Konnte in seiner ersten BVB-Saison noch nicht überzeugen: Reinier. © imago
Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Reinier enttäuscht – jetzt kann es nur besser werden

Reinier konnte in seiner ersten Saison beim BVB noch keinen Fuß fassen. Mit großen Hoffnungen geholt, enttäuschte er. Beide Seiten müssen nun klären, ob eine Fortführung der Leihe Sinn macht.

„Der BVB hat eine lange Geschichte mit brasilianischen Spielern – Amoroso, Dede oder Tinga.“ Das sagte Reinier kurz nach seiner Ankunft in Dortmund im vergangenen Sommer. Der Leihspieler von Real Madrid hätte sicher nichts dagegen, wenn sich sein Name in diese Liste erfolgreicher Brasilianer bei Borussia Dortmund einreihen würde. Nach seiner ersten Saison beim BVB ist der 19-Jährige davon allerdings noch weit entfernt.

BVB-Leihgabe Reinier kam mit viel Vorschusslorbeer

Reinier wurde nach seiner Verpflichtung mit Vorschusslorbeer überschüttet. „Er ist selbstbewusst und weiß, was er kann. Und er bringt viel mit, um ein Topspieler zu werden“, lobte BVB-Sportdirektor Michael Zorc in höchsten Tönen. Häufig wurde der Vergleich mit Achraf Hakimi bemüht, der ebenfalls für zwei Jahre von Real an die Schwarzgelben ausgeliehen worden war – und in Dortmund richtig durchstartete.

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Nach dem ersten Jahr lässt sich sagen: Das ist bei Reinier nicht passiert. Auf 14 Einsätze kam er in der Bundesliga, 13 Mal davon wurde er nur eingewechselt. Dass er am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen, als es praktisch um nichts mehr ging, erstmals in der Startelf stand, fasst seine Saison gut zusammen.

Reinier kam beim BVB nur auf 339 Minuten in der ganzen Saison

Wettbewerbsübergreifend kam Reinier nur auf 339 Einsatzminuten. Nach insgesamt 19 Spielen stehen ein Tor und eine Vorlage auf seiner Habenseite. Das ist verglichen mit den Erwartungen, mit denen er geholt wurde, mehr als ernüchternd. Aber woran lag es, dass Reinier bis jetzt nicht in Tritt kam? Immerhin hatte Madrid im Januar 2020 30 Millionen Euro für den Offensivspieler, der in seinem Heimatland mit Kaka verglichen wird, an Flamengo Rio de Janeiro überwiesen.

Wie ein anderer BVB-Youngster, der US-Amerikaner Giovanni Reyna, der ebenfalls weit von seiner Heimat entfernt lebt, könnte auch Reinier der Lockdown während der Corona-Pandemie zu schaffen gemacht und die Eingewöhnung nicht gerade erleichtert haben. Dazu kamen Sprachprobleme, die Gewöhnung an eine neue Kultur und eine andere Spielweise.

Reinier kam ohne Spielpraxis zum BVB

Ein wichtiger Punkt in der Betrachtung ist, dass der brasilianische U-Nationalspieler wegen der Corona-Pandemie praktisch ohne Spielpraxis zur Borussia kam. Sechs Monate lang konnte er nach seinem Wechsel zu Real nicht spielen, da die Saison von Reals zweiter Mannschaft abgebrochen worden war. Seine körperliche Verfassung war daher zu Saisonbeginn nicht auf Bundesliga-Niveau.

Und als sich für Reinier wegen der Verletzung von Erling Haaland Anfang Dezember plötzlich die Chance auf mehr Spielpraxis bot, machte ihm eine Corona-Infektion einen Strich durch die Rechnung.

Fazit:

Der Vorteil nach seiner ersten, enttäuschenden Saison bei Borussia Dortmund ist, dass es für Reinier nur besser werden kann. Wie für alle Spieler bietet sich auch für ihn unter dem neuen Trainer Marco Rose die Möglichkeit, sich zu empfehlen. Für ihn spricht, dass man bei den Schwarzgelben noch an seine Qualitäten glaubt.

„Reinier ist ein Spieler, der riesiges Talent mitbringt und im Offensivbereich auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist. Er verfügt neben großen technischen Fähigkeiten auch über eine gute körperliche Robustheit“, sagt Michael Zorc. Zudem besticht der Spielmacher durch sein Auge für den Mitspieler und seine Torgefahr. In Dortmund werden auch seine Pünktlichkeit und Trainingsdisziplin gelobt.

Trotz im Januar aufgekommener Gerüchte hat Michael Zorc ausgeschlossen, dass Reiniers Leihe vorzeitig beendet wird. Wie der BVB darüber im Sommer denkt, bleibt aber abzuwarten, denn der BVB-Sportdirektor sagte auch: „Natürlich werde ich mir aber alles anhören. Wenn jemand unzufrieden ist, weil er zu wenige Einsätze hat, dann unterhält man sich.“

Guilherme Della Dea, der frühere U17-Nationalcoach Brasiliens, sagte mal über Reinier. „Er ist ein Junge, bei dem keiner weiß, wo überhaupt sein Limit liegt.“ Vielleicht kann Reinier ja in der kommenden Saison kräftiger aufs Gaspedal treten.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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Tobias Larisch
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