Der Druck auf BVB-Trainer Edin Terzic wird immer größer. © imago / Uwe Kraft
Meinung

BVB-Zahlen des Schreckens: Der Druck auf Edin Terzic wird immer größer

Der BVB-Absturz setzt sich beim 2:2 gegen Hoffenheim fort - und der Blick in die Statistik offenbart erschreckende Zahlen. Der Druck auf Edin Terzic wird immer größer. Dirk Krampe kommentiert.

Die Interpretation von Wahrheiten führt manchmal in verschiedene Richtungen. Das ist nicht nur bei Borussia Dortmund so, aber dort gerade besonders extrem. Mats Hummels, der die Borussia beim 2:2 gegen Hoffenheim als Kapitän aufs Feld geführt hatte, bekundete nach dem nächsten nicht gewonnenen Spiel mit fester Stimme, an seiner schon in der Vorwoche geäußerten Meinung festhalten zu wollen. Hummels hatte nach dem 1:2 in Freiburg weniger eine Qualitäts-, Mentalitäts-, Konzentrations- oder sonstige Debatte führen wollen. Er hatte vor allem das derzeit fehlende Spielglück als Grund für die Krise festgemacht. Hummels erklärte, dass Edin Terzic vieles in die richtigen Bahnen gelenkt hätte.

Und er verbreitete Optimismus, als er sagte, dem BVB fehle gar nicht viel, um endlich wieder erfolgreich zu sein. Von der sportlichen Führung um Sportdirektor Michael Zorc und seinen Nachfolger in spe, Sebastian Kehl, gab es als Untermauerung für diese These größtmögliche Rückendeckung für den neuen Trainer. Tenor: Trotz der miesen Bilanz liege es nun wirklich nicht an Terzic. Die Mannschaft, dabei die erfahrenen Spieler im Speziellen, sei gefordert.

Terzic holt mit dem BVB 14 von 30 möglichen Bundesliga-Punkten

Ein Punkt allerdings, musste Hummels nun nach dem nächsten Dämpfer indirekt einräumen, wiegt auf Dauer schwerer als eine Entwicklung, die zwar schon im Training, aber eben zu selten im Spiel abzulesen ist. Wenn unter der Woche, führte der 32-Jährige aus, Intensität und Griffigkeit nun deutlich höher seien als noch vor einigen Wochen, werde sich das auch in den Spielen niederschlagen. Doch am Ende, musste Hummels zugeben, sei Fußball aber „natürlich ein Ergebnisspiel.“ Bleiben diese aus, sind jedwede Entwicklungsschritte irgendwann kein Kriterium mehr.

Mit dem Remis von Samstag hat sich Terzics Bundesliga-Bilanz nicht gerade verbessert. Er hat nur 14 von 30 möglichen Bundesliga-Punkten geholt. Selbst ein Mats Hummels wird zugeben müssen, dass das nicht nur marginal hinter den Erwartungen zurückliegt und deutlich zu wenig ist für einen Klub mit den Ansprüchen des BVB. Die Wahrheit nach dem 2:2 gegen Hoffenheim war auch, dass es am Ende sogar ein schmeichelhaftes Remis für die Borussia war. Denn die Gäste schossen doppelt so oft aufs Tor wie Dortmund, deren sechs Torschüsse einen Minusrekord in dieser Saison darstellen.

Nach Sanchos Treffer schießt der BVB nur noch zweimal aufs Tor

Die TSG erspielte sich auch 7:1-Ecken und hatte ein Plus bei den Großchancen. Nach dem 1:0-Führungstreffer durch Jadon Sancho (24.) schoss der BVB überhaupt nur noch zwei Mal aufs Tor der Kraichgauer. In einem Heimspiel. Das sind Zahlen des Schreckens, die auch nicht durch den Verweis auf eine langfristig positive Prognose wegzudiskutieren sind.

Wenn am Sonntag die Konkurrenz aus Wolfsburg und Frankfurt am Ball ist, werden die BVB-Verantwortlichen mit Sorge auf den Bildschirm schauen. Der Rückstand auf Platz vier könnte auf sechs Zähler anwachsen, ein weiteres Abrutschen in der Tabelle wäre noch am ehesten zu verschmerzen, weil Gladbach dazu in Wolfsburg gewinnen müsste und deren Vorsprung auf den BVB damit schrumpfen würde.

Ausbleibende Ergebnisse erhöhen den Druck auf BVB-Trainer Terzic

Die Frage, die natürlich alle umtreibt: Wie kommt der BVB raus aus der Misere? Mit harter Arbeit, das ist selbstverständlich. Aber braucht der Klub vielleicht auch einen Impuls durch einen nächsten Trainerwechsel? Die Aussagen der Verantwortlichen von vor sieben Tagen waren an Deutlichkeit kaum zu übertreffen und sprechen eigentlich nicht dafür, dass die Gedankenspiele bei Borussia Dortmund in diese Richtung gehen. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass die gutmeinenden Worte von der Realität überholt werden würden. Die ausbleibenden Ergebnisse erhöhen den Druck auf Terzic, das ist Fakt. Irgendwann werden sich auch die Bosse den tabellarischen Realitäten nicht mehr entziehen können.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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