Borussia Dortmund

Der BVB-Check: Haaland stellt auch Alcacer, Koller und Chapuisat in den Schatten

Seit Erling Haaland das BVB-Trikot trägt, trifft der Norweger nach Belieben. Auch im Vergleich zu seinen Vorgängern bei Borussia Dortmund sticht die Torquote des 21-Jährigen heraus.
Unerreicht: Erling Haalands Torquote ist unter den BVB-Stürmern der vergangenen 30 Jahre einmalig. © dpa

Beim BVB hat sich Erling Haaland mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Willensstärke, Ehrgeiz, Einsatz und einer unnachahmlichen Treffer-Quote in kürzester Zeit in die Herzen der schwarzgelben Fans geschossen. In bislang 64 Spielen für Borussia Dortmund hat der 21-Jährige 63 Tore erzielt und 18 weitere Treffer vorbereitet. 43 dieser Tore sowie 14 der Assists ergeben sich aus 46 Bundesliga-Partien. Eine beeindruckende Ausbeute, mit der Haaland die erfolgreichsten BVB-Torjäger der vergangenen 30 Jahre in seinen riesigen Schatten stellt. Wir blicken zurück:


Paco Alcacer sichert sich uralten Bundesliga-Rekord im BVB-Trikot:

Vor Erling Haaland ließ Paco Alcacer beim BVB Tor-Rekorde purzeln. Der Spanier war beim FC Barcelona zuvor lange Edel-Reservist hinter Luis Suarez und konnte fitnessbedingt nach seiner Ankunft in Dortmund im August 2018 nicht gleich über 90 Minuten eingesetzt werden. Als Joker war Alcacer umso gefährlicher: Bis zu seinem 9. Bundesliga-Tor brauchte er nur 237 Spielminuten – damit unterbot der Spanier den Uralt-Rekord des Hamburgers Charly Körbel aus der Saison 1963/1964 (565 Minuten) um satte 328 Minuten.

Im gegnerischen Strafraum kaum zu halten: Paco Alcacer. © dpa © dpa

Doch sein Pulver hatte der Spanier recht schnell verschossen. Obwohl insgesamt 26 Treffer und vier Vorlagen in 47 Pflichtspielen für den BVB zu Buche stehen, hatte der verletzungsanfällige Alcacer in seinen letzten Monaten beim BVB Probleme, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Er verließ den BVB Anfang 2020 in Richtung Villarreal – in der gleichen Transferphase, in der Haaland beim BVB anheuerte.

Pierre-Emerick Aubameyang trifft 141 Mal für den BVB:

Von Juli 2013 bis Ende Januar 2018 sorgte Pierre-Emerick Aubameyang beim BVB für Gefahr vorm gegnerischen Kasten. 213 Mal stand der exzentrische Gabuner für Borussia Dortmund auf dem Platz – 141 Treffer und 36 Vorlagen steuerte der pfeilschnelle Stürmer in diesen Auftritten für den Mannschaftserfolg bei.

Treffsicher: Pierre-Emerick Aubameyang überwindet Bayern-Keeper Sven Ulreich zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung im Supercup 2017. Im Elfmeterschießen musste sich der BVB den Bayern 4:5 geschlagen geben. © dpa © dpa

So schillernd und treffsicher Aubameyang bei der Borussia für Aufmerksamkeit sorgte, so unrühmlich war auch sein Abgang. Der Gabuner wollte den BVB unbedingt verlassen, trotz eines noch bis 2021 gültigen Arbeitspapiers. Aubameyang streikte – bis er seinen Willen bekam und für 63,75 Millionen Euro Ablöse zum FC Arsenal wechselte. Für den BVB ergab sich wirtschaftlich ein sattes Plus, hatten die Schwarzgelben 2013 doch nur 13 Millionen an St. Etienne überwiesen.

Doch der Streik befeuerte eine Diskussion über den Sittenverfall im Fußball. „Zuerst einmal sorry für alles, was im letzten Monat geschehen ist. Aber ich wollte schon letzten Sommer wechseln, da klappte es nicht, aber jetzt musste es sein“, schrieb Aubameyang später bei Instagram. „Vielleicht war es nicht der beste Weg, für den ich mich entschieden habe, aber jeder weiß, dass Auba verrückt ist – und ja, ich bin ein verrückter Junge, hahahaha! Ich habe Fehler gemacht, aber nie in böser Absicht.“

Hans-Joachim Watzke reagierte mit einer klaren Ansage. „Ich habe der Mannschaft klipp und klar gesagt: Der nächste Spieler, der so etwas macht, wird kläglich scheitern“, sagte der BVB-Boss der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Der bekommt ein riesengroßes Problem.“ Der nächste Akteure werde damit nicht durchkommen – „und auf der Tribüne sitzen“, erklärte Watzke.


Robert Lewandowski schießt den BVB zu drei Titeln:

Vor und kurze Zeit mit Aubameyang stürmte Robert Lewandowski für den BVB. Der Pole kam 2010 für 4,75 Millionen Euro Ablöse von Lech Posen nach Dortmund und entwickelte sich im Ruhrgebiet zu einem der besten Angreifer der Welt, ehe er die Schwarzgelben 2014 ablösefrei Richtung FC Bayern verließ. Nach kurzen Anlauf-Schwierigkeiten startete Lewandowski richtig durch: In 187 Pflichtspielen steuerte er 103 Tore und 42 Vorlagen bei.

