Auf der Suche nach der Form: BVB-Neuzugang Thomas Meunier. © dpa
Borussia Dortmund

BVB-Neuzugang Thomas Meunier und die Suche nach der Form

Im ersten Halbjahr beim BVB bleibt Thomas Meunier hinter den Erwartungen zurück. Der Belgier sucht noch immer nach seiner Form. Nun stehen entscheidende Prüfungen an.

Es war nicht der erste Pass von Thomas Meunier in dieser Saison, der im schwarzgelben BVB-Lager Sorgenfalten zur Folge hatte. Das Abspiel in der neunten Spielminute am vergangenen Sonntag geriet zu schlampig und landete in den Füßen Wout Weghorsts, seines Zeichens Stürmer des VfL Wolfsburg, blieb letztendlich aber folgenlos.

BVB-Profi Thomas Meunier leistet sich zu viele Fehler

Der Ball landete allerdings zweifelsfrei nicht da, wo er hätte landen sollen. Wieder einmal. Meunier, den BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Oktober im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten vehement verteidigte und sämtlichen Kritikern einen Besuch beim Optiker empfahl, als bereits erste leise Zweifel an der fußballerischen Klasse des Dortmunder Neuzugangs aufkamen, leistet sich aktuell zu viele Fehler in seinem Spiel. Oder noch immer. Seine Passquote liegt nur bei 84 Prozent, ohne, dass er besonders häufig das Risiko wählt. In absoluten Zahlen: Von 653 Pässen, die Meunier in der Bundesliga für den BVB spielte, kamen 547 bei seinen Mitspielern an, 106 landeten beim Gegner.

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Es sind nicht die einzigen Zahlen, die zeigen, dass Meunier nach seinem ablösefreien Wechsel von Paris Saint-Germain im vergangenen Sommer sportlich noch nicht wirklich angekommen ist bei Borussia Dortmund. Zwar bestritt er 18 von 23 möglichen Pflichtspielen für den BVB, 17 davon sogar von Beginn an, doch wirklich überzeugen konnte der belgische Nationalspieler im schwarzgelben Trikot nur selten. Wettbewerbsübergreifend legte Meunier zwei Tore auf, ein eigener Treffer blieb ihm bislang gänzlich verwehrt. Seine 33 Flanken, die er in der Bundesliga in gegnerische Strafräume schlug, erzeugten zu wenig Torgefahr. Auch 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind kein herausragender Wert.

Thomas Meunier soll für Balance im BVB-Spiel sorgen

Meunier selbst bezeichnete sich im Sommer, als er sich offiziell in Dortmund vorstellte, als „Arbeitstier“. Er sei „nicht super-talentiert“, sagte der 29-Jährige, „dass ich es zum Profi geschafft habe, habe ich harter Arbeit zu verdanken“. Und Zorc lobte im Oktober, Meunier sorge „für eine sehr gute Balance“ im Dortmunder Spiel. „Seine körperliche Präsenz und seine Ausstrahlung helfen uns enorm.“

Darüber darf, so ist das im Fußball manchmal, gestritten werden. Meunier wirkt mitunter eher wie ein Unsicherheitsfaktor, nicht unbedingt wie ein Stabilisator des BVB-Spiels. Sein RN-Notenschnitt in der Bundesliga liegt bei 4,0. Nur Nico Schulz (4,0) und Reinier (4,5) kommen genauso schlecht oder schlechter weg, haben allerdings nicht wie Meunier elf bewertete Spiele, sondern je nur eine bewertete Partie vorzuweisen. Schulz kassierte seine 4,0 beim 1:1 in Frankfurt, Reinier sollte beim 1:5 gegen VfB Stuttgart retten, was gewiss nicht zu retten war. In der Champions League schnitt Meunier dagegen ein bisschen besser ab, hier liegt sein RN-Notenschnitt bei 3,38 – und der Rechtsverteidiger damit immerhin vor Lukasz Piszczek (4,17), Felix Passlack (4,0), Marco Reus (4,0), Julian Brandt (4,25) und Axel Witsel (3,63).

Borussia Dortmund ist auf die Stärken von Meunier angewiesen

Trotz der bislang eher dürftigen Statistiken sind sie beim BVB noch immer überzeugt von ihrem Sommer-Transfer, der in Dortmund für vier Jahre bis zum 30. Juni 2024 unterschrieben hat. Zorc attestiert Meunier eine „Top-Mentalität“, eine „enorme körperliche Robustheit“ und „extrem viel Erfahrung“.

All diese Stärken wird Borussia Dortmund in den nächsten Wochen gut gebrauchen können – und Meunier wird sie verstärkt einbringen müssen. In Leipzig, in Leverkusen und in Mönchengladbach warten bis Ende Januar nicht nur auf den BVB besondere Herausforderungen im Allgemeinen, sie warten in Gegenspielern wie Angelino, Leon Bailey, Moussa Diaby oder dem Ex-Dortmunder Jonas Hofmann auch auf Meunier im Speziellen. Fahrlässige Fehlpässe wie den am vergangenen Sonntag gegen Wolfsburg nach neun Minuten sollte sich der belgische Nationalspieler in den nächsten Wochen dann wohl besser verkneifen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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