Mahmoud Dahoud bejubelt seinen Treffer zum 1:1 gegen den FC Sevilla. © imago / Agencia EFE
Borussia Dortmund

Dahoud nutzt beim BVB die Gunst der Stunde – aber reicht das?

Viel zu selten zeigt Mahmoud Dahoud beim BVB sein immenses fußballerisches Potenzial. In Sevilla überzeugte der 25-Jährige spielerisch und kämpferisch. Gelingt doch noch der Durchbruch?

Ein bisschen ungläubig schaute er sich um, dann reckte Mahmoud Dahoud zögernd die Hände gen Nachthimmel. So, als ob er selbst gar nicht recht glauben konnte, was ihm da gerade gelungen war. Dahoud, 25, hat sich beim 3:2 der Dortmunder Borussia in Sevilla zurückgemeldet. Eindrucksvoll. Sein Treffer zum 1:1: einer der Marke sehenswert. Er führte den BVB zurück in eine Partie, die so gar nicht nach Plan begonnen hatte.

Mahmoud Dahoud trifft beim BVB zu oft die falschen Entscheidungen

Endlich, mögen manche gedacht haben, die ihm schon immer glänzende Perspektiven als Fußballer attestiert hatten. Gezeigt hat er davon im Trikot des BVB allerdings nur sporadisch etwas. Dahoud, das war so etwas wie das schlampige Genie, „überragend am Ball“, wie Mitspieler Julian Brandt mal über den Deutsch-Syrer gesagt hat. Es gab wenig Zweifel daran, dass ihm mit dem Ball am Fuß kaum Grenzen gesetzt sind. Dahouds Problem: Er traf in wichtigen Situationen sehr oft die falsche Entscheidung.

Nach Haalands Seitenverlagerung den Ball an- und mitzunehmen, einen Haken um seinen Gegenspieler zu schlagen und dann mit Herz und Hirn den aus seiner Sicht rechten oberen Torwinkel Sevillas anzuvisieren, war diesmal zweifelsfrei eine gute und richtige Entscheidung. Dahoud traf den Ball mit perfekter Technik, unhaltbar flog er ins Netz. Der Treffer, er war eine Befreiung. Für Dahoud, für den unter Druck stehenden Trainer Edin Terzic und für den BVB, der danach die Partie an sich riss und den Grundstein zum Sieg legte.

Mahmoud Dahoud nutzt in Sevilla die Gunst der Stunde

Das habe sich sehr gut angefühlt, gab er später glückselig zu Protokoll, und da war Mahmoud Dahoud wieder eher schüchtern. So, als ob es ihm unangenehm sein würde, im Rampenlicht zu stehen. Genau da aber möchte er andererseits öfter sein. Doch auch in dieser Saison, seiner vierten bei Borussia Dortmund, auch unter dem neuen Trainer Terzic, ging es nicht in Richtung Stammplatz. Dahoud frustrierte seine Situation so dermaßen, dass er im Januar vor dem Spiel in Leipzig einen Disput mit Terzic vom Zaun gebrochen haben soll. Zwei Spiele war er anschließend suspendiert, seine Lage änderte sich anschließend nur unwesentlich.

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Dortmund Airport: Die BVB-Rückkehr aus Sevilla

In Sevilla nutzte er die Gunst der Stunde. Man habe das Zentrum verengen wollen, erklärte der nicht nachtragende Terzic die Taktik, um Mittelmann Emre Can herum mussten Dahoud und Jude Bellingham Schwertarbeit leisten, viel laufen und Räume schließen. Das gelang im Verbund 45 Minuten lang sehr gut, nach der Pause mit nachlassenden Kräften immer noch ordentlich, auch wenn das zweite Gegentor unnötig war und schmerzte. Dortmund verteidigte als Team diszipliniert, auch Terzic aber gab zu, dass Dahoud nicht nur wegen des Treffers „herausgestochen“ habe.

Der BVB steht im Sommer vor einem Umbruch – mit Dahoud?

Der im Sommer anstehende Umbruch beim BVB wird das Gesicht des Kaders deutlich verändern. Dahouds Name war immer einer der ersten auf einer imaginären Streichliste. Das lag an seinen geringen Spielanteilen, die auch nicht in Relation zu seinem sehr gut dotierten Vertrag stehen, der zudem 2022 endet. Im Sommer lautet also die Frage: verlängern oder verkaufen?

Die Tendenz geht wohl eher in die zweite Richtung, wobei das passende Angebot bislang noch nicht dabei war. Ob sich daran noch grundlegend etwas ändern wird, liegt am 25-Jährigen allein. Nur sporadisch so gut zu sein, wie alle immer über ihn sagen, wird an der bisherigen Bewertung nichts ändern. Das Ausrufezeichen, dass Mahmoud Dahoud in Sevilla mit seinem Treffer setzte, könnte bei einer Qualifikation fürs Viertelfinale aber immerhin 10,5 Millionen Euro wert sein. Und dürfte Dahouds Standing bestimmt nicht geschadet haben.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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