Mit dem alten gegen den neuen Arbeitgeber: Robert Lewandowski (l.) für den BVB im Einsatz gegen den FC Bayern. © dpa © dpa

Und Erfolg gab es in diesen Jahren reichlich: 2011 und 2012 wurde die Borussia Deutscher Meister, gewann 2012 zudem den DFB-Pokal. Trainer Jürgen Klopp prägte diese Ära – doch auch Lewandowski, der kurz vor seinem Wechsel nach München 2014 mit 20 Toren Bundesliga-Torschützenkönig wurde, hatte entscheidenden Anteil an den Titeln.


Lucas Barrios wechselt aus Chile zum BVB:

Auch Lucas Barrios beförderte das Runde unter Jürgen Klopp regelmäßig ins Eckige – zumindest in den ersten Jahren. Er kam 2009 für 4,2 Millionen Euro Ablöse von CSD Colo-Colo aus Chile zum BVB und brachte es in 102 Spielen auf 49 Tore und 17 Vorlagen.

Ball versenkt: BVB-Torschütze Lucas Barrios (l.) feiert im November 2010 mit Shinji Kagawa seinen Treffer zum 2:0 gegen den Hamburger SV. © dpa © dpa

Doch in der Saison 2011/2012 hatte Barrios erst mit Verletzungen zu kämpfen – und fand sich dann in der internen Hackordnung hinter Robert Lewandowski wieder. In seiner letzten Spielzeit in Dortmund brachte es der Südamerikaner noch auf vier Tore in 18 Bundesliga-Spielen. Im Sommer 2012 wechselte er dann für rund 8,5 Millionen Euro Ablöse zu Guangzhou Evergrande nach China.


Jan Koller avanciert beim BVB zum Publikumsliebling:

Eine echte Größe im BVB-Sturm war von 2001 bis 2006 Jan Koller. Der 2,02 Meter große Tscheche kam für 10,5 Millionen Euro Ablöse vom RSC Anderlecht und war von Beginn an ein Dreh- und Angelpunkt im Dortmunder Spiel. In 184 Partien für die Borussia traf Koller 79 Mal, weitere 32 Tore bereitete der Publikumsliebling vor. 2002 gewann er mit dem BVB um Trainer Matthias Sammer die Meisterschaft.

Bei BVB-Fans unvergessen ist Kollers Auftritt beim Spiel gegen den FC Bayern am 9. November 2002. Nachdem der Tscheche früh zur 1:0-Führung getroffen hatte, drehten die Münchner das Spiel in der zweiten Hälfte, gingen durch Treffer von Roque Santa Cruz und Claudio Pizarro mit 2:1 in Front.

Erst Torschütze, dann Torwart: BVB-Legende Jan Koller. © dpa © dpa

Als Keeper Jens Lehmann für seinen lautstarken Protest nach dem zweiten Bayern-Treffer die Gelb-Rote Karte sah, konnte der BVB nicht mehr wechseln. Koller streifte sich Lehmanns Torwart-Trikot und -Handschuhe über – und hielt den Dortmunder Kasten in den verbleibenden 24 Spielminuten sauber. Nach einer langen Verletzungspause wechselte Koller 2006 ablösefrei zur AS Monaco.


Marcio Amoroso schießt den BVB zur Meisterschaft:

Kollers kongenialer Sturmpartner hieß Marcio Amoroso. Der Brasilianer kam ebenfalls 2001 zum BVB, für eine Ablösesumme von etwa 25 Millionen Euro vom AC Parma. In 89 Spielen für den BVB traf Amoroso 43 Mal und legte 13 weitere Tore vor. Besonders sein Start in Dortmund war überzeugend: In seiner Einstandssaison wurde Amoroso mit 18 Toren Torschützenkönig der Bundesliga und schoss den BVB zur Meisterschaft 2002.

Feierte mit dem BVB die Meisterschaft 2002: Marcio Amoroso. © pidpa © pidpa

Doch danach ging es – auch wegen Verletzungsproblemen – allerdings rapide bergab mit den Leistungen des Brasilianers. In der Saison 2002/2003 traf Amoroso in 24 Bundesliga-Spielen nur sechs Mal. Nach einem Innenbandriss im September 2003, den der Brasilianer in seiner Heimat auskurieren wollte, kam es zu öffentlichen Differenzen zwischen Amoroso und dem BVB-Vorstand – mit dem Ergebnis, dass sein Arbeitspapier im April 2004 aufgelöst wurde.


Stephane Chapuisat feiert mit dem BVB den Champions-League-Triumph:

Von 1991 bis 1999 war Stephane Chapuisat der Haupt-Verwerter schwarzgelber Angriffsbemühungen. Nachdem der Schweizer für umgerechnet rund 1,35 Millionen Euro von Bayer Uerdingen zum BVB gewechselt war, erzielte er für die Dortmunder Borussia in 284 Spielen 123 Tore – und legte weitere 64 für seine Mitspieler auf.

Erlebte titelreiche Jahre mit dem BVB: Stephane Chapuisat. © dpa © dpa

Mit „Chappi“ im Sturm und Ottmar Hitzfeld auf der Trainerbank gewann der BVB 1995 und 1996 die Meisterschaft – sowie 1997 den bislang einzigen Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte. Auch mit dem Weltpokalsieg in der Saison 1997/1998 kann sich der Schweizer rühmen. 1999 wechselte Chapuisat für rund 650.000 Euro Ablöse zu den Grasshopper Zürich.

Der BVB hatte in den vergangenen 30 Jahren viele brillante wie erfolgreiche Torjäger in seinen Reihen – doch an die Treffer-Quote eines Erling Haaland reicht keiner der ehemaligen Schwarzgelben heran. 63 Tore und 18 Vorlagen in 64 Spielen: Diese Effizienz ist in der Neu-Zeit der Dortmunder Vereinshistorie unerreicht.

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