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Borussia Dortmund II

BVB-U23 verliert erstmals – „Jetzt zeigt sich der Charakter“

Borussia Dortmunds U23 verliert erstmals seit 263 Tagen. Ein ehemaliger BVB-Spieler schießt Rödinghausen zum 2:1-Auswärtssieg. Kapitän Steffen Tigges hadert - und blickt voraus.

Taylan Duman hauchte nur ein gequältes „Ohhh Gott“ in den Dortmunder Abendhimmel. Gerade war ihm ein Freistoß völlig missraten. Seine Hereingabe, die eigentlich zum 2:2 hatte führen sollen, flog statt gefährlich scharf in den Strafraum schnurstracks in die Hände von Rödinghausens Tormann Alexander Sebald – Chance vertan. Wenig später endete die Partie, der BVB II verlor mit 1:2 (0:1). Und Duman brauste geknickt nach Hause.

Duman ist BVB-U23-Unglücksrabe gegen Rödinghausen

Es gibt so Tage, da will es nicht klappen. Diese schmerzende Erkenntnis macht jeder mal. Sie ist nicht zu verhindern, irgendwann kommt sie doch. Für Duman, der seit Saisonstart herausragend gute Leistungen fabriziert hatte, war der Mittwoch ein solcher Tag. Denn nicht nur diesen Freistoß verzog er, kurz vor der Halbzeit bekam der 23-Jährige zudem die Gelegenheit, per Elfmeter zum 1:1 zu treffen – Sebald parierte. Dumans erster Fehlschuss in dieser Saison.

Zuvor hatte er vier Strafstöße verwandelt, den am Mittwochabend „muss er konzentrierter schießen, klar. Aber das macht er natürlich nicht mit Absicht“, sagte Trainer Enrico Maaßen – und zählte auf, was an diesem für Duman und für die gesamte Belegschaft eher unterdurchschnittlichen Tag darüber hinaus nicht wie gewünscht verlaufen war. „Die ersten 15, 20 Minuten waren nicht so, wir wir uns das vorgestellt haben“, da vermisste Maaßen Präsenz und Konsequenz.

BVB-U23 wird von Keeper Stefan Drljaca im Spiel gehalten

Die Prinzipien, die er mit seinem Team erarbeitet hat, konnten höchstens fragmentarisch begutachtet werden in dieser Anfangsphase. Den BVB beschäftigte vor allem die Defensivarbeit, er erwirkte zu wenig Entlastung – und hatte in zwei, drei Situationen Glück. „Drille“, sagte Kapitän Steffen Tigges in Bezug auf Keeper Stefan Drljaca, „Drille hat uns gut im Spiel gehalten, als wir noch geschlafen haben.“ Es habe an der „hundertprozentigen Intensität und Aggressivität“ gemangelt.

Und als sich die Borussia dann langsam aus der Umklammerung befreit hatte, fiel das 0:1. Yassin Ibrahim, früher selbst im schwarzgelben Dortmunder Dress auf Torejagd, traf nach einem Konter; Maximilian Hippe, neben Coach Maaßen, Co-Trainer Sebastian Block und Sechser Franz Pfanne einer von vier BVB-Angestellten mit Rödinghausen-Vergangenheit, löste fälschlicherweise die Dreierkette auf – und Ibrahim verwandelte.

BVB-U23 fehlte Präzision und Glück gegen Rödinghausen

Ebenso wie in der zweiten Hälfte, genauer: in der 62. Minute, als der flinke Angreifer, den es 2019 aus der A-Jugend des BVB zu den Würzburger Kickers verschlagen hatte, zum 2:0 traf. Davor und danach drängte die Borussia auf das gegnerische Tor, allein die letzte Präzision und – wohl auch – das Quäntchen Glück fehlten. Bei Duman und dessen Kollegen wie Youngster Ansgar Knauff, Richmond Tachie oder Tigges.

„Das Tor“, meinte Maaßen, „war wie vernagelt.“ In weiten Teilen des Spiels. Nur Angreifer Tigges gelang doch noch ein erfolgreicher Abschluss – in der 84. Minute per Linksschuss aus der Drehung. Er kurbelte mit beiden Armen, animierte zum finalen Sturmlauf. Doch die Angriffe, immer wieder unterbrochen von nölenden oder wild um sich grätschenden Gästen, brachten nicht mal mehr das Minimalziel Unentschieden. „Sehr, sehr ärgerlich“ sei das, meinte Maaßen.

BVB-U23-Coach Maaßen: „Rödinghausen hat es gut gemacht“

Die formidable Erfolgsserie hat diese Pleite unterbrochen. Nach zwölf Regionalliga-Partien, die der BVB in dieser Saison ungeschlagen hinter sich bringen konnte, setzte es mal wieder eine Niederlage. Erstmals seit 263 Tagen, als die Borussia Anfang März mit 0:2 verlor – gegen den SV Rödinghausen, der damals noch von Maaßen verantwortet wurde. „Rödinghausen hat es gut gemacht“, betonte er jetzt, „ich habe immer gesagt, dass es eine Top-Mannschaft ist“.

Eine, die sich zudem nicht vor dem harten Infight scheut – und die Grenzen des Erlaubten gegen den BVB zumindest austestete unter Mithilfe des Unparteiischen Martin Uiankiewicz, der an diesem Tag nicht die nötige Autorität besaß. Maaßen mochte nicht darauf eingehen, bekräftigt lieber, was seine Mannschaft nicht zur hundertprozentigen Zufriedenheit erledigt habe – und richtete den Blick nach vorn: „Wir müssen es wieder schaffen, von Beginn an unsere Leistung zu bringen.“

BVB-U23 muss sich nach „Nackenschlag“ wieder fangen

Tigges, ebenso wie Duman mit acht Tore an der Spitze der Dortmunder Treffer-Hitliste, sagte: „Bisher hat immer alles geklappt, es ging bergauf von Anfang an. Jetzt zeigt sich, welchen Charakter die Mannschaft hat.“ Er sei guter Dinge, dass das Team nach dem „Nackenschlag“ (O-Ton Tigges) zurückkommen werde, „weil wir einen guten Team-Spirit haben und viel Qualität“. All dies hat der BVB II schon zu Genüge präsentiert. Am Sonntag ist es in Bergisch Gladbach gefragt.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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