Taylan Duman im Sommertrainingslager der BVB-Profis. © Noah Wedel
Borussia Dortmund II

BVB-Talent Duman: „Er könnte in jeder europäischen Mannschaft spielen“

U23-Spieler Taylan Duman überzeugt aktuell in der Regionalliga, im vergangenen Jahr trainierte er noch bei den BVB-Profis mit. Welchen Spieler er am meisten schätzt, erzählt er im Interview.

14 Spiele, neun Tore, sechs Assists und viele gute Ideen fürs Offensivspiel – Taylan Duman spielt bisher eine herausragende Regionalliga-Saison. Bei Borussia Dortmunds U23 gehört der 23-Jährige zu den unumstrittenen Leistungsträgern und wurde vor Weihnachten heftig vermisst. Duman fehlte seinerzeit verletzt. Im Interview spricht er darüber, berichtet von seiner neuen Rolle beim BVB II – und erzählt von seiner Zeit bei den Dortmunder Profis.

Herr Duman, wie geht es Ihnen nach dem Haarriss im Knochen und dem Knochenödem? Wie verläuft die Genesung?

Mir geht es sehr gut. Die Therapie hat so angeschlagen, wie ich es wollte. Seit ein paar Tagen bin ich wieder im Training, das freut mich natürlich sehr.

Also können Sie jetzt wieder völlig risikofrei spielen?

Die Flüssigkeit im Knie ist rückläufig, das ist positiv. Ich habe überhaupt keine Schmerzen mehr. Deshalb bin ich sehr guter Dinge. Außerdem arbeite ich jetzt viel im präventiven Bereich, mache vor dem Training Übungen. Unsere Athletiktrainer beraten mich.


Ende 2020 wollten Sie unbedingt diese Behandlung vorantreiben, um keinen Bruch des Knochens zu riskieren. Das hätte eine lange Ausfallzeit bedeutet. Bis zu dieser Zwangspause verlief die Spielzeit sehr gut für Sie auf neuer Position. Wie ergab es sich, dass Sie seit dem Sommer als rechter Schienenspieler auflaufen?

Ich war ja vor Saisonbeginn und in der Vorbereitung komplett bei den Profis und habe auf der Außenposition gespielt, wenn auch etwas offensiver. Mit Enno (Enrico Maaßen, U23-Trainer, d. Red) habe ich später darüber gesprochen und ihm vorgeschlagen, mich mal rechts außen zu testen. Erst meinte er, er plane mit mir auf der Zehner-Position. Dann haben wir es aber probiert und es lief auf Anhieb super. Im zentralen Mittelfeld gibt es mehr Konkurrenz, daher bin ich voll davon überzeugt. Und darüber hinaus macht es mir rechts unglaublich viel Spaß.

Welche Aufgaben kommen Ihnen auf diesem Außenposten konkret zu?

Der Coach gibt mir recht viele Freiheiten. Ich muss nicht immer nur die Linie entlanglaufen, sondern kann auch mal nach innen dribbeln und insgesamt viel in die Offensive investieren. Defensiv muss ich immer wieder einrücken, das fällt mir hin und wieder noch schwer, ich bin schließlich gelernter Offensivspieler. Meine Rückwärtsbewegung muss ich also weiter verbessern. Stellungsfehler werden schnell bestraft. Bisher klappt es allerdings ganz gut.

Sie sind nicht der schnellste Spieler auf dem Platz – wie ist dies auf der Außenposition zu kompensieren?

Es stimmt schon. Hätte ich die Geschwindigkeit eines Achraf Hakimi, würde es mir leichter fallen. Nur habe ich die eben nicht. Ich bin nicht langsam, wenn ich allerdings sehe, dass ein Gegenspieler vor allem über seine Schnelligkeit kommt, muss ich mich anpassen und vielleicht etwas tiefer und im Raum stehen. Die Spielintelligenz ist also wichtig, ich muss klug antizipieren. Mein absoluter Lieblingsspieler bei den Profis ist Raphael Guerreiro. Für mich ist er der intelligenteste Spieler, mit dem ich je gespielt habe. Er ist auch nicht der schnellste. Aber er hat trotzdem alles unter Kontrolle. Und wer sich die BVB-Partien genauer ansieht, wird feststellen: Fast jeder Angriff läuft über ihn.

