten-Dienstleisters Deltatre einzig der Brasilianer Marcio Amoroso eine hundertprozentige Ausbeute (neun von neun verwandelt).

Und da wäre noch mehr. Denn es gilt ja ebenso die Elfmeter zu bilanzieren, die gegen den BVB verhängt wurden. Und auch hier müssen die Fans tapfer sein: In der Bundesliga-Geschichte brachten die Gegner 179 von 233 Strafstößen gegen Dortmund im Tor unter. Die 77 Prozent Trefferquote liegen also deutlich über der Erfolgszahl der BVB-Schützen (73 Prozent). Der letzte echte Elfmeter-Killer der Borussia hieß Stefan Klos. Das Dortmunder Torhüter-Eigengewächs hielt Mitte der 90er-Jahre im Schnitt jeden vierten Strafstoß (sechs von 24).

BVB-Torhüter Roman Bürki wartet auf den ersten gehaltenen Elfmeter

Auch die Paraden-Quote von Eike Immel und Teddy de Beer (je 14 Prozent) konnte sich sehen lassen. Der aktuelle Stammkeeper Roman Bürki lechzt dagegen noch immer nach seinem allerersten Erfolgserlebnis gegen einen Elfmeterschützen. Alle 20 Strafstöße in der Bundesliga gegen Bürki (davon 18 in Diensten des BVB) waren drin.

Den Negativrekord im deutschen Oberhaus hält Michael Rensing (23 Strafstöße, 23 Gegentore). Ein harter Fakt aus BVB-Sicht: 21 der jüngsten 22 Strafstöße landeten im BVB-Tor. Letztmals einen Strafstoß in der Liga hielt ein BVB-Keeper vor mehr als sieben Jahren, im Oktober 2013: Roman Weidenfeller. Aber die Parade war dafür besonders schön: Es war auf Schalke. Und am Ende stand ein 3:1-Derbyerfolg für die Borussia.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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