Soumaila Coulibaly trägt ab der kommenden Saison das Trikot von Borussia Dortmund. © scoulibaly_ / Instagram
Borussia Dortmund

BVB-Neuzugang Coulibaly „archetypisch für den neuen französischen Innenverteidiger“

17 Jahre jung, regelmäßig Gast beim PSG-Profitraining, dann der Kreuzbandriss. Warum der BVB und Innenverteidiger-Talent Soumaila Coulibaly zusammenpassen könnten.

Thomas Tuchel hatte das Vergnügen erstmals im vergangenen September, vor wenigen Wochen dann auch Mauricio Pochettino. Die Weltklasse-Trainer von Paris Saint-Germain wollten sich diesen vielversprechenden Innenverteidiger aus der eigenen Akademie genauer ansehen. Soumaila Coulibaly, 17 Jahre jung, gehörte zweifellos zu den größten Talenten aus der Talentschmiede von Paris Saint-Germain. Philipp Goguet, Autor und Mitbegründer des Fanzines „Culture PSG“, beschreibt ihn als „Archetypen des neuen französischen Innenverteidigers: physisch stark, schnell, gut am Ball. Er verteidigt, um schnell wieder nach vorne zu spielen.“ Jetzt hat sich Borussia Dortmund Coulibaly geschnappt, der Franzose hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. „Das“, sagt Goguet, „ist ein schwerer Schlag für PSG.“ Weg ist der Hoffnungsträger.

Neuzugang Coulibaly: „Der BVB ist der richtige Verein“

Coulibaly erklärte laut BVB-Mitteilung, dass er „dankbar“ sei für die Ausbildung, die er in Paris genossen habe. „Aber ich glaube, dass dieser Wechsel nun der beste Schritt für mich ist“. Er habe auch Angebote von anderen Klubs vorliegen gehabt, „aber als ich zum ersten Mal mit den BVB-Verantwortlichen gesprochen habe, wusste ich direkt, dass das der richtige Verein für mich ist. Ich kann es nicht erwarten, bei meinem neuen Klub loszulegen.“

Für Borussia Dortmund sprach aus Sicht von Coulibaly die höhere Durchlässigkeit bei den Profis und das nachgewiesen höhere Entwicklungspotenzial für die Toptalente. Bei Paris Saint-Germain sahen er und sein Umfeld demnach weniger Perspektiven, zumal die linke Innenverteidiger-Position mit Presnel Kimpembe, Abdou Diallo sowie dem nächsten Toptalent El Chadaille Bitshiabu (15), der bereits einen Profivertrag unterschrieben hat, besetzt scheint.

Coulibaly ist beim BVB für den Profi-Kader eingeplant

Beim BVB, wo Coulibaly nach seiner Reha und der folgenden Eingewöhnungszeit für den Profikader eingeplant ist, spielen Mats Hummels (32) und der verletzungsanfällige Dan-Axel Zagadou auf seiner Planstelle. Apropos: PSG-Experte Goguet beschreibt den schwarzgelben Neuzugang als „eine Art Dan-Axel Zagadou 2.0: Er ist zwar etwas kleiner (1,90 statt 1,95 Meter, Anm. d. Red.), aber besser mit dem Ball.“

Soumaila Coulibaly (M.) hat beim BVB einen langfristigen Vertrag unterschrieben. © scoulibaly_ / Instagram © scoulibaly_ / Instagram

Davon haben sich die Dortmunder Scouts mehrfach überzeugt und sind auch bei ihrer Kaufempfehlung geblieben, als sich Coulibaly am 25. Februar im Training bei den Profis das Kreuzband riss. Auf einen Wechsel geeinigt hatten sich die Parteien nach Informationen der Ruhr Nachrichten bereits im Januar. Wenige Tage nach seiner Verletzung wurde Coulibaly am lädierten Knie operiert. Die Spielpause, die wegen des coronabedingt ruhenden Betriebs in den französischen Juniorenligen seit Oktober andauert, wird sich für den zukünftigen Borussen also bis in den Herbst hinziehen.

BVB-Neuzugang Coulibaly: robust, reif und stark im Antritt

Ab dann darf sich der BVB auf ein vielversprechendes Innenverteidiger-Talent freuen. Coulibaly ist physisch stark, nicht nur dank seiner Körpergröße sehr robust und reif, dazu stark im Antritt. Seine ausgeprägt gute Technik mit dem linken Fuß erlaubt ihm auch Pässe, die man sonst eher von offensiven Spielern kennt. Ballverarbeitung, Tempo, Spielintelligenz – alles ist angelegt beim 17-jährigen Coulibaly. Er könnte neben den beiden Innenverteidiger-Positionen auch in einer Dreierkette oder als Linksverteidiger eingesetzt werden.

PSG-Sportdirektor Leonardo scheiterte mit seinen Versuchen, dem Eigengewächs einen Profivertrag schmackhaft zu machen. Die anderen großen französischen Klubs aus Lyon und Marseille sollen um ihn geworben haben, aus dem Ausland Juventus Turin, der FC Bayern München – und eben Borussia Dortmund. Wegen der geringen Ausbildungsentschädigung, die im sechsstelligen Bereich liegt, plagen den BVB auch keine Bedenken wegen der schweren Verletzung.

Coulibaly wird beim BVB erst im Herbst auf den Platz zurückkehren

Wie sich der Riss des Kreuzbandes auf Coulibalys Leistungen auswirken wird, muss eh die Zeit zeigen. „Es erinnert an den Fall Mamadou Doucoure in Gladbach. Er war sehr gut in Paris, aber er kam mit einer großen Verletzung dort an und fand seinen Platz nicht, so dass es ein großes Problem für seine Integration und Anpassung sein könnte“, sagt Goguet.

Doch so muss es nicht kommen. Der BVB darf auf seine langjährige Erfahrung mit der erfolgreichen Integration von jungen (und verletzten) Spielern setzen und fährt in der langfristigen Personalstrategie zweigleisig: In Nnamdi Collins aus der eigenen U19 sowie Soumaila Coulibaly dürfen sich bald zwei Kandidaten für die Innenverteidigung der Zukunft im Training für die ersten Profieinsätze empfehlen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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