Guerreiro spielt links, Sie rechts. Ist dieser Außenposten in wenigen Monaten zu Ihrer liebsten Position geworden? Früher haben Sie das zentrale offensive Mittelfeld als favorisierten Arbeitsplatz angegeben.

Ich mag beide Positionen – und spiele dort, wo mich der Trainer haben will. Ich liebe es, Tore zu schießen und vorzubereiten. Auf der Zehn ist man ein wenig offensiver, klar. Derzeit gefallen mir allerdings diese Freiheiten, die ich bei Enno habe. So offensiv wie wir gerade spielen, liegt mir das auf jeden Fall. Das passt.

In der Tat. Das war noch mal sehr eindrücklich zu sehen, als Sie in den letzten vier Spielen 2020 nur zuschauen konnten. Sowohl Florian Krebs als auch Ansgar Knauff und Haymenn Bah-Traore versuchten sich auf rechts – mit durchschnittlichem Erfolg.

Wir waren eine eingespielte Mannschaft, jeder kannte die Abläufe des anderen. Dann reingeworfen zu werden, ist einfach nicht leicht. Alle drei sind top Fußballer und haben auf dieser für sie ungewohnten Position alles gegeben. Ein paar Spiele mehr und auch sie hätten die Position angenommen.

Während Ihrer Abwesenheit kam die Mannschaft zu einem Sieg und gleich drei Remis, sie schaffte es auf Platz zwei in die Mini-Winterpause. Wie ist der BVB II so schnell zum Top-Team geworden?

Wir sind alle gut drauf, sind zu Saisonbeginn in einen richtigen Flow geraten. Außerdem haben wir zwei, drei wirklich gestandene Spieler dabei. Wir können auf eine Achse zurückgreifen, das ist ein ganz wichtiger Faktor. Spieler wie Franz Pfanne oder Niklas Dams können das Team tragen und Spieler wie mich entlasten. Wir haben alle viel Talent, das allein bringt aber keine Punkte – in der vergangenen Saison haben wir das gesehen (Dortmunds U23 wurde Tabellenneunter, d. Red.). Gegen erfahrene, abgezockte Teams taten wir uns häufig schwer. Jetzt können wir dagegenhalten – und auch enge Spiele für uns entscheiden.

Wie wirkt die Achse Dams-Pfanne-Tigges konkret auf die Mannschaft ein?

Es ist immer von großer Bedeutung, die Drangphasen des Gegner zu überstehen. Das fiel uns in der vergangenen Saison sehr schwer, jetzt halten uns Dams und Pfanne hinten zusammen. Sie geben uns Stabilität, richten uns auf, wenn wir mal niedergeschlagen sind. Und über Steffen Tigges im Sturm brauche ich nicht viel sagen. Er macht es überragend, trifft und arbeitet unheimlich viel für die Mannschaft. Deshalb freut es mich ungemein, dass er aktuell oben bei den Profis dabei ist.

Dadurch droht jedoch die Achse zu zerspringen. Würde dem BVB dieser Verlust nicht sehr hart treffen?

Doch, natürlich. Wenn Steffen in der Rückrunde ausfallen sollte, würde es sehr schwer für uns. Ich denke, wir können das kompensieren – durch eine gute Teamleistung und Moritz Broschinski, der bisher leider lange Zeit verletzt war. Ich halte extrem viel von ihm, er ist ein quirliger Spieler und bringt die gewünschte Größe mit. Trotzdem würde uns Steffen extrem fehlen. Einerseits hoffe ich deshalb, dass er für uns spielt. Andererseits wünsche ich es ihm, dass er bei den Profis bleiben darf.

Sie selbst waren nach dem Regionalliga-Abbruch im vergangene Frühjahr Teil der Profi-Trainingsgruppe des BVB, haben später auch die Sommervorbereitung mit Mats Hummels, Erling Haaland und Co. bestritten.

Das hat unheimlich viel Spaß gemacht. Beim Training auf absolutem Top-Niveau dabei zu sein, ist das Schönste, was einem Fußballer widerfahren kann. Wie beispielsweise Erling Haaland oder Jadon Sancho performen, ist fast schon absurd. Klasse hat nichts mit dem Alter zu tun, das habe ich dort sehr gut sehen können.

Was konnten Sie darüber hinaus lernen?

Auf engem Raum ist die Qualität bei den Profis extrem hoch. Man muss sich schnell entscheiden, kann nicht lange überlegen. Es geht viel schneller und es brauchte einige Einheiten, bis ich mich an das Tempo anpassen konnte.

Ist Ihr Augenmerk in dieser Zeit verstärkt auf Guerreiro gefallen?

Genau. Natürlich besitzen alle Spieler da oben eine enorm hohe Qualität, das ist klar. Guerreiro im Training zu sehen, war allerdings sehr beeindruckend. Er fällt nicht so auf wie ein Erling Haaland – wer das Spiel aufmerksam schaut, sieht allerdings, dass er auf allerhöchstem Niveau spielt. Er könnte in jeder europäischen Mannschaft spielen.

Wie müssen sich die Leser Ihre Stimmungslage vorstellen, als Sie im vergangenen Sommer wieder abkommandiert wurden zu den Regionalliga-Fußballern des BVB – und nicht mehr im Kreise der Guerreiros und Haalands trainieren durften?

Ich habe viele Gespräch mit Lucien Favre geführt, er hat mich viel gelobt und mir aufgezeigt, dass ich eine hohe Qualität besitze und meinen Weg gehen werde. Gern wäre ich noch länger bei den Profis geblieben, auch jetzt würde ich natürlich gern oben dabei sein. Einen Spieler macht es besser, wenn er auf diesem Niveau trainieren darf. Und es fällt mir leichter, in der Regionalliga zu spielen, wenn ich in der Woche bei den Profis trainiert habe. Dann bin ich schneller im Kopf und in den Beinen.

Doch mit Ihnen wurde beziehungsweise wird anders geplant. Und Sie sind top-motiviert in die Regionalliga gestartet?

Absolut. Die Motivationsfrage stellte sich zu keinem Zeitpunkt. In meiner Karriere habe ich noch nicht so viel erreicht, dass ich mich zurücknehmen könnte. Ich muss jetzt liefern, ich muss mich zeigen und präsentieren. Außerdem ist die U23 meine Mannschaft, ich habe dort viele Freunde. Mich dort wieder einzugliedern, war überhaupt kein Problem.

Nun spielen Sie am Sonntag gegen Alemannia Aachen. Was ist möglich im kommenden Halbjahr?

Wenn wir gut starten, dann ist vieles drin. Rot-Weiss Essen spielt bisher eine super Saison, wir wollen aber dranbleiben.

Was wird nötig sein, um Essen bis zum Ende gefährlich zu sein?

Konstanz. Wir sind eine junge Mannschaft, deshalb wird es nicht einfach. Wir geben unser Bestes und gucken von Spiel zu Spiel. Trotz der sechs Punkte Rückstand haben wir keine schlechte Ausgangslage mit dem Nachholspiel in Gladbach. Und Anfang Februar spielen wir ja schon gegen Essen. Das wird sicher ein sehr interessantes Spiel.

Viele Ausrutscher darf sich der BVB II wohl nicht mehr erlauben.

Das stimmt. Aber darüber nachzudenken, bringt uns nicht weiter.

Sie persönlich besitzen noch einen Vertrag bis zum kommenden Sommer. Kürzlich haben Sie gesagt, 2021 sei ein entscheidendes Jahr. Heißt das, dass Sie nach der Saison einen Vereinswechsel anpeilen und sich jetzt auf Ihre Abschiedstour beim BVB II begeben?

Ich spiele beim BVB und versuche, bis zum letzten Tag mein Bestes zu geben und mit der Mannschaft Erfolge zu feiern. Was im Sommer passiert, kann ich heute noch nicht sagen, darüber mache ich mir jetzt auch noch keine großen Gedanken.

Ist es korrekt, dass Altinordu FK, der türkische Zweitligist, im vergangenen Jahr Interesse an Ihnen hatte?

Ja, aber konkret war da nichts. Und das habe ich mir auch nicht wirklich angeschaut, die Türkei ist aktuell keine Option für mich. Ich will mich hier in Deutschland durchbeißen, diesen Anspruch habe ich. Im vergangenen Sommer gab es noch zwei, drei andere Gespräche, die waren allerdings nicht überzeugend. Deshalb bin ich geblieben. Und die sechs Monate seither haben mir recht gegeben – es verlief, wie ich es mir erhofft hatte.

Abschließend noch: Mitte April 2020 hatten Sie ein Video per Instagram geteilt. Darin wurde das Coronavirus bagatellisiert. Wie stehen Sie heute dazu?

Künftig werde ich mich so nicht mehr äußern. Daraus habe ich gelernt.

Über den Autor
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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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