BVB-Trainer Edin Terzic (M.) gratuliert Torschütze Manuel Akanji. © imago / Team2
Meinung

BVB-Sieg des Willens! Nun muss Terzic gezielt an den Defiziten arbeiten

Bei Borussia Dortmund fällt nach dem 2:0 gegen Wolfsburg viel Ballast ab. Endlich wird beim BVB Einsatz über die Spielkunst gestellt. Edin Terzic muss nun gezielt an den Defiziten arbeiten.

Auf einige der statistischen Werte dürfte Edin Terzic nach der für ihn und Borussia Dortmund erfolgreich verlaufenen Heimpremiere als BVB-Cheftrainer mit einer gewissen Genugtuung geschaut haben. Seine Mannschaft lief über 115 Kilometer und trotz 60 Prozent Ballbesitz mehr als der Gegner, was in dieser Saison bislang die absolute Ausnahme war. Sie holte zehn Eckbälle heraus und gewann 52 Prozent der Zweikämpfe. Im positivsten Wortsinn hatte sich die Borussia das 2:0 gegen sehr starke Wolfsburger erarbeitet.

Das ist für Terzic eine gute Nachricht. Denn dieses Spiel zeigte zum einen, dass es fahrlässig wäre, immer dem einen Reflex zu folgen und nur zu den Bayern oder den Leipzigern zu schauen. Die Konkurrenz hat nicht geschlafen, sie ist im Kampf um die begehrten Plätze fürs internationale Geschäft, wo das richtige Geld zu verdienen ist, zahlreicher geworden. Auch in Wolfsburg spielt man mittlerweile ansehnlichen und erfolgreichen Fußball. In Gladbach sowieso, ja sogar bei Union Berlin, was der BVB vor Weihnachten schmerzhaft zu spüren bekommen hat. Siege gegen diese Teams sind beileibe kein Selbstläufer mehr, sie sind mehr als Pflichtprogramm.

BVB offenbart auch gegen Wolfsburg einige Defizite

Punkt zwei: Seine Mannschaft, die jahrelang für schönen Fußball stand, oft aber scheiterte, wenn sie hart angegangen wurde und Gegenwehr verspürte, zeigt sich endlich gewillt, für drei Punkte auch mal hart zu arbeiten, Einsatz und Engagement über die reine Spielkunst zu stellen. Das ist aktuell, wo nur Ergebnisse zählen und es gilt, nicht abreißen zu lassen angesichts eines strammen Programms im Januar, ohnehin Priorität eins für den BVB, war aber lange Zeit beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Für Terzic war es nach seinem Premierensieg in Bremen, dem prompten Rückschlag in Berlin-Köpenick und der Pflichtaufgabe im Pokal in Braunschweig ein wichtiger nächster Schritt. Er wird und muss die kommenden zwei Wochen, in denen endlich auch mal gezieltes gruppentaktisches Training möglich ist, nutzen, um auch gegen Wolfsburg noch erkennbare Defizite anzugehen.

Sancho belohnt sich, Brandt sitzt 90 Minuten lang auf der BVB-Bank

Einen ersten erfolgreichen Schritt hat Terzic auch bei seinem vielleicht schwierigsten Projekt gemacht: Jadon Sancho in die Spur zu bringen. Beim Engländer lief längst nicht alles rund, er vergab eine Großchance, was zu seiner aktuellen Situation passte. Aber er belohnte sich dafür, bis zum Schluss nicht aufgegeben zu haben. Wie groß die Last war, die nach seinem ersten Saisontreffer in der Liga von ihm abgefallen war, konnte man beim Torjubel in seinem Gesicht ablesen.

Für Sancho ist es noch ein langer Weg, für Julian Brandt, der 90 Minuten auf der Bank hockte, sowieso. Und damit auch für Terzic. Der Start in den Weg weisenden Januar aber ist schon mal geglückt. Und das zauberte sogar ein Lächeln ins Gesicht des neuen Dortmunder Trainers.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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