BVB-Trainer Marco Rose schenkt Linksverteidiger Nico Schulz das Vertrauen. © picture alliance/dpa
Borussia Dortmund

BVB-Linksverteidiger: Weitere Bewährungschancen für Nico Schulz

Nico Schulz schien schon abgeschrieben. Nun sind sie beim BVB froh, ihn zu haben. Nach dem Guerreiro-Ausfall hat der Linksverteidiger die Chance, sich zu empfehlen. Wird er sie nutzen?

Es gibt eine Anekdote aus dem Dezember 2010. Nico Schulz war damals zarte 17 Jahre alt und ein vielversprechendes Fußballtalent. In der Hauptstadt geboren, hatte es Schulz schon in jungen Jahren zu Hertha BSC geschafft. Nun stand er kurz vor dem Sprung in den Profikader. Die Feiertage waren vorüber. Bei Hertha wollten sie noch vor dem Jahreswechsel wieder in den Übungsbetrieb einsteigen. Doch Nico Schulz und sein Mitspieler Marco Djuricin verpassten den Trainingsstart. Sie saßen unfreiwillig am Flughafen in Wien fest. Der „Tagesspiegel“ berichtete seinerzeit darüber.

BVB-Verteidiger vom Streichkandidaten zum wichtigen Back-up

Rund elf Jahre später ist aus Nico Schulz ein gestandener Bundesliga-Profi geworden. Über Berlin, Mönchengladbach und Hoffenheim hat er schließlich im Juli 2019 bei Borussia Dortmund angeheuert. Dort aber ist ihm seither das passiert, was ihm einst auch am Wiener Flughafen widerfuhr – er steckt fest. Weder unter Lucien Favre noch unter Edin Terzic konnte der für 25 Millionen Euro verpflichtete Abwehrspieler die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen. Seither ist Schulz ein besserer Notnagel.

Nicht von ungefähr galt der 28-Jährige im Sommer als einer der Streichkandidaten, den der BVB gerne veräußert hätte. Dass es seinerzeit keinen Abnehmer gab, könnte sich im Nachhinein für die Borussia noch als glückliche Fügung erweisen. Denn in dieser Saison ist Schulz ein wichtiger Back-up für den häufig von Blessuren geplagten Raphael Guerreiro.

Neue Bewährungschancen nach Ausfall von Raphael Guerreiro

Schon zu Saisonbeginn war der zwölffache Nationalspieler als Stellvertreter des noch verletzten Portugiesen auf der Position des Linksverteidigers gesetzt – und machte seine Sache in DFB-Pokal, Supercup und Bundesliga weitgehend ordentlich. Die Fans auf der Südtribüne quittierten die Bemühungen bei jedem Ballkontakt mit lauten „Schuuuuuulz“-Rufen. Das war schon in den 90er Jahren bei seinem Namensvetter Michael Schulz so. Doch weder die Beliebtheit noch die Kompromisslosigkeit des als Eisenfuß bekannten Manndeckers kann Nico Schulz bislang für sich reklamieren.

Doch das könnte sich in den nächsten Wochen ändern. Denn nach dem neuerlichen Ausfall von Raphael Guerreiro, der mit einem Muskelfaserriss vorerst nicht zur Verfügung steht, warten weitere Bewährungschancen auf Schulz. Marco Rose attestiert seinem Linksverteidiger seit Wochen gute (Trainings-)Leistungen. Und auch sonst stärkt der BVB-Coach dem oft Getadelten den Rücken.

BVB-Trainer Marco Rose stärkt Nico Schulz den Rücken

„Wir wissen alle, was Nico für Qualitäten hat. Welchen Fußball er schon gespielt hat und warum er dann auch zu Borussia Dortmund geholt wurde“, sagte Marco Rose schon zu Beginn der Saisonvorbereitung über Schulz. Auch beim jüngsten Testspiel gegen den SC Paderborn hob der Trainer dessen Leistungen explizit hervor.

Natürlich steckt dahinter auch die Absicht, den nicht gerade mit enormem Selbstvertrauen ausgestatteten Schulz womöglich etwas stärker zu reden, als er es tatsächlich ist. Aber das ist legitim und gehört zu den Aufgaben des Fußballlehrers. Ohnehin gilt Marco Rose als Bessermacher, der Spieler weiterentwickeln kann. Einstmals als flatterhaft geltende Akteure wie Thomas Meunier oder Mahmoud Dahoud haben sich unter Roses Regie spürbar stabilisiert und einen Schritt nach vorne gemacht.

Sebastian Kehl: „Nico Schulz hat sich viel vorgenommen“

Das erhoffen sie sich in Dortmund nun auch von Nico Schulz. „Nico hat eine deutlich positive Entwicklung genommen und gezeigt, dass er sich viel vorgenommen hat“, sagt Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Schulz hat nun in den kommenden Wochen die Chance, zu zeigen, dass er für den BVB eine Bereicherung darstellt und dass es gut war, ihn zu behalten. Schulz ist in Berlin-Tegel geboren worden. Den dortigen Flughafen hat man im Mai dieses Jahres geschlossen. Für sein Kapitel bei der Borussia wiederum gilt das noch nicht. Einen abgehobenen Schulz braucht niemand. Aber gegen einen, der mit seinen Leistungen abhebt und nicht weiter am Boden festsitzt, hätte ganz sicher niemand in Dortmund etwas einzuwenden.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.