Borussia Dortmund

BVB-Nachmittag der großen Emotionen: Do widzenia, Lukasz Piszczek!

Das Ende einer turbulenten wie kräftezehrenden BVB-Saison wird Lukasz Piszczek noch lange im Gedächtnis bleiben. Der 35-Jährige erlebt einen Samstag der großen Emotionen. Do widzenia!
Lukasz Piszczek (l.) beendet nach elf BVB-Jahren seine Profikarriere. © imago / firo

Die Tribünen des Signal Iduna Parks hätten ohne Zweifel gebebt. 80.000 Fans hätten ihrem Helden einen gewaltigen, ohrenbetäubenden letzten Akt bereitet. Doch auch in Corona-Zeiten wurde es ein Nachmittag großer Emotionen für Lukasz Piszczek. Nach elf Jahren im BVB-Trikot nahm er am Samstag beim 3:1 (1:0)-Erfolg der Borussia gegen Bayer Leverkusen Abschied. Und das in besonderer Rolle: Marco Reus überließ seinem Weggefährten in dessen letztem Profispiel die Kapitänsbinde und führte die Borussia aufs Feld. Bedruckt war die Binde mit Piszczeks Nummer 26. Schon beim Warmmachen der Teams kletterte der Gänsehaut-Faktor.

Lukasz Piszczek erlangt beim BVB Legendenstatus

Die BVB-Fans hatten Piszczek zu Ehren auf der Südtribüne große Banner befestigt. „Für immer Borusse. Für immer Deutscher Meister. Dziekuje, Piszczu“ stand dort ebenso zu lesen wie „Kampf, Leidenschaft und Emotionen, Lukasz“ oder „Spieler kommen und gehen – Legenden bleiben bestehen“. Den Legendenstatus des 35-Jährigen dokumentierte auch der Klub: Piszczeks riesiges Konterfei ziert nun eine der Betonsäulen des Signal Iduna Parks, er findet sich dort neben Klub-Ikonen wie Michael Zorc, Dede oder Lars Ricken.

Auch wenn es ein echtes Abschiedsspiel für Lukasz Piszczek vor möglichst vielen Fans im Signal Iduna Park irgendwann noch geben soll, verabschiedete auch die Klubspitze persönlich und emotional den zweifachen Meister und dreifachen Pokalsieger vor dem Anpfiff am Samstag: Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Sebastian Kehl übergaben Geschenke, die Teamkollegen, die sich im Piszczek-Shirt warmgemacht hatten, applaudierten.

21 Punkte aus sieben Spielen – BVB reiht im Endspurt Sieg an Sieg

Die BVB-Fans bedachten auch Cheftrainer Edin Terzic, der sein Amt an Marco Rose weitergibt, mit einer öffentlichen Würdigung. Auf einem Banner auf der Westtribüne stand: „Den Pokal in der Hand, Borussia im Herzen! Danke, Edin!“ Terzic führte die Borussia in seiner fünfmonatigen Mission zum umjubelten Pokalsieg und in die Champions League. Dank des Erfolgs gegen Bayer Leverkusen zum Abschluss der Saison sicherte sich Dortmund in der Bundesliga sogar noch Rang drei. Und einen bemerkenswerten Titel: Meister der letzten sieben Saisonspiele! Die maximale Ausbeute von 21 Punkten im Endspurt, das gelang außer der Borussia keinem anderen Team. Terzic gewann quasi nebenbei auch noch das erste Cheftrainer-Duell mit seinem guten Freund Hannes Wolf.

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Terzic hatte Nico Schulz, Julian Brandt und Reinier in seine Startelf gegen Bayer beordert, das Trio war bislang wenig bis gar nicht zum Zuge gekommen. Brandt und Reinier machten direkt auf sich aufmerksam, denn sie waren an der frühen Führung des BVB maßgeblich beteiligt. Brandt eroberte den Ball am Leverkusener Strafraum, Reinier steckte durch zu Erling Haaland, und der Norweger schoss ins lange Eck – 1:0 (5.), es war das 26. Saisontor.

BVB-Kapitän Marco Reus weckt die Mannschaft wieder auf

Die Borussen stellten – in ihren neuen Trikots mit dem auffälligen Zebramuster auf den Ärmeln – das bessere, aktivere Team der ersten halben Stunde. Sie ließen dann jedoch merklich nach, so dass die Gäste ihre Chance auf den Ausgleich witterten: Manuel Akanjis wichtige Rettungstat (32.) vor Demarai Gray und Roman Bürkis Glanzparade gegen Paulinhos Direktabnahme (35.) bewahrten den BVB vor dem 1:1.

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Bundesliga, 34. Spieltag: BVB – Bayer Leverkusen 3:1 (1:0)

Erst Marco Reus weckte den BVB kurz nach der Pause wieder auf: Sein Freistoß segelte an Freund und Feind vorbei ins Leverkusener Netz zum 2:0 (51.) – das achte Saisontor des Kapitäns. Für dessen Stellvertreter kam dann der sportliche Abschiedsmoment: Um exakt 17:05 Uhr, nach 74 Spielminuten, schritt Lukasz Picszczek endgültig vom Platz – mit Tränen in den Augen, durch das Spalier seiner Kollegen. Für die Spieler, Trainer und Betreuer auf der Bank gab es Umarmungen für den Rechtsverteidiger, der jetzt nur noch aus Lust und Laune bei seinem Heimatklub in Polen in der 4. Liga kicken will. Und die Dortmunder Kollegen? Die ließen es gegen Bayer noch einmal krachen: Erling Haaland schnürte seinen zehnten Doppelpack der Saison, der Norweger nutzte einen kapitalen Leverkusener Fehler, schoss eiskalt mit links zum 3:0 ein (84.) und schraubte seine fulminante Saisonquote auf 41 Treffer in 41 Pflichtspielen.

Der BVB bringt eine holprige Saison zu einem guten Ende

Dass Leverkusens Lars Bender, der ebenso wie Bruder und Ex-Borusse Sven sein letztes Karriere-Spiel bestritt, dann noch Ergebniskosmetik betrieb – sein verwandelter Foulelfmeter brachte Bayer das 3:1 (90.), trübte die Freude des BVB nicht. Im Gegenteil, die Borussia durfte feiern und eine über weite Strecken holprige Saison, die gespickt war mit so vielen Enttäuschungen und dem Rauswurf von Trainer Lucien Favre im Dezember, mit einem sehr guten Gefühl abschließen. Und mit der positiven Bilanz, letztlich alle sportlichen Ziele doch noch erreicht zu haben.

Der Nachmittag, der mit einem emotionalen Moment begonnen hatte, mündete auch in einem solchen: Schiedsrichter Manuel Gräfe, der sein letztes Spiel gepfiffen hatte, weil er die Altersgrenze von 47 Jahren erreicht hat, schritt mit seinen Kindern durch ein Spalier der Profis und Trainer beider Teams und erntete Applaus. Gänsehaut pur. Fußball von seiner schönsten Seite.